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Clapton und Cale: Das Dream-Team der Blues-Gitarre

Nach 30 Jahren bringen die Blues-Größen Eric Clapton und J.J. Cale ihr erstes gemeinsames Album heraus. Mit großer Leichtigkeit und gar nicht traurig haben sie ihren Spaß am Blues auf einem Album verewigt - und bereichern das Popeinerlei der Charts.

Sie sind so etwas wie das Dream-Team der Blues-Gitarre. Umso erstaunlicher ist es, dass es mehr als 30 Jahre gedauert hat, bis Eric Clapton und J.J. Cale ihr erstes gemeinsames Album aufgenommen haben. Jetzt ist das Blues-Album "The Road To Escondido" da und erobert inmitten von Popmusik die Charts dies- und jenseits des Atlantik. In Deutschland schaffte die Platte es sogar auf Platz zwei, in Amerika reichte es zunächst nur für Rang 23.

Singende, stöhnende, flirtende, nörgelnde, krächzende Gitarren

Clapton und Cale: Viel sagen muss man da eigentlich nicht, die Namen sprechen für sich. Ihre Gitarren singen, stöhnen, flirten, nörgeln, krächzen und was nicht alles noch zwei alte Männer damit anstellen können, die den Rhythmus im Blut haben und ein Leben lang nichts anderes machten. Die Perfektion von Harmonien und Sound ist makellos, atemberaubend die Leichtigkeit, mit der die Musik fließt. Als hätten sie drei solcher Platten nach dem Frühstück aufnehmen können. Das Album rollt gleichmäßig daher wie ein schwerer alter Wagen auf einer dieser endlosen amerikanischen Landstraßen, beinahe sieht man die goldgelben Felder am Fenster vorbeirauschen. Jeder Song strahlt gute Laune und Spaß am Musizieren aus.

Dem Musikkritiker der "New York Times" war es zu viel. Selbst bei eher traurigen Stücken wie "When This War Is Over" sei kein Schmerz zu spüren, beschwerte er sich - und könnte damit Recht haben. Denn Schmerz war so ziemlich das letzte, was Clapton und Cale bei ihrer ersten gemeinsamen Platte nötig hatten.

Das letzte Mal, dass J.J. (tatsächlich Jean Jacques) Cale, 67 Jahre alt, einen Hit landete, liegt mehr als 30 Jahre zurück. Dabei waren es Cover-Versionen seiner Songs "After Midnight" und "Cocaine", die Clapton Anfang der 70er mit zum großen Star machten. Cales Stil prägte viele Musiker wie zum Beispiel Mark Knopfler von den "Dire Straits".

Elf der vierzehn Titel stammen von Cale

Die vergangenen Jahrzehnte hörte Cale nicht auf, zu arbeiten, und brachte alle paar Jahre neue Alben heraus, die keine großartigen Verkaufserfolge waren, aber von treuen Fans erwartet wurden. "The Road To Escondido" ist nun seine große Show. Von ihm stammen 11 der 14 Titel auf der CD, Clapton hielt sich vornehm zurück. Ein weiteres Highlight der Platte ist auch das Hammond-Orgel- und Klavier-Spiel des im Juni dieses Jahres verstorbenen Billy Preston.

Escondido, die kleine Stadt in Kalifornien, deren Name übersetzt "verborgen" bedeutet, kommt auf der Platte gar nicht vor. Aber schließlich ging es im Album-Titel ja um den Weg dorthin, nicht das Ziel.

Andrej Sokolow/dpa / DPA
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