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"König des Blues": B.B. King ist tot

Mit B.B. King ist einer der einflussreichsten Blues-Gitarristen und Sänger verstorben. In Las Vegas soll er seiner Diabetes-Erkrankung erlegen sein. Er wurde 89 Jahre alt.

B.B. King beeinflusste mit seinem Gitarrenspiel eine ganze Generation von Blues-Musikern

B.B. King beeinflusste mit seinem Gitarrenspiel eine ganze Generation von Blues-Musikern

Die amerikanische Blues-Legende B.B. King ist tot. Dies meldete der US-Fernsehsender CNN am Freitag unter Berufung auf seine Tochter. Demnach war der Musiker, der zu den einflussreichsten Gitarristen und Sängern in der US-Geschichte zählte, in diesem Monat wegen Dehydrierung in ein Krankenhaus eingeliefert worden.

Andere Medien zitieren den Anwalt des Musikers. Nach seinen Angaben, soll B.B. King in Las Vegas an den Folgen seiner Diabetes-Erkrankung verstorben sein.

Die Herrschaft des "Königs des Blues" dauerte mehr als sechs Jahrzehnten und beeinflusste eine ganze Generation von Rock-und Blues-Musikern, darunter Eric Clapton, Stevie Ray Vaughan, Sheryl Crow und John Mayer. In seiner langen Karriere gewann er 15 Grammys und wurde für insgesamt 30 nominiert.

Zu seinen bekanntesten Werken gehören "Every Day I Have The Blues" oder "When Love Comes To Town".

"So, als ob man gleich zwei Mal schwarz wäre"

Mit "Lucille", wie er seine Gitarren liebevoll nannte, spielte und sang der schwarze Amerikaner den Blues so, wie er ihn als Kind im Mississippi-Delta gehört hat. Nur eins übertreffe "Lucille", gestand der "König des Blues" seinem Biografen: "Richtiger Sex mit einer richtigen Frau".

Seine beiden Ehen scheiterten, vor allem wohl, weil er immer auf Achse war. 15 Kinder soll er gezeugt haben, mit 15 verschiedenen Frauen, nicht ein einziges ehelich. "Ich hatte immer ein gutes Verhältnis zu den Müttern meiner Kinder - vorher, währenddessen und hinterher", prahlte der Schwerenöter.

Obwohl Blues, die Urform des Jazz, sein Leben war, machte es ihm zu schaffen, "nur" als Bluesmusiker geschätzt zu werden. "Blues-Sänger zu sein ist so, als ob man gleich zwei Mal schwarz wäre", heißt es in seiner Biografie ("B.B. King: Ein Leben mit dem Blues"). Mit Bewunderung blicke er zu Jazz-Kollegen wie Dizzy Gillespie, Miles Davis und Charlie Parker auf. Wie sie spielen, gehe schlicht über seinen Horizont. "Blues ist eine einfache Musik", sagte er, "und ich bin ein einfacher Mann."

"Blues Boy" wurde King

Geboren wurde Riley B. King am 16. September 1925 als Sohn armer Plantagenarbeiter in Indianola (Mississippi). Sein Vater verlässt die Familie, als er vier ist. Die Mutter stirbt bald darauf. Schwere Feldarbeit hilft dem Jungen zu überleben. Er singt in Gospelchors, bringt sich selbst das Gitarrespielen bei und zieht schließlich für ein paar lausige Dollar von einer Südstaaten-Kaschemme zur anderen.

Den kraftvollen Anschlag aus dem Handgelenk und die langen Läufe, die seine Gibson zum Jauchzen bringen, hatte King schon ganz gut drauf, als er Ende der 40er Jahre nach Memphis ging. Dort engagierte man ihn als den "Blues Boy" für eine Radio-Show. Aus "Blues Boy" wurde B.B. - King hieß er ja sowieso schon.

Und den Titel "The King of the Blues", den er sich selbst mit einem gleichnamigen Album zulegt, macht ihm spätestens seit 1987 keiner mehr streitig: 62-jährig erhielt B.B. King den Lebenswerk-Grammy. Dass er sein Repertoire auch ein Vierteljahrhundert später noch anreichern würde, ahnte damals niemand.

Bei der Queen im Garten

Den Durchbruch hatte King schon Ende der 60er Jahre mit seiner Erfolgsnummer "The Thrill Is Gone" geschafft. Über Nacht wollte alle Welt seinen Blues hören. King wurde zur Gartenparty der britischen Queen eingeladen, zum Empfang im Weißen Haus. Schwedens König Carl XVI. Gustaf verlieh ihm den vornehmen Polar-Musikpreis. US-Präsident Barack Obama lud die Musiklegende 2012 zusammen mit Mick Jagger und anderen Blues- und Rockgrößen in seine Washingtoner Residenz ein.

Ohne B.B. King hätte der Blues vielleicht nie das Image der Arme- Schlucker-Musik aus den Schwarzen-Ghettos abgestreift. Er beobachtete derweil mit wachsender Irritation, wie sich die Jugend für Rock'n'Roll begeisterte. Als Außenseiter fühlte er sich auch, als der Soul aufkam. Später grämte er sich, dass die HipHop-Generation "leider oft kein Interesse am echten Blues" habe. Dabei hatte er viele Bewunderer. Auch John Lennon sagte einmal, er würde gern Gitarre spielen können wie B.B. King.

ivi/DPA / DPA