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Neues Hasslied des Proll-Rappers Bushidos perfide PR-Strategie


Bushido machte kurze Zeit auf seriös, wollte gar in die Politik. In seinem neuen Hassvideo zeigt sich der Skandalrapper wieder ganz als der Alte: Er hetzt gegen Schwule und verhöhnt seine Kritiker.

Bushido hat wieder Stress - und freut sich gar darüber. Der Rapper sorgt mit einem neuen Lied für Aufsehen. Eines ist schon jetzt sicher: Sein musikalischer Tabubruch bringt ihn ins Gespräch. Dank schwulenfeindlicher Passagen, Gewaltdrohungen und Todeswünschen steht der umstrittene Musiker wieder im Rampenlicht. "Stress ohne Grund" heißt der Song, und die Reaktionen darauf bestimmten am Wochenende die Schlagzeilen.

Bushido selbst scheint die Aufregung zu amüsieren. Eifrig verbreitete er über sein Twitter-Profil Artikel und Kommentare zu der Diskussion weiter. Am Samstag postete er ein Foto, das ihn mit der "Bild"-Zeitung und seinem Porträt auf der Titelseite zeigte. Nachdem das Video zu "Stress ohne Grund" im Internet gesperrt worden war, kommentierte der Musiker: "Auch wenn Youtube das Video entfernt hat, haben wir die 1.000.000 Klicks in unter 48 Stunden geknackt!!!!".

Strafanzeige gegen Bushido

In dem gemeinsamen Video machen Bushido und Rapper-Kollege Shindy so sehr auf "böse-Gangster-in-Aktion", dass der Clip fast schon einer Karikatur gleicht. Ist es tatsächlich Kalkül und bloße Publicity für Bushidos Musik? Doch dass viele Fans die Aussagen von Lied und Video ernst nehmen, beweisen die Kommentare im Internet.

In dem Song werden Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der FDP-Integrationsexperte Serkan Tören, Grünen-Politikerin Claudia Roth und Comedian Oliver Pocher namentlich genannt. Wowereit und Tören kündigten bereits Strafanzeigen an. Andere Politiker zeigten sich solidarisch, Grünen-Fraktionschefin Renate Künast sprach von einem "eindeutigen Aufruf zu Gewalt und Mord".

"Gewalt-Rapper, der gegen Juden, Homosexuelle und Frauen hetzt"

Erst 2012 hatten sich viele über den scheinbar geläuterten Bushido gewundert. Der Gangster-Rapper heiratete, wurde Vater, machte ein Praktikum im Bundestag und posierte mit Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) für ein Foto - womit sich der Minister Kritik einhandelte.

Doch auch andere Politiker ließen sich schon mit Bushido ablichten - händeschüttelnd oder gar Arm in Arm. Genau das kritisiert jetzt der Parlamentsgeschäftsführer der Grünen, Volker Beck, im "Handelsblatt". "Ein Gewalt-Rapper, der gegen Juden, Homosexuelle und Frauen hetzt, darf vom vermeintlichen politischen Establishment nicht weiter hofiert werden."

Beck forderte dem Blatt zufolge auch, Bushido den Integrations-Bambi abzuerkennen, den ihm der Burda Verlag 2011 verliehen hatte. Die Jury-Entscheidung hatte schon damals für heftige Diskussionen gesorgt. Schlagerstar Heino gab seinen Bambi aus Protest zurück.

Bushido, der "Aufmerksamkeitsparasit"

In den vergangenen Monaten machte der 1978 in Bonn geborene Anis Mohamed Ferchichi, wie Bushido mit bürgerlichem Namen heißt, wieder vermehrt mit negativen Schlagzeilen von sich reden. So bekam der Rapper im Mai Ärger mit den Steuerbehörden. Ermittler durchsuchten zehn Wohn- und Geschäftsräume in der Hauptstadt und im Berliner Umland.

Musikalisch hörte man dagegen zuletzt wenig. Die Kritiken zu seinem letzten Album "Amyf" fielen eher durchschnittlich aus. "Wenn man so will, ist das der rote Faden auf Anis Ferchichis Gesamtwerk: Jammern auf hohem Niveau", hieß es beispielsweise auf laut.de. "Amyf" erreichte im Herbst 2012 dennoch den ersten Platz der Albumcharts.

Grund zum Jammern sieht Bushido derzeit nicht. Einen Artikel der Zeitung "Die Welt" mit der Überschrift "Bushido ist ein Aufmerksamkeitsparasit" kommentierte er bei Twitter: "Hahaha das hat meine Laune aufgeheitert".

Sophia Weimer, dpa DPA

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