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Er schrieb "Rise Like A Phoenix": Warum Ali Zuckowski nicht in Kopenhagen war

Alexander Zuckowski hat den ESC-Siegersong "Rise Like A Phoenix" geschrieben: Im stern.de-Interview erklärt der Sohn von Rolf Zuckowski, wie es dazu kam. Conchita Wurst kannte er zuvor nicht.

Alexander Zuckowski hat sich den ESC zuhause in Hamburg angeschaut und seinen Sieg anschließend in seiner Lieblingskneipe gefeiert

Alexander Zuckowski hat sich den ESC zuhause in Hamburg angeschaut und seinen Sieg anschließend in seiner Lieblingskneipe gefeiert

Herr Zuckowski, wie haben Sie den Samstagabend verbracht?
Bei mir zuhause in Hamburg. Ich habe zehn Freunde zu mir eingeladen und wir haben auf einer großen Leinwand den Eurovision Song Contest geschaut. Nach dem Sieg habe ich mich natürlich riesig gefreut und bis 6 Uhr morgens in meiner Lieblingskneipe um die Ecke weitergefeiert.

Hatten Sie keine Lust, nach Kopenhagen zu fahren, um live dabei zu sein?


Im Vorfeld hatte ich gehofft, vom ORF eingeladen zu werden. Das ist leider nicht passiert. Der Sender hat sich bis heute nicht bei mir gemeldet. Also dachte ich, ich mache das Beste draus und feiere zu Hause.

Der ORF hat sich bis heute nicht bedankt?


Bisher leider nicht.

Wie kam es überhaupt dazu, dass Sie als Deutscher für Österreich teilgenommen haben?


Das Management von Conchita Wurst war auf der Suche nach einem Song für Kopenhagen und stellte eine Anfrage an meinen Verlag. Da fiel mir sofort "Rise Like A Phoenix" ein. Den Titel hatten wir bereits vor vier Jahren geschrieben und ich dachte, der würde perfekt passen.

Hat er dann ja auch. Wie ist der Song ursprünglich entstanden?
Mit-Autor Charly Mason fragte uns, ob wir an einem Projekt mitarbeiten wollen, in dem es um eine Künstlerin im Stil von Shirley Bassey ging. Das Projekt kam dann nicht zustande, aber wir hatten den Song. Ich wusste, dass mit ihm noch etwas ganz Tolles passieren würde. Nur der richtige Moment und Ort hatte gefehlt.

Haben Sie von Frau Wurst vor der Anfrage des Managements vorher mal gehört?


Ich muss gestehen: nein. Ich habe Conchita Wurst erstmal googeln müssen und mir auf Youtube Videos von ihr angesehen, um mir einen Eindruck zu machen. Ich fand gleich, dass sie eine gute Sängerin ist und dass sie eine Authentizität und Würde ausstrahlt, die gut zu dem Song passt.

"Rise Like A Phoenix" ist ein sehr dramatischer Titel. Hatten Sie keine Angst davor, es könnte mit Conchita Wurst als Sängerin zu klischeehaft werden.


Sie ist ja eine große Diva. Da wusste ich: In der Kombination geht nichts schief. Das passt perfekt.

Die deutsche Jury hat verhindert, dass Ihr Song zwölf Punkte aus Deutschland bekommt. Ärgert Sie das?


Nein. Die Jury hat das nach bestem Wissen und Gewissen entschieden. Wir haben mit "Rise Like A Phoenix" eben nicht ihren Geschmack getroffen. Umso mehr freut es mich, dass der Song vom Publikum zwölf Punkte bekommen hat.

Weder Conchita Wurst noch der Song zählten anfangs zu den Favoriten für den ESC in Kopenhagen. Wann haben Sie zum ersten Mal bemerkt, dass ein Sieg drin sein könnte?


Nach dem zweiten Semifinale, als es so viele positive Reaktionen gab. Es war unglaublich, was da ablief. Die große Resonanz in den Medien und vor allem die Begeisterung in der Halle - da wusste ich, dass ich mir den Samstagabend frei halten sollte.

"Rise Like A Phoenix" wird von vielen Homosexuellen als Befreiungshymne gefeiert - auch in Kopenhagen. Wie finden Sie das?


In dem Song geht es ja allgemein darum, sich nicht unterkriegen zu lassen und auch gegen Widerstände seinen eigenen Weg zu gehen. Wenn sich Menschen in dem Song wiederfinden, sich durch ihn ermutigt fühlen und er ihnen Kraft gibt finde ich das toll. Egal ob Mann, Frau, schwul oder hetero.

Viele Komponisten in Deutschland scheinen Angst vor dem ESC zu haben, weil sie fürchten zu scheitern.


Die Sorge hatte ich nicht. Mein Vater hat ja fünf Mal daran teilgenommen. Deshalb habe ich mir das schon als Kind im Fernsehen angeschaut und fand es immer toll. Insofern habe ich mich erstmal einfach gefreut dabei zu sein, egal wie es ausgeht.

Sie sind der Sohn von Kinderlied-Papst Rolf Zuckowski. Wie ist das, so einen berühmten Vater zu haben?


Ich kenn es ja nicht anders. Als Kind fand ich es immer toll. Ich stand ja auch mit ihm auf der Bühne und wir sind durch Deutschland gereist. Das war für mich als kleiner Junger großartig. Heute schätze ich ihn als Ratgeber.

Wie geht es jetzt für Sie weiter?


Ich habe eine Anfrage aus Österreich von Conchita Wurst, Songs für ihr Album zu schreiben. Das möchte ich sehr gerne machen. Außerdem arbeite ich an vielen anderen Projekten. Demnächst erscheint das neue Roger-Cicero-Album, an dem ich mitgearbeitet habe, und die Singleauskopplung "Du bist mein Sommer". Es kommt keine Langeweile auf.

Ralph Siegel hat seit seinem Sieg 1982 unzählige weiter Male am ESC teilgenommen. Haben Sie auch nochmal Lust?


Der ESC ist eine tolle Veranstaltung. Falls sich eine Gelegenheit ergibt, würde ich mich freuen wieder mit zu machen.

Sie heißen eigentlich Alexander, werden aber Ali genannt. Wie kam es dazu?


Das ist irgendwann in der Grundschule als Spitzname entstanden. Auf einmal nannten mich dann alle Ali, auch meine Eltern. So ist es bis heute geblieben.

Interview: Jens Maier