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M.Beisenherz - Sorry, ich bin privat hier: Oma als #Umweltsau — wie 2019 gerade noch den dümmsten Aufreger des Jahres an Land zog

Das Netz wütet über ein satirisches Kinderlied und empört sich unter dem Hashtag #Umweltsau. Droht nun eine Invasion verthunbergter Klima-Enkel? Micky Beisenherz sagt: Jede Gesellschaft kriegt die Debatte, die sie verdient.

#Umweltsau: WDR-Kinderlied polarisiert im Netz – viele übersehen das Wichtigste

Wenn Monika (65) heute morgen in die Auffahrt schaut,  hat die kleine Lina höchstwahrscheinlich bereits den Q8 angezündet. Denn das war ja offensichtlich das Ansinnen des sinistren WDR- Redakteurs, der mit einer teuflischen Parodie auf den Rallyerentner-Klassiker "meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad" erreichen wollte, eine ganze Generation von kleinen Kindern mit seinem ökoterroristischen Gedankengut zu infiltrieren.

Immerhin gipfelt das Lied nun in der Schlusspointe "meine Oma ist ne alte Umweltsau". Und das auch noch eingesungen von einem unschuldigen Kinderchor!

Rumms.

Der erregungsaffine Normalbürger, seit geraumer Zeit längst zum Schnellkochtopf verkommen (durchgenudelte Verhöhnungsstandards wie Boomer oder alter, weißer Mann mal bewusst ausgeklammert) fand ob der Neuvertonung des Kinderliedes schnell reichlich Mitwütende.

Man ist ja generell sehr schnell dabei, wenn es darum geht aus den simpelsten Gründen so häufig aus der Haut zu fahren, dass man den Rückweg eigentlich schon gar nicht mehr kennen dürfte.

Ist ob der Neuversion des Songs also davon auszugehen, dass Kindergärten dank dieses Liedes bereits im Januar aussehen wie das Dorf der Verdammten?

Oder haben wir es hier womöglich mit einem doch recht harmlosen Liedchen zu tun, welches die Aufregung nicht im Ansatz verdient?

Letzter Rest Dummheit für 2019

Das Jahr ist nicht ganz vorbei, #Tempolimit oder #Boellerverbot wurden noch gar nicht vollständig auseinandergewütet, da kommt ein Skandal daher, der so wirkt als hätte man sich im Kollektiv dazu entschieden, aus diesem Jahr noch den letzten Rest Dummheit heraus zu pressen.

Was genau war passiert? Der WDR schnappte sich eine Handvoll Dortmunder Kinder und ließ diese "meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad" noch mal neu einsingen.

#Umweltsau - Oma sitzt in einem Auto

Schicke Karre und gut drauf: Ist diese Oma darum etwa eine #Umweltsau? (Symbolfoto)

Getty Images

So sind in der aktualisierten Version Zeilen zu hören wie "Meine Oma fährt mit 'nem SUV beim Arzt vor, überfährt dabei zwei Opis mit Rollator" oder "Meine Oma fliegt nicht mehr, sie ist geläutert - stattdessen macht sie jetzt zehnmal im Jahr ’ne Kreuzfahrt. Meine Oma ist ne alte Umweltsau." So harsch, so harmlos.

Da man aber heutzutage noch nicht einmal mehr gefahrlos "Gesundheit!" wünschen kann, ohne dass eine Online-Petition angekurbelt wird, zog ein heftiges Fäkalsturmtief Richtung Köln-City. Beim WDR gingen zehntausende Mails und Briefe mit Beschimpfungen wüstester Natur bis hin zur körperlichen Bedrohung und Anzeigen wegen Volksverhetzung ein.

Hat der Kanal eine böse Seele? Ist das der neue Sound der drohenden, kollektiven Umerziehung?

Gut, sicher, ein Sender, der es zulässt, dass Eckart von Hirschhausen ein Cover von Eric Claptons "Tears in Heaven" auf Deutsch aufnehmen kann, dem ist zunächst einmal alles zuzutrauen.

Aber all der Ärger jetzt nochmal genau WESHALB?

Sondersendung für die Oma

Beim Westdeutschen Rundfunk jedenfalls sah man sich gezwungen, das fröhliche Liedchen aus dem Netz zu nehmen. Am Ende eines ereignisreichen Samstages kam es tatsächlich zu einer Sondersendung bei WDR2 mit dem absurden Betreff "meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad", und das ist mit Sicherheit die beste Pointe dieses Monats.

In einer Art #Umweltsau-Townhall-Meeting mussten oder wollten sich so ziemlich alle Verantwortlichen rechtfertigen, bis hin zum Intendanten Tom Buhrow, der sich vom Krankenhausbett seines Vaters (an dieser Stelle aufrichtige Genesungswünsche!) zuschalten ließ, um einerseits die naturnahe Nächstenliebe seines Erzeugers sowie den einenden Charakter des Senders zu betonen. Der ARD Brennpunkt zu "Fuchs, Du hast die Gans gestohlen" sollte noch heute Abend laufen.

Es ist bedauerlich, dass man nicht die Nerven hatte, die Ausstrahlung des launigen Liedchens durchzuziehen, sondern bei der Aufdünung des geringsten Widerstands panisch den Löschtrupp rief.

Satire? Gern! Aber nur, wenn ALLE es witzig finden. Oder besser noch: Nicht weiter bemerken. Satire soll doch genau das: Anecken. Provozieren.  Das Publikum dazu anregen, das eigene Verhalten zu reflektieren. Was das angeht, haben die Verfasser des Textes vieles richtig gemacht. Man darf sich angesprochen fühlen. Oder auch eben nicht.

Hier geht es ja nicht um eine bestimmte Person, sondern halt eben um diese eine Oma in dem Lied. Wer daran Anstoß nimmt, nimmt auch die Darmträgheitsreklame im ARD-Vorabend persönlich.

Satire ist ein Schuh, der dem passt, der ihn sich anzieht. Und wenn man es nicht lustig findet: Auch gut. Was ist aus den guten alten Reaktions-Klassikern Augenrollen, Abwinken oder Schulterzucken geworden. Ohne Boykottaufruf und Sammelklage kommt nicht einmal mehr die simpelste Toilettenwandtexterei aus, so scheint es.

Wenn man dem Lied eines vorwerfen kann, dann höchstens, dass es für eine anständige Satire eigentlich nicht hart genug war.

Es ist nicht davon auszugehen, dass die heillos verthunbergten Klima-Enkel am nächsten Tag anfangen, Opa die Grillzange aus der Hand zu schlagen oder Löcher in die Reifen vom Range Rover zu stechen. Und hey, wenn durch die kindesverhetzende Ökoträllerei auch nur einer dieser sagenhaft hässlichen Steingärten verhindert wird - es wäre ein Gewinn!

Der Rest der Welt diskutiert über #TheWitcher oder #Impeachment- wir haben #OmaUmweltsau.

Fridays for Future wegen Großeltern-Tweet im Shitstorm

Man wartet eigentlich nur noch auf ein paar mahnende Worte des Bundespräsidenten. Stattdessen bekommt man die von Armin Laschet. Der lässt es sich als NRW Landesvater nicht nehmen, tief betroffen festzustellen:  "Niemals dürfen Kinder von Erwachsenen für ihre Zwecke instrumentalisiert werden." Es sei denn natürlich, man braucht sie für die eigenen Wahlplakate.

Werden die Kinder beim Singen instrumentalisiert? Na, aber sicher doch! So wie bei jedem Lied, das die lieben Kleinen zuhause brav zum Beeindrucken der Nachbarn oder Verwandtschaft runtersingen.  Bei jedem Kirchenlied. Oder bei der "ein Herz für Kinder"-Gala, wo ein Kinderchor artig Gospel mit Maschmeyer singt. Aber das ist natürlich niedlich, klar.

Wer sich um die geistige Gesundheit der hier so schrecklich missbraucht und geschädigten Kinder sorgt, der hat offenbar noch nie den Struwwelpeter gelesen.

Und wer glaubt, die eigene Omma verteidigen zu müssen, "weil die das Land ja wieder aufgebaut hat"- um die geht es nicht. (Auch, wenn die bis in die 80er noch ihren Müll im Wald vergraben hat.)

Der Hühnerstall, das sind wir alle

Völlig logisch, dass da, wo der Diskurs eh schon vollends im Arsch ist, auf jeden Fall noch festgehalten werden muss, dass die Oma vielleicht keine #Umweltsau, dann aber wenigstens doch eine Nazisau war. Jede Nonsens-Diskussion braucht einen Schwachkopf, der das Niveau noch unterkellert. Ohne Hitler kommt ja eh keine moderne "Debatte" mehr aus.

No Adi, No Party.

Die Omas der besagten Kinder sind übrigens nicht die Trümmerfrauen, sondern die alten 68er- und die haben schon ganz andere Dinge weggesteckt. Die hätten auch das Lied überlebt.

Satire darf alles- solange sie die anderen trifft, klar. Ein bisschen mehr Belastbarkeit täte allen ganz gut.  Und eine generelle Abkehr von einem Klima des Misstrauens, das dem Gegenüber grundsätzlich die niedersten Beweggründe unterstellt und alles, was gegen MICH geht, grundsätzlich erst einmal unter Strafe stellen will.

Die Sattheit und der Wohlstand eines Landes werden auch immer an der Qualität seiner Aufreger gemessen. Auf Lesbos zumindest hat gerade kein Kind Lust, lustige Lieder über Omas SUV zu singen.

Wenn solch ein harmloser Witz schon zu Klagen wegen Volksverhetzung führt, hat eine Nation es wohl auch nicht besser verdient, als sich bei "Dinner for One" amüsiert auf die Schenkel zu schlagen.

Man muss 2019 ein Kompliment machen. Diese Diskussion hat gerade noch gefehlt, um das Jahr mit all seinen Schwachsinnsaufregern abzurunden. Wie schaffen wir es eigentlich noch, morgens aufzustehen, ohne bereits den eigenen Wecker wegen eines persönlichen Angriffs zu verklagen?

Der Hühnerstall, das sind wir alle. Wär nur schön, wenn wir nicht alle sofort aufgescheucht wären, wenn mal gerade jemand mit dem Moped durchfährt.

Ich erinnere mich gut an 1999. Vorm "Millenium-Silvester" war es, als wir alle fürchteten, dass die Menschen vor Rechnern säßen, die plötzlich alle durchdrehen. Zwanzig Jahre später bleibt festzuhalten:

Zumindest die Computer laufen noch ganz sauber.

P.S.:

Vorschlag zur Güte: Omma muss das SUV abgeben- darf aber im Hühnerstall böllern.

Wie lange ist die frist bei einer Kündigung?
Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.