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Die besten Alben: Bee Gees: "The Record: Their Greatest Hits"

Trotz Eunuchenstimme, geföhnten Locken und Glitzeroveralls: Die Bee Gees gehören mit dem Album "The Record: Their Greatest Hits" eindeutig nach ganz oben auf die Liste der All-Time-Faves.

Kaum zu glauben, dass drei Brüder mit so tuntigen Eunuchenstimmen in viel zu engen Glitzer-Overalls mit Riesenstehkragen und Brusthaarimplantaten, gepaart mit geföhnten langen Locken, die selbst Bon Jovi in seinen besten Jahren neidisch werden ließen, so erfolgreich sein können.

Trotzdem - oder gerade deshalb zählen die Bee Gees (Brothers Gibb) neben den Beatles, Paul McCartney, Elvis Presley und Michael Jackson zu den fünf erfolgreichsten Künstlern der Musikgeschichte: Über 100 Millionen Schallplatten haben die drei Gibb-Brüder (Barry und die beiden Zwillinge Maurice und Robin) verkauft. Gleichzeitig mit fünf Liedern in den Top 10 der USA vertreten? Für die Bee Gees kein Problem. Sie erhielten unter anderem sieben Grammys, mehrere American und Brit Awards und zogen in die Rock'n'Roll Hall of Fame ein. Selbst im Guiness Buch der Rekorde sind die Bee Gees vertreten: in der Milleniums-Ausgabe als "erfolgreichste Familienband der Welt".

Soviel Bee Gees wie möglich für möglichst wenig Geld

Zwischen all den vielen Nummer-eins-Hits ist es schier unmöglich, das beste Album herauszupicken: Um soviel Bees Gees wie möglich für möglichst wenig Geld zu bekommen, muss man sich unweigerlich für das Album "The Record: Their Greatest Hits" entscheiden. Na gut, der Titel ist zwar etwas lieblos geraten, dafür haben sich die Gebrüder mit der Track-Auswahl umso mehr ins Zeug gelegt: 40 Lieder (insgesamt 2 ½ Stunden!) geben eine umfassende Retrospektive ihrer über 30-jährigen Karriere. Alle sind sie drauf, die Super-Hits, bei denen entweder die Füße und die Hüfte von ganz alleine anfangen zu zucken, die Tränendrüse sich verselbstständigt oder zumindest ein innerer Zwang einem befiehlt, unbedingt sofort laut mitträllern zu müssen.

Bis auf eine Ausnahme chronologisch angeordnet, sind auf der ersten CD die Werke aus den Jahren 1967 bis 1978 zu finden, einschließlich der Song mit dem unaussprechlichen Namen "Massachusetts". Die zweite CD hingegen läutet die Disco-Zeit ein. Deren erste drei Stücke stammen aus dem Soundtrack "Saturday Night Fever", der die Bee Gees unsterblich gemacht hat.

...Whether you're a brother or whether you're a mother,
you're stayin' alive, stayin' alive.
Feel the city breakin' and everybody shakin',
and we're stayin' alive, stayin' alive.
Ah, ha, ha, ha, stayin' alive, stayin' alive.
Ah, ha, ha, ha, stayin' alive...

"Stayin' Alive" ist der meistgekaufte Soundtrack in der Musikgeschichte

Über 40 Millionen mal ging allein diese Scheibe über die Ladentheke. Danach folgen Lieder aus den 80er und 90er Jahren wie "More than a woman" und "Too much Heaven". Um uns den Abschied zu versüßen, gibt es dann als allerletzten Track den allerersten Hit der Bee Gees, "Spicks & Specks" aus dem Jahre 1966.

Ein paar "Fremgeher" sind auch dabei, denn einige der Lieder auf dem Album sind streng genommen nicht von den Bee Gees. So beispielsweise das Lied "Guilty", ein Duett von Barbara Streisand mit Barry Gibb, oder Songs wie "Heartbreaker", die die Gibbs zwar geschrieben, aber nicht selbst gesungen haben.

...Why do you have to be a heartbreaker
Is it a lesson that I never knew
Gotta get out of the spell that I'm under
My love for you
Why do you have to be a heartbreaker
When I was bein' what you want me to be
Suddenly ev'rything I ever wanted has passed me by
This world may end
Not you and I

"The Record": Das Album ersezt die Ratschläge der beste Freundin

Überhaupt hat das Album mindestens einen Hit für alle Lebenslagen parat: Will man in Selbstmitleid zerfließen, einfach "Alone" anhören. Braucht man dagegen eine Aufmunterung, ist "You Win Again" ideal. "To Love Somebody" ist ein Hör-must für eingleisig Verliebte, dasselbe gilt für "Too Much Heaven" bei Frischverliebten und "Love So Right" bei Herzschmerz. "Secret Love" muss man - wenn man eine Affäre hat - unbedingt laut mitträllern. Bei einer persönlichen Lebenskrise helfen "Tragedy" und der etwas gewöhnungsbedürftige Titel "New York Mining Disaster 1941" mit guten Ratschlägen. Steht ein Disco-Besuch an, dürfen die Klassiker "Night Fever" und "Stayin' Alive" nicht fehlen. Sogar beim Stichwort Heimweh hat das Album einen Song zu bieten: "Massachusetts".

Sarah Faupel