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Claudio Abbado: Warmer Blumenregen für den kühlen Maestro

Mit Ovationen und einem Blumenregen hat sich das Wiener Publikum von Claudio Abbado als Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker verabschiedet.

Ein herzlicher Abschied für den kühlen Maestro: Mit einem wahren Blumenregen, Ovationen und Tränen des Wiener Publikums ist am Montagabend das letzte Konzert von Claudio Abbado als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker zu Ende gegangen. Rhythmisches Klatschen rief den Maestro im Großen Saal des Musikvereins mehrmals auf die Bühne zurück. Das Konzert mit Mahlers Symphonie Nr. 7 war die letzte Station der Abschiedstournee des Mailänder Dirigenten nach seiner zwölfjährigen Tätigkeit am Pult des Berliner Orchesters. Als »sehr bewegenden Abschluss einer wichtigen Ära« beschrieb der neue Musikdirektor der Wiener Festwochen, Hans Landesmann, das Konzert.

Dass Abbado für das Finale seines langen Abschieds Wien gewählt hatte, wurde an der Donau als Geste an eine wichtige Station in seiner Laufbahn gewertet. Einen Teil seiner Ausbildung hatte der Musiker hier bei Hans Swarowsky absolviert. Als Generalmusikdirektor der Stadt und als Gründer des Festivals für Neue Musik »Wien Modern« hat der Italiener der Traditionsstadt richtungweisende Impulse gegeben. Im Bemühen um Innovationen und auf steter Suche nach Aufgaben abseits populärer Wege habe Abbado in Salzburg wichtige Meilensteine gesetzt, würdigte Landesmann als langjähriger kaufmännischer Leiter des Festivals das Wirken des Musikers an der Salzach.

Schon vor dem mit Spannung und Wehmut erwarteten Ereignis streute die mit Lob gewöhnlich zurückhaltende Kritik dem 68-jährigen Pultstar Rosen. Von »gewaltigen Verdiensten« um die zeitgemäße Interpretation der Wiener Schule war die Rede, von einer »groß- und einzigartigen pädagogischen Ader«, die ihn zur Gründung des Gustav Mahler Jugendorchesters angeregt hatte, von »glanzvollen Premieren« und Interpretationen, die »lehrten, dass Erkennen und Fühlen in auserwählten Momenten dasselbe sein können«. Diese vorauseilende Ehrungen hat Abbado mit seinem Abschiedskonzert nach einhelliger Meinung von Kritik und Publikum eingelöst.

Nach einer ungewöhnlich langen Pause, die dem gewaltigen Finale der Mahler-Symphonie folgte, setzte tobender Applaus ein. In einer Abschiedszeremonie überreichten die Musikerinnen des Orchesters dem scheidenden Chefdirigenten jeweils eine Rose. Die geplante Übergabe des Taktstocks an den Nachfolger Sir Simon Rattle fand dagegen auf Abbados Wunsch nicht statt. Der introvertierte und trotz seiner Krebserkrankung frisch wirkende Musiker hatte die Zeremonie abgelehnt und auch Foto- und Fernsehaufnahmen verboten.

Bereits im Februar 1998 hatte sich Abbado entschieden, seinen Vertrag mit den Berlinern nicht über das reguläre Ende 2002 hinaus zu verlängern. Im Sommer 2000 war der als kühl und dennoch charismatisch geltende Musiker an Krebs erkrankt und musste sich für Monate vom Konzertbetrieb zurückziehen. Seine Abschiedstournee führte von Berlin über verschiedene Städte in Italien nach Wien. Der von seiner Krankheit gezeichnete Maestro will sich zunächst in sein Haus im Schweizer Fextal zurückziehen. Noch vor dem großen Finale aber kündigte er eine weitere Tournee mit den Berliner Philharmonikern an.