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Presseschau Eurovision Song Contest: Gedämpfter Jubel über Sieger Cascada

War es "Marschmusik"? Eine "Hymne nach bewährtem Muster"? Oder schlicht "Umpf-umpf"? Die Presse reagierte verhalten auf den Ausgang des ESC-Vorentscheids - weder fassungslos noch übermäßig begeistert.

Die Jury hat gesprochen. Die Fernsehzuschauer und Internetnutzer auch: Nach einer spannenden Abstimmung hat das Bonner Dance-Trio Cascada mit einer knappen Mehrheit den Eurovision Song Contest gewonnen. Die Sieger jubeln. In der deutschen Presse wird der Sieg von Frontfrau Natalie Horler und ihrer Band dagegen eher verhalten kommentiert.

"Spiegel Online" schreibt: "Marschmusik bleibt Trumpf.

(...) Der aktuelle Sieger 'Glorious' vom Bonner Projekt Cascada ist, wie zuvor Loreens 'Euphoria', präzise verschraubter Eurodance, der zackig geradeaus marschiert und genau weiß, mit welchen Songbausteinen man hochfliegende Hände in der Disco synchronisiert. (…) 'Glorious' war einfach das einzige Stück mit einem Refrain, der sich zumindest kurzfristig im Bewusstsein festsetzen konnte und nicht schon vor Ende des Songs wieder vergessen war."

Ganz ähnlich urteilt auch "Süddeutsche.de": "Umpf-umpf für Deutschland.

(...) Es gewann die Eurodance-Combo Cascada, die mit 'Glorious' ein Lied performte, das Loreens 'Euphoria' sehr ähnlich ist. Allerdings in einer etwas tumb-eingedeutschten Umpf-umpf-Version. Da lässt es sich besser Mitstampfen und Mitklatschen. Das mögen nicht nur Großraumdiscobesucher, sondern auch Zuschauer in Tui-Arenen und vor dem Fernseher."

"Bild.de" bescheinigt Cascada einen Sieg im "Abstimmungskrimi":

"Glitzertatoos, knappe Korsage und superkurzer weißer Minirock – unter den zwölf Kandidaten stach Natalie Horler optisch jedenfalls heraus. Sie wartete mit allem auf, was auf die große Bühne gehört. Cascadas Titel 'Glorious': eine Hymne nach bewährtem Muster. Die Melodie erinnert an den ESC-Gewinnersong aus dem vergangenen Jahr, Loreens 'Euphoria'. (…) Mit Cascada wird Deutschland zumindest wohl nicht auf dem letzten Platz landen."

Auch der "Tagespiegel.de" sieht das eigentlich Spannende der Veranstaltung in der knappen Abstimmung:

"Es gab keinen Favoriten und so wurde es am Ende noch einmal richtig spannend. (…) Ansonsten geriet die Veranstaltung aber eher mäßig aufregend. Insgesamt erinnerte die Auswahl an den berühmten Kessel Buntes. (…) Dass so wenig 'arrivierte Künstler' – wie sie ARD-Unterhaltunschef Thomas Schreiber nannte – dabei waren, fiel angesichts der musikalischen Bandbreite nicht ins Gewicht. Immerhin weit genug weg von Ralph Siegel ist der ESC-Beitrag.

Cascada fahren zum ESC. Wie finden Sie das?

"Faz.net" schreibt: "Sieg nach Punkten (...) "Das Bonner Dance-Trio Cascada wäre nicht der kommerziell erfolgreichste Teilnehmer im Feld, wüsste es nicht, dass es auch beim ESC erst einmal um massentaugliche Unterhaltung geht. (...) Natalie Worner, das Bühnengesicht von Cascada, zeigte sich im Videoeinspieler als Buletten bratendes Vollweib, um danach live fröhlich geradeaus stampfenden Disco-Pop abzuliefern. Das zog. (…) Laut, geradlinig und partytauglich sollte der ESC-Beitrag Deutschlands werden, darüber waren sich alle einig.(…) Die Zeit für zarte Fräuleinwunder jedenfalls ist vorbei beim ESC."

"Taz.de" bewertet Cascadas Auftritt dagegen, unter der Überschrift "Etablierte schlagen Nachwuchs", als verdienten Sieg.

"'Glorious' hieß ihr Lied, das nicht nur in diskreter Weise entschieden an den Song 'Euphoria' erinnerte, mit dem die Schwedin Loreen im Vorjahr in Baku den europäischen Popcontest gewinnen konnte. (…) Alle Künstler, die, wenn überhaupt, an Performances in Clubs oder Provinzaulen gewöhnt waren, blieben letztlich auf der Strecke. (…) Nachwuchskräfte – das war das Signal – sollen erstmal noch üben. (…) Cascada waren die Besten. (...) Sie haben eine Popularität, die nicht einmal im eigenen Land am größten ist. In Großbritannien finden sich ihre Songs in den Charts, ebenso in Dänemark oder Schweden, wo sie als Europäer mit deutschem Hintergrund promotet werden."

Stefanie Schütten