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Eurovision Song Contest: Stefan Raab tritt gegen den Grand Prix an

Mit seinen Teilnahmen galt er einst als Retter des Eurovision Song Contest. Doch inzwischen hat Stefan Raab seine eigene Veranstaltung aufgezogen und macht dem alten Grand Prix mächtig Konkurrenz.

Sie waren das "Traumpaar" der deutschen Grand- Prix-Vorentscheidung: Gemeinsam haben es TV-Moderator Stefan Raab und NDR-Unterhaltungschef Jürgen Meier-Beer geschafft, den Wettbewerb von seinem alten Mief zu befreien. Als die einstige Schlagershow in der Bedeutungslosigkeit zu versinken drohte, verpasste Meier-Beer ihr einen Relaunch - mit Erfolg. Sein größter Trumpf war Raab: Als Produzent schickte dieser 1998 Guildo Horn ins internationale Rennen, zwei Jahre später trat er selbst an. Auch als das Comedy-Konzept ausgereizt war, hatte Raab mit dem Vorjahresteilnehmer Max Mutzke die passende Antwort parat. Doch jetzt gehen Grand-Prix-Organisator Meier-Beer und "TV Total"-Mann Raab getrennte Wege - über den Erfolg entscheiden TV-Zuschauer und Musikfans in den nächsten vier Wochen.

Enttäuschung über achten Platz von Max

ProSieben-Star Raab muss bereits an diesem Samstag (12. Februar) vorlegen: Dann geht das Finale seines "Bundesvision Song Contest" in der Arena Oberhausen über die Bühne. 16 Künstler, zum Großteil erfolgreiche Popstars, starten für jeweils ein Bundesland, der Sieger wird live per Telefonabstimmung ermittelt. In seiner "TV total"- Sendung durften sich die Kandidaten ausführlich präsentieren. Die Idee kam Raab nach dem Grand-Prix-Finale 2004, als ihn der 8. Platz für Mutzke ("Can’t Wait Until Tonight") schon enttäuscht hatte - er hatte sich mehr ausgerechnet. "Man tritt beim Eurovision Song Contest immer wieder mit der Illusion an, dass dort nach musikalischen Gesichtspunkten entschieden wird. Das ist aber nicht so."

Dem umtriebigen Moderator jedenfalls gelang es, deutsche Popstars wie Juli, Mousse T., Deichkind, Fettes Brot, Sammy Deluxe und Sandy dafür zu gewinnen. Dem "Spiegel" verriet der 38-jährige Raab bereits, dass ihm eine "deutsche Variante des San-Remo-Musikfestivals" vorschwebt, ein "jährliches Zusammentreffen der Créme de la Créme der deutschen Popszene". Diesmal gehe es für Raab um mehr als eine Grand-Prix-Provokation, meint das Magazin, nämlich um "den Wandel vom Blödel-Idol zum Guru des deutschen Popgeschäfts". Der Grand Prix jedenfalls muss diesmal definitiv ohne Raab auskommen. "Die Liste unserer Teilnehmer ist jetzt komplett", verkündete Meier-Beer.

Die ARD-Show, die erstmals an einem Samstagabend gezeigt wird, wartet allerdings nur mit wenigen prominenten Gesichtern auf. Insgesamt zehn Teilnehmer werden am 12. März um das Ticket zum internationalen Finale am 21. Mai in Kiew singen. Neben dem Pop-Duo Orange Blue gehören noch Udo Lindenbergs "Schützling" Ellen ten Damme und Stefan Gwildis zu den Bewerbern mit der meisten Erfahrung im Showgeschäft. Als weitere Bewerber haben die Plattenfirmen die Bands Allee der Kosmonauten, die Murphy Brothers, Königwerq sowie Ex-"Bravo TV"-Moderatorin Mia Aegerter und Sängerin Villaine angemeldet. Das Duo Under One Flag, zu dem sich die Castingshow-Teilnehmer Nicole Süßmilch und Marco Matias gefunden haben, tritt erstmals gemeinsam auf.

Gracia über Chartplatzierung qualifiziert

Die Reaktionen der Grand-Prix-Fans angesichts dieses eher unspektakulären Teilnehmerfeldes sind gespalten. Nachdem der NDR am Mittwoch mit Gracia - ehemalige Teilnehmerin der RTL-Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" - die letzte Kandidatin bekannt gegeben hatte, konnte man in den Internet-Foren aber wieder zufriedene Reaktionen lesen. Mit "Run & Hide" schaffte sie Platz 20 der Single-Charts und konnte sich über eine so genannte Wildcard für den Wettbewerb qualifizieren.

Bei den Chart-Platzierungen hat damit Meier-Beer die Nase vorn: Raabs Kandidaten Juli kamen als Bestplatzierte auf den 23. Rang. Dafür hat Raabs Sendung eine erheblich größere Breitenwirkung: Mehr als die Hälfte der deutschsprachigen Titel, die derzeit in den Top 50 stehen, wurde in seiner Show vorgestellt.

Dorit Koch/DPA / DPA