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Disco-Könige Barry Gibb von den Bee Gees: "Ich bin der Älteste. Ich hätte zuerst gehen sollen"

Auf der Höhe des Ruhmes: Die Bee Gees 1979
Auf der Höhe des Ruhmes: Die Bee Gees 1979
© GP/MPI/ / Picture Alliance
Mit dem Soundtrack von "Saturday Night Fever" schrieben die Bee Gees Popgeschichte. Barry Gibb überlebte seine Brüder und sprach nun über seine Schuldgefühle.

Es gibt langjährige Bands, die gehen sich nach dem Auftritt möglichst aus dem Weg, anders die Bee Gees. Die Brüder waren immer zusammen und so symbiotisch, als wäre der ältere Barry Gibb auch ein Zwilling, so wie seine Brüder Maurice und Robin. Mit 74 Jahren ist Barry Gibb heute der letzte lebende Bee Gee. Er sprach mit der "London Times" über seine Trauer und wie ihn seine Frau Linda von seinen Schuldgefühlen erlöste.

Gibb ist der letzte lebende König der Disco-Ära. Maurice starb 2003 und sein Zwillingsbruder Robin 2012. Andy schon 1988 nach jahrelanger Kokainabhängigkeit. "Ich bin der Älteste, dabei hätte es mich zuerst treffen sollen", sagte er zur "Times". "Ich nehme an, das ist eine Form von Schuld. Die Schuld des Überlebenden."

Anders als seine Brüder hat sich Barry immer von Drogen ferngehalten. Drogen und großartige Songs gehen nicht zusammen, ist sich Barry Gibb sicher, auch wenn viele das Gegenteil glaubten. Er sei nicht seine innere Stärke gewesen. "Wenn ich Linda nicht gehabt hätte, wäre ich den gleichen Weg gegangen. Sie wollte das nicht zulassen. Wenn ich etwas ins Haus brachte, ging es die Toilette hinunter."

Lange Zeit wollte Barry Gibb nicht mit den großen Hits auf die Bühne gehen. "Nachdem Mo gestorben war, wollte Robin, dass wir als Bee Gees weitermachen, damit konnte ich nicht umgehen", erinnert er sich. Er sagte zu seinem letzten verbliebenen Bruder: "Wir können Barry und Robin sein, oder wir können Robin und Barry sein, aber wir können nicht die Bee Gees ohne Mo sein."

Ein Jahr Verzweiflung

Und dann sei auch noch Robin gestorben. Danach wollte er, Gibb, gar nichts mehr machen. "Ich wusste nicht, wohin ich gehen sollte. Ich wusste nicht, ob ich weiter spielen oder Platten machen wollte", sagt er. "Ich habe mindestens ein Jahr damit verbracht, überhaupt nichts zu verstehen." Irgendwann habe es seiner Frau gereicht. Sie sagte: 'Warum kriegst du nicht deinen Arsch hoch? Du weißt, was du tun kannst." Da ging er zurück ins Studio und schrieb ein Soloalbum. "In the Now" wurde 2016 veröffentlicht.

2017 trat Barry Gibb in Glastonbury auf. Heute sagt er, es die "die größte Nacht meines Lebens" gewesen. Natürlich wusste er, dass die Klassiker - "Tragedy", "Stayin' Alive" und "Night Fever" - aus dem Soundtrack von "Saturday Night Fever" Popgeschichte geschrieben hatten, aber er hatte keine Ahnung, wie sehr diese Musik die Menschen heute noch bewegt. "Wir haben 'To Love Somebody' gespielt und der Applaus hörte nicht auf. Das war das der größte Moment, den ich je auf der Bühne erlebt habe."

Erst damals erkannte er, wie langlebig diese Musik war. Einmal habe seine Tochter in ihrem Auto gesessen, erzählt er der "Times" stolz. Plötzlich lief "Stayin' Alive" im Radio. Sie habe die Anlage voll aufgedreht und die Fenster heruntergelassen und dann hätten die Leute auf der Straße getanzt. "Aus irgendeinem Grund ist es immer noch Teil der Kultur. Also kann ich am Ende stolz darauf sein."

An der neuen Dokumentation "The Bee Gees: How Can You Mend a Broken Heart" hat Barry Gibb mitgewirkt. Doch ansehen kann sich der große Bruder den Streifen nicht. "Meinen Brüdern, die nicht mehr hier sind, kann ich nicht zusehen. Ich kann es einfach nicht. Es ist unmöglich."

Quelle: The Times


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