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Abgewatscht - der satirische Wochenrückblick: Er liebt den Diekmann

Der Wendler ist Geschichte. Cascada auch. Die Kanzlerin ist schuld. Es sind schwere Zeiten. Helden sind rar, aber es gibt sie: Peter Altmaier, Costa Cordalis und Schmusi-Busi Kai Diekmann.

Von Ingo Scheel

Az.: I-20 U 67/12 - hinter diesem vermeintlich schnöden Aktenzeichen verbirgt sich einer der größten Gerichtsfälle seit Kramer gegen Kramer. Die Neuauflage: Plisch gegen Plumm. Wendler gegen Wendler. Michael gegen Frank. "Sie kennt den DJ" gegen ... ja, was eigentlich? Der Wendler aus Velbert singt Schlager, die keiner hört. Der Wendler aus Dinslaken Schlager, die keiner mag. Die sich jedoch verkaufen wie geschnitten Brot.

Das Problem: No-Name-Wendler hat sich die Marke "Der Wendler" schützen lassen und jetzt, nach einem mit allen Mitteln geführten Showprozess, erging in Düsseldorf endlich ein Urteil. Frei nach der klassischen Mathe-Regel "Minus mal Minus ergibt Plus" sogar mit Happy End. Eben noch gab es ihn doppelt, jetzt gar nicht mehr: Der Wendler ist fortan Geschichte, keiner der beiden darf sich mehr so nennen. Es gibt noch Gerechtigkeit. Und Gott sei Dank auch noch Menschen mit Traditionsbewusstsein.

Costa hat die Haare schön - aber das Gesicht im Eimer

So einen wie Costa Cordalis zum Beispiel. Der Dschungelkönig aller Dschungelkönige weiß, was er seinem Dutzend Fans schuldig ist: Beständigkeit. Verlässlichkeit. Wiedererkennungswert. Und dafür ist Cordalis zu allem bereit. Costa es, was es wolle. (Sorry). Einst ließ er sein Gesicht mit Fett aus dem Allerwertesten unterspritzen, heuer muss dann doch mal ein größeres Kaliber aufgefahren werden. Früher Potox, heute Botox. Das Ergebnis: ein praller Mix aus Presswurst und Donatella Versace. Oder wie es die Schöngeister von der "Bild"-Zeitung so trefflich formulierten: "Einst Arsch im Gesicht, jetzt Gesicht im Arsch".

Apropos: Da befindet sich in Nullkommanichts, oder genauer gesagt, in drei Minuten, auch ganz Lena-Land. Mit einer soliden Eurodance-B-Seite war Cascada in Malmö beim ESC-Wettsingen angetreten, am Ende reichte es zu einem, nun ja, suboptimalen 21. Platz. Von Satellite zur Bruchlandung. Wenn die Käseigel Trauer tragen. Zumindest hatte ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber schnell die Schuldige aufgetan: die Kanzlerin natürlich. Erst Hitler-Vergleiche, dann olle Fotos aus dem Nudistencamp, jetzt die nächste Euro-Schlappe. Arme Angie.

Altmeier knuddelt das Bieber-Äffchen. Is it Love?

Aber es gibt auch Licht am Ende des Tunnels. Wie Umweltminister Peter Altmaier mit dem Kapuzineraffen Mally knuddelte, das atmete staatsmännische Grandeur. Der Bundespolitiker und das Bieber-Äffchen. Ein Bild, das die Zeit überdauern wird. Und noch einmal Affenliebe: Wer gerade die Tränen der Rührung getrocknet hatte, rieb sich die Augen erneut. Wie Bild-Lichtgestalt Kai Diekmann und FDP-Chef Rösler einander bei einem Treffen in Kalifornien herzten und drückten, fürwahr ein historischer Hingucker. Hier wächst zusammen, was zusammen gehört: Siegfried und Roy. Marianne und Michael. Kai und Philipp. Happy End in Silicon Valley.