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Sampling-Urteil: Moses Pelham bekommt die Erlaubnis, einen Kraftwerk-Beat zu benutzen

Musiker atmen auf: Das Verfassungsgericht erlaubt Moses Pelham das Sampling, weil es im Sinne der Kunstfreiheit ist. Der Rapper streitet sich seit vielen Jahren mit den Elektropionieren von Kraftwerk über einen Zwei-Sekunden-Beat.

Moses Pelham Sampling

Krawatte zurechtrücken und lossampeln: Moses Pelham darf Musiksequenzen anderer Musiker benutzen

Vanilla Ice wäre ohne den Basslauf von Queens "Under Pressure" wohl nie so berühmt geworden wie er mal war. Puff Daddy kann sich bei Police für die Melodie von "Every Breath you take" bedanken und Tiger Tom Jones bediente sich für einen seiner größten Hits "Sex Bomb" bei Sister Sledge. Kurzum: Ohne Sampling wäre die Musikwelt nicht nur um einiges fader, ganze Stilrichtungen würde es nicht geben. Allen voran den HipHop. So sieht es auch das Bundesverfassungsgericht und erlaubte das "Ausleihen" und die Verwendung von kurzen Musiksequenzen. Damit hat Moses Pelham, Frankfurter Rapper und Produzent einen Etappensieg im Dauersatreit mit den Düsseldorfer Elektropionieren Kraftwerk erzielt.

Moses Pelham nutzte Zwei-Sekunden-Beat

Es geht um einen zweisekündigen Beat aus dem Stück "Metall auf Metall" aus dem Jahr 1977, den Pelham vor rund zehn Jahren gesampelt und in Endlosschleife unter den Track "Nur mir" von Sabrina Seltlur gelegt hatte. Gegen die Verwendung hatte Kraftwerk geklagt und bislang durfte das Stück nicht verbreitet werden. Dagegen wiederum hatte Pelham mit anderen Produzenten und Musikern geklagt.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte das Sampling-Verbot bestätigt, muss den Fall nun aber noch einmal bewerten. Seine Urteile - zuletzt von 2012 - trügen der Kunstfreiheit nicht hinreichend Rechnung, sagte Verfassungsvize-Gerichtspräsident Ferdinand Kirchhof in Karlsruhe. Er begründete die Entscheidung mit der Kürze der Sequenz. Daraus sei ein neues, eigenständiges Kunstwerk entstanden, ohne dass Kraftwerk dadurch wirtschaftlichen Schaden habe. Ein Verbot würde "die Schaffung von Musikstücken einer bestimmten Stilrichtung praktisch ausschließen", sagte er.

Geld muss auch nicht zwingend fließen

Die BGH-Richter hatten entschieden, dass ein fremder Beat - und sei er noch so kurz - nur dann einfach kopiert werden darf, wenn er nicht gleichwertig nachgespielt werden kann. Dieses Kriterium halten die Verfassungsrichter für ungeeignet. Für die Benutzung müsse auch nicht unbedingt Geld fließen. Die Richter weisen aber darauf hin, dass der Gesetzgeber auch eine Bezahlpflicht einführen könnte. Außerdem schlagen sie dem BGH vor, den Fall dem Europäischen Gerichtshof vorzulegen, weil das Urheberrecht seit 2002 EU-weit harmonisiert ist.