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Michael Bublé: Mit Sinatra-Swing in die Charts

Mit seinem gehaltvollen Swing-Album schaffte es der kanadische Sänger Michael Bublé gerade mal auf Platz 27 in den deutschen Charts - dann trat er bei "Wetten, dass...?" und "TV Total" auf.

Sollte ein US-Star sich eigentlich zu schade sein, im fernen Deutschland das Publikum einer Sendung wie "TV Total" mit Fünf-Sekunden-Gesangseinlagen in die Werbepausen zu begleiten? Der Swing-Sänger Michael Bublé zierte sich nicht, sang in einer Blitz-Tour durch deutsche Fernsehshows erst einen Song bei "Wetten, dass..?", gastierte dann zwei Abende bei Stefan Raab und wurde dafür reichlich belohnt: Nach dem Einstieg auf einem mageren 27. Platz schoss seine CD "It's Time" auf Rang 3 der deutschen Charts hoch.

Erfolg durch TV-Präsenz

Die von der Musikbranche vielbeschworene Marktmacht der beiden Sendungen wurde damit wieder einmal vor Augen geführt. Angesichts des drastisch geschrumpften CD-Marktes können Käufer aus der Masse der 13 Millionen "Wetten, dass..?"-Zuschauer oder der im Schnitt zwei Millionen Fans von "TV Total" erdrutschartige Bewegungen auslösen. Für den jungen Swing-Interpreten aus Kanada, der bisher in Europa nicht an seine Nordamerika-Erfolge anknüpfen konnte, war das die Erlösung - ebenso wie für seine Plattenfirma Warner Music, für die er eines der wichtigsten Zugpferde ist.

"It's Time" ist hauptsächlich ein Album von Cover-Versionen, und es sind übergroße Fußstapfen, die sich Bublé für seine zweite Platte ausgesucht hat: Der untrennbar mit Frank Sinatra verbundene Cole-Porter-Klassiker "I've Got You Under My Skin". "Can't Buy Me Love" von den Beatles. Der Song "Try A Little Tenderness", bei dem er Großen wie Shirley Bassey, Aretha Franklin und Bing Crosby folgt, oder der Latinohit "Quando, Quando, Quando", gesungen im Duett mit Nelly Furtado - die Messlatte liegt jedes Mal hoch.

Bübchen-Image

Und Bublé mit seiner kräftigen und sanften Stimme scheitert nicht daran, wenngleich auch sein größtes Problem offensichtlich wird: Ihm fehlen das Charisma eines Sinatra oder sogar eines Robbie Williams, der vor ein paar Jahren mit seinen "Rat Pack"-Interpretationen einen Swing-Boom ausgelöst hatte. Bublé ist von der ganzen Erscheinung her ein netter Typ, während Sinatra und sein "Rat Pack" diesen Böse-Jungs-Appeal hatten, von dem heute auch Williams zehrt.

Andererseits: Der Brite Robbie bekommt im riesigen Musikmarkt Amerika nach wie vor keinen Fuß auf den Boden, während Bublé dort als "Sinatra des 21. Jahrhunderts" gefeiert wird. Und seine eigene Komposition auf "It's Time" beweist, dass er sich in Zukunft auch als Songschreiber profilieren will.

Andrej Sokolow/DPA / DPA