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Niederlage gegen Südkorea "99 Minuten Folter" - so lief das historische WM-Aus der DFB-Elf im TV

Spieler der Deutschen Nationalmannschaft und Spielergebnisse der Gruppe F
Die erste Hälfte zwischen Südkorea und Deutschland reißt noch keinen so richtig vom Hocker.
  • Tweet: "Ich nach 30 Minuten"
Viel besser wird es auch in Halbzeit 2 nicht.
  • Tweet: "Man bekommt richtige Schmerzen beim Zuschauen"
Im Gegenteil: Jin-Hyeon Kim und Heung-Min Son besiegeln mit zwei späten Toren das deutsche WM-Aus. Grenzenlose Freude bei den Südkoreanern. Die DFB-Elf zeigt sich geschockt und am Boden zerstört. Im Netz überwiegen Trauer, Entsetzen und Häme.
  • Tweet: "Mitgefiebert! Gehofft! Gelitten! Enttäuscht! Aber letztendlich ist es nur Fußball"
  • Tweet: "Sieht doch gar nicht so schlecht aus" (umgedrehte Tabelle)
  • Tweet: "Wenn wir ganz ruhig sind, hören wir Holland und Italien schon ganz leise lachen"
  • Tweet: "Und die Italiener und Holländer: 'Wir hatten wenigsten 2 Niederlanden weniger als Deutschland‘"
  • Tweet: "Die Mannschaft, die man schafft"
  • Tweet: "Ein Bild sagt mehr als 280 Zeichen"
  • Tweet: "Die Brasilianer müssen sich doch gerade wirklich ärgern, dass ihnen jetzt die Chance auf eine Revanche genommen wurde"
  • Tweet: "Jetzt lachen wohl die Schweden. Schicken Sie auch welche vom Betreuerteam zum Gratulieren zu den Deutschen"
Ein Spaß-Profil im Merkel-Gewand hat natürlich auch schon eine Meinung zum Spielausgang.
  • Tweet: "Och finde es super, wie wir die WM 2018 in Russland boykottieren. Sehr diplomatisch"
  • Tweet: "Gedenken wir an der Stelle allen Supermarktmitarbeitern, die jetzt WM-Memeorabilia bis morgen früh abbauen und den Rest des Jahres Bier aus schwarzrotgoldenen Dosen saufen müssen"
  • Tweet: "Beliebtheitsskala vor der WM: 1. Südkorea 2. Nordkorea… Beliebtheitsskala nach der WM: 1. Nordkorea 2. Südkorea“
  • Tweet: "Diese Stille draußen. Schön."


Und neben dem Platz? Umtreibt vor allem Jérôme Boatengs Sonnenbrille die Twitter-User.
  • Tweet: "Wenn du im Sportunterricht den Turnbeutel vergessen hast"
  • Tweet: "Falls er in der Halbzeit noch einen Endschalldämpfer schweißen muss"
  • Tweet: "Falls sich einer fragt, wo Tupac Shakur seit Jahren abgeblieben ist"
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Béla Réthy klang schon in der ersten Halbzeit, als hätte er mit Maradonas Mundwasser gegurgelt. Dabei stand dem Kommentator vom ZDF - und dem Rest der Nation - das Schlimmste noch bevor.
Von Ingo Scheel

"I hurt myself today

To see if I still feel

I focus on the pain

The only thing that's real"

Selten war TV-Werbung wohl so ergreifend und auf den Punkt wie am Abend kurz nach dem Spiel der "Mannschaft" gegen Südkorea. Nein, ich meine nicht die surrealen Aufnahmen von einstmals bestens gelaunten Nationalspielern, die sich rasieren, an Softdrink-Eimern nippen oder Buletten auf Brötchen verzehren. Ich meine Johnny Cash, den alten Schmerzensmann, der sich in einem Spot für Mobiltelefone am Ende eines langen Wegs durch die Zeilen von "Hurt" kämpft. "Ich fokussiere mich auf den Schmerz, das einzige, was real ist" greint er da und im Video dazu sind seine Lider so schwer, dass man direkt mitweinen möchte.

Der Spot läuft ironischerweise kurz nach dem Abpfiff der 0:2-Niederlage und dem daraus resultierenden WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft. Deren Schmerzensmann wiederum - Übungsleiter Joachim Löw - sieht zum Kehraus bei Katrin Müller-Hohenstein selbst schon aus wie sein ganz persönlicher "Man in Black", auch ihm hängen die Augen tränenschwer, man weiß nicht, ob man Jogi Taschentücher reichen möchte oder sie doch lieber selbst benutzt. 

Müller-Hohenstein mit sonorer Trauerarbeits-Tonlage

Oliver Bierhoff hatte es zuvor schon konstatiert: In der Kabine spricht jetzt keiner. Vor den Kameras gibt man sich mit derlei Kontemplation unmittelbar nach dem WM-Vorrunden-Aus, dem ersten einer deutschen Fußballnationalmannschaft überhaupt, natürlich nicht zufrieden, und eben deswegen wird auch Jogi anschließend in die Mangel genommen, muss auch nochmal das Lied von der Totenstille anstimmen und von den "Automatismen, die nicht funktioniert haben", was immer das heißen mag. 

Müller-Hohenstein, Lady in Red mit sonorer Trauerarbeits-Tonlage, gibt sich denn auch gar nicht erst den irdischen Dingen hin, sondern fragt lieber gleich nach dem "Fluch, der über den Titelverteidigern liegt". Sollte Löw bereits mit Rücktrittsgedanken spielen, dürften ihn derlei Fragen sicher nicht zum Bleiben bewegen. I Hurt Myself Today …

Und während im ZDF-Studio um Ombudsmann Oliver Welke herum zwischen solider Fehleranalyse (Christoph Kramer) und dem mentalen Befinden der "sogenannten Weltmeister" (Oliver Kahn) laviert wird, macht Kommentator Béla Réthy an Tagen wie diesen sicher auch diverse Kreuze, es hinter sich gebracht zu haben, ohne dabei die Besinnung zu verlieren. 

Rethy wollte mit Vintage-Kommentaren vor Rumpelfußball warnen

Schon in Hälfte eins klang der mit allen Mundwassern gewaschene Recke so kehlig überreizt, als hätte er zuvor bereits zwei, drei Elfmeterschießen der "Mannschaft" kommentiert, dabei wird es ja nun genau dazu, so schlau ist denn auch der ratternde Réthy nach "99 Minuten Folter", nicht mehr kommen. Dabei hatte er mit zunehmender Spieldauer dermaßen alle Register gezogen, als wollte er mit einer Art Vintage-Kommentar vor dunklen Rumpelfußball-Zeiten warnen. 

Von "Reinschnippeln" war da die Rede, von "Fotofinish" und "Nerven bewahren", dazu die Forderung, zu "stürmen und gleichzeitig zu verteidigen", obwohl man doch zuweilen offen wie ein "Scheunentor" ist, da wurde nach der "Brechstange" gerufen und "Eisschrank-Coolness" gewürdigt - Bélas Duktus passte so gut zum drögen Gekicke, man hätte sich kaum gewundert, wenn jeden Moment Carsten Ramelow im Jackett von Uli Stielike aufgelaufen wäre. Als dann auch noch ein Holländer den Videobeweis checkte, dämmerte es so langsam auch dem Mann am Mikro: "Jetzt heißt es einpacken." Schon schade.

Die deutsche Elf beim letzten WM-Gruppenspiel gegen Südkorea

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