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Hass-Lied "Stress ohne Grund" Wowereit zeigt Bushido an


Klaus Wowereit ist "schwul, und das ist auch gut so". Berlins Regierungschef ist stolz auf sein Outing. Schwulenfeindliche Parolen im Lied "Stress ohne Grund" von Bushido lässt er sich nicht bieten.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat wegen des Hass-Lieds von Rapper Bushido Strafanzeige gestellt. Der Inhalt des im Internet verbreiteten Videos habe Wowereit zu rechtlichen Schritten bewogen, sagte der stellvertretende Senatssprecher Bernhard Schodrowski am Montag. Zum konkreten Tatvorwurf äußerte er sich nicht.

Nach DPA-Informationen geht es unter anderem um Beleidigung. Das Lied "Stress ohne Grund" des 34 Jahre alten Berliner Rappers enthält Tötungs- und Gewaltfantasien sowie schwulenfeindliche Parolen. Wowereit hatte sich 2001 mit dem Satz "Ich bin schwul, und das ist auch gut so" zu seiner Homosexualität bekannt.

Neben Wowereit werden auch der FDP-Bundestagsabgeordnete Serkan Tören, Comedian Oliver Pocher und Grünen-Chefin Claudia Roth namentlich genannt und beleidigt. In dem Musikvideo sagt Bushido den Satz: "Ich will, dass Seran Tören ins Gras beißt." An einer anderen Stelle heißt es: "Ich schieß auf Claudia Roth und sie kriegt Löcher wie ein Golfplatz." Außerdem rappt Bushido: "Du Schwuchtel wirst gefoltert."

Song ist auf einigen seiten schon gesperrt

Ohnehin könnte der Song auf dem Index landen. Ebenfalls am Montag seien entsprechende Anträge gegen die CD und gegen das im Internet noch einsehbare Video eingegangen, sagte die Vorsitzende der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien, Elke Monssen-Engberding. Auf einigen Internetseiten ist das Video zu dem gemeinsam mit Rapper Shindy aufgenommenen Song bereits gesperrt.

Schlagersänger Heino bezeichnete das Lied am Montag als menschenverachtend. Bushido müsse "in seiner kriminellen Energie dringend gestoppt werden", forderte er in der "Bild"-Zeitung. "Unser Rechtsstaat ist aufgefordert, jetzt endlich mal zu handeln!"

Auch der Rapper selbst will seine Anwältin einschalten. Auf Twitter kündigte er an, Abmahnungen an die „Bild“Zeitung verschicken zu wollen. Gründe nannte er nicht.

Drei Alben von Bushido stehen bereits auf dem Index. Über die Indizierung des neuen Songs entscheidet nun ein ehrenamtliches Gremium. Zuvor hat die Plattenfirma eine mehrtägige Frist zur Stellungnahme. Es könne daher rund eine Woche dauern, bis das Lied auf dem Index stehe, sagte Monssen-Engberding. Gesperrt werden beispielsweise Lieder, die zu Gewaltverbrechen aufrufen oder Menschen wegen ihres Geschlechts oder der sexuellen Neigung diskriminieren. Indizierte Titel dürfen nicht mehr verkauft werden.

Auch eine Razzia verschaffte Bushido Aufmerksamkeit

Die Berliner Staatsanwaltschaft prüft das Lied bereits seit dem Wochenende. Der Song gehöre "schnellstens auf den Index" sagte Innensenator Frank Henkel (CDU). Bushido bettele mit seinem "menschenverachtenden Machwerk" um Aufmerksamkeit. "Diese verbale Gewaltorgie muss sich niemand bieten lassen", sagte Henkel. Der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, betonte im NDR, Bushido handele aus "purer Lust an der Provokation". "Weil er musikalisch und künstlerisch nicht viel drauf hat, ist er immer darauf angewiesen, sich durch Aufmerksamkeitserzeugung ins Gespräch zu bringen", sagte Beck.

Dabei war Bushido, der an sich Anis Mohamed Youssef Ferchichi heißt, schon seit Wochen immer wieder in den Medien - allerdings nicht wegen seiner Kunst. Im Mai hatten Fahnder Wohn- und Geschäftsräume des Musikers in Berlin und im Umland wegen des Verdachts einer Steuerstraftat durchsucht.

Bei Deutschlands wohl bekanntestem Rapper ist die Provokation ein Markenzeichen. Ob "Bitches" oder "Schwuchteln" - in Sprachbildern voller Gewalt und Rachegelüsten wandelt Bushido immer wieder zwischen Gossen-Lyrik und Ganoven-Sound.

"Bushido muss sich immer wieder seiner Fan-Basis versichern", erklärt der Kultursoziologe Marc Dietrich (Universität Mannheim) den jüngsten Tabubruch des Musikers. "Sein Publikum muss bedient werden."

Grenzüberschreitungen verschaffen Aufmerksamkeit. Mit seinem Kollegen Sido und dem Berliner Label Aggro verpasste Bushido der deutschen Rapper-Szene einen herben Ton.

Zu diesem Bild des bösen Jungen passt es aber wohl kaum, dass der Plattenmillionär längst nicht mehr dort lebt, wo seine Songs vermeintlich spielen - statt im Hinterhof in Neukölln hält er sich lieber in einer Villa im Grünen auf.

anb/DPA DPA

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