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Charlottesville-Ausschreitungen: Neonazi trug Johnny-Cash-Shirt - so "angewidert" reagiert die Tochter des Countrysängers

Auch die Kinder des legendären Countrysängers Johnny Cash melden sich in der Debatte um Rechtsextremismus in den USA zu Wort. Sie schreiben, ihr Vater hätte den Hass von Neonazis nie gutgeheißen. Ein rechter Demonstrant hatte in Charlottesville ein T-Shirt mit Johnny-Cash-Schriftzug getragen.

Johnny Cash setzte sich für Frieden und Gerechtigkeit ein

Johnny Cash setzte sich für Frieden und Gerechtigkeit ein

Der eine steht für Toleranz und ein friedvolles Miteinander, der andere sieht sich anderen Menschen überlegen. In einem Beitrag des Fernsehsenders Fox News trägt einer der rechten Demonstranten ein schwarzes T-Shirt mit Johnny Cash Schriftzug. Seine Kinder sind entsetzt.

In einem offenen Brief bei Facebook verurteilte dessen Tochter Rosanne Cash, ebenfalls Musikerin, den Aufmarsch der "White-Supremacy"-Anhänger in Charlottesville am vergangenen Wochenende. Ultrarechte hatten sich versammelt, um gegen die Entfernung eines Denkmals des Südstaaten-Generals Robert E. Lee zu protestieren. Nach dessen Ende war die 32-jährige Heather Heyer von einem Neonazi offenbar absichtlich überfahren worden. Sie starb. Dutzende andere Menschen wurden verletzt.

Der Brief, der von allen fünf Kindern des Musikers unterzeichnet ist, verurteilt den "selbsternannten Neonazi". "An alle, die die Vormacht der Weißen über andere Menschenrechte stellen, diejenigen, die an ethnische oder religiöse Hierarchien glauben: Wir sind nicht wie ihr. (…) Wir bitten darum, dass der Name Cash nicht mit solch zerstörerischen und hasserfüllten Ideologien in Verbindung gebracht wird."

"Es widert uns an. (...) Die "White-Supremacy"-Anhänger und Neonazis, die in Charlottesville auf die Straße gegangen sind, sind Gift für unsere Gesellschaft und beleidigen jeden amerikanischen Helden, der in Uniform im Zweiten Weltkrieg gegen die Nazis gekämpft hat", schreibt Rosanne im Namen der Cash-Geschwister. Mehrere Mitglieder ihrer Familie hätten damals ehrenvoll gekämpft, heißt es weiter.

Rosanne Cash: "Mein Vater wäre entsetzt gewesen"

Der Brief geht weiter ins Detail. Johnny Cash sei ein Mann gewesen, dessen "Herz im Rhythmus von Liebe und sozialer Gerechtigkeit geschlagen hätte". Er habe nicht umsonst Auszeichnungen des Jüdischen Nationalfonds B’nai B’rith und den Vereinten Nationen bekommen, hätte sich für die Rechte der Indigenen Bevölkerung eingesetzt und gegen den Vietnamkrieg demonstriert. "Er war eine Stimme für die Armen, für diejenigen, die es im Leben nicht so leicht hatten." Cash wäre entsetzt darüber gewesen, wenn er gewusst hätte, dass sein Name oder sein Bild mit einer auf Hass und Verfolgung beruhende Ideologie in Verbindung gebracht worden wäre.

Der Sänger starb 2003 im Alter von 71 Jahren. Während seiner 45 jährigen Karriere nahm er 70 Alben auf und gewann elf Grammy-Awards.