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Eurovision Song Contest in Deutschland Welche Stadt bekommt den Zuschlag?


Grand-Prix-Fans in Deutschland werden sich noch wochenlang gedulden müssen: Erst dann wird feststehen, welche Stadt den Eurovision Song Contest 2011 austragen darf. Indizien gibt es bereits jetzt.
Von Jens Maier

Hinter verschlossenen Türen wird derzeit verhandelt: Bis Mitte Juni will sich der Norddeutsche Rundfunk Zeit lassen, um die Standortfrage für den Eurovision Song Contest 2011 in Deutschland zu klären. Warum das so lange dauert? Weil nicht nur eine geeignete Halle, sondern auch ein Werbepartner gefunden werden muss, um die teure Veranstaltung zumindest zum Teil zu finanzieren. Die Sponsorfrage dürfte viele Kandidaten vorzeitig aus dem Rennen werfen.

Gleich fünf Städte reißen sich seit Montag darum, den Eurovision Song Contest 2011 auszurichten. Sowohl Hamburg, der Sitz des verantwortlichen Fernsehsenders NDR, reklamiert das Spektakel für sich, als auch Lenas Heimatstadt Hannover, Raabs Firmensitz Köln, Gelsenkirchen mit der größten Indoor-Arena und die Hauptstadt Berlin. Wo das große Finale stattfinden wird, "werden wir erst nach sorgfältiger Prüfung der verschiedenen Möglichkeiten entscheiden", bremst NDR-Intendant Lutz Marmor.

NDR kann Kosten nicht alleine tragen

Es gehe darum, welche fernsehtaugliche Halle in welcher Stadt zu welchen Kosten für etwa sechs Wochen im April und Mai 2011 verfügbar sei. Außerdem sei eine gute Infrastruktur für Hotels und Verkehr notwendig und schließlich gehe es auch um die Kosten. Den norwegischen Fernsehsender NRK hat die Veranstaltung zirka 23 Millionen Euro gekostet. Der Contest in Moskau im Jahr zuvor war sogar noch teurer und soll über 35 Millionen verschlungen haben. "Der NDR allein wird das nicht schaffen", sagt Marmor - und fordert die übrigen ARD-Anstalten zur Beteiligung auf. Doch auch das allein wird nicht reichen.

Der NDR wird sich auf die Suche von zahlungskräftigen Sponsoren machen müssen. In Norwegen haben gleich drei Partner das Event unterstützt: der Telefonanbieter Telenor, die Fluggesellschaft Norwegian Airlines und der Kosmetikkonzern Beiersdorf mit seiner Marke Nivea. Die Sponsoren könnten am Ende den Ausschlag für den ein- oder anderen Austragungsort geben. Denn fast alle großen Arenen in Deutschland sind bereits vertraglich an Werbepartner gebunden.

Wie die großen Fußballstadien, haben auch viele Mehrzweckhallen ihre Namensrechte an Sponsoren verkauft. In Berlin und Hamburg heißen die Arenen "O2 World" und "O2 World Hamburg", in Hannover "Tui-Arena" und in Köln wird die ehemalige "Köln-Arena" jetzt "Lanxess-Arena" genannt. Auch die Arena "AufSchalke" hat sich seit längerem in "Veltins-Arena" umbenannt. Es liegt also nahe, mit den entsprechenden Namensgebern zuerst über ein mögliches Sponsoring des Eurovision Song Contest zu sprechen.

Gelsenkirchens Bewerbung gilt als aussichtslos

Ein Kandidat, der in den vergangenen Tagen ins Spiel gebracht wurde, dürfte damit sofort auf der Strecke bleiben: Gelsenkirchen. Es ist fast ausgeschlossen, dass der NDR und die European Broadcasting Union (EBU) einen Bierhersteller als Werbepartner akzeptieren werden. Allein schon deshalb, weil das Sponsoring der Öffentlichen Rechtlichen Anstalten Medienwächtern sowieso ein Dorn im Auge ist. Mit Veltins als Sponsor würde man sich noch angreifbarer machen: Alkohol und junge Zuschauer aus ganz Europa, das würde Ärger geben. Auch Lanxess als Partner gilt eher als unwahrscheinlich. "Ein Chemie-Konzern und der Grand-Prix, das passt so gut zusammen wie Damenbinden und Fußball", sagt ein Grand-Prix-Fan dazu.

Berlin und Hamburg dürfen sich deshalb mehr Hoffnungen machen. Mit dem Mobilfunkbetreiber O2 als Sponsor könnten sowohl Veranstalter als auch Fans leben. Aber auch Tui als Reiseveranstalter, der noch dazu europaweit agiert, käme in Betracht und bringt damit erneut Hannover ins Spiel. Falls man sich allerdings nicht über einen Preis einig kann, könnte sich München freuen. Denn dort heißt die Mehrzweckhalle wie seit ihrer Eröffnung 1972 einfach nur Olympiahalle.


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