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Plácido Domingo: Startenor feiert seinen 70. vor Publikum

Er ist einer der bedeutendsten Sänger der Operngeschichte. Der Tenor denkt nicht ans Aufhören, auch wenn er heute 70 Jahre alt wird. An seinem Geburtstag will Plácido Domingo in seiner Heimatstadt Madrid auf der Bühne stehen.

Ein Geburtstagsgeschenk macht Plácido Domingo sich selbst. Wenn der spanische Star-Tenor am heutigen Freitag 70 Jahre alt wird, will er im Madrider Opernhaus die Rolle des Orest in Glucks "Iphigenie auf Tauris" singen. "In Madrid aufzutreten, meine Familie und meine Freunde um mich zu haben, das ist ein Teil des Geschenkpakets", sagte der Musiker in seiner Heimatstadt.

Domingo ist mit seiner fast 50-jährigen Bühnenkarriere nicht nur einer der bedeutendsten Opernsänger der Welt, er ging auch in die Musikgeschichte ein als der Tenor, der eine Reihe von Rekorden brach. Während das Repertoire seines musikalischen Vorbildes Enrico Caruso 40 Rollen umfasste, sang Domingo mehr als 120 Opernrollen. Der "Tenorissimo" erhielt in Wien einmal einen Applaus von mehr als einer Stunde und an die 100 Vorhänge. Dort gab er im Dezember 2010 auch seine 3500. Opernvorstellung und wurde als der "Weltmeister der Oper" bejubelt. Ein halbes Jahr zuvor hatte der Fußballfan mit der spanischen Nationalelf den Gewinn der Weltmeisterschaft in Südafrika gefeiert.

Von einem Ende seiner Karriere will Domingo nichts wissen. "Das tollste Geschenk wäre, wenn ich noch drei oder vier Jährchen dranhängen könnte", sagte er. "Ich werde nicht von mir aus abtreten. Wenn, dann wird mich meine Stimme zum Rücktritt zwingen." Vor einigen Jahren hatte Domingo noch anders geklungen. 2005 sagte er bei einem Konzert in Berlin: "Der Tag, an dem ich von der Bühne abtrete, ist ziemlich nahe." Im vorigen Jahr musste er sich einer Darmkrebs-Operation unterziehen. Aber wenige Wochen später stand er an der Mailänder Scala wieder auf der Bühne.

Seine beste Zeit, so räumte der Sänger, Dirigent und Operndirektor einmal ein, habe er allerdings hinter sich. "Ein Tenor hat seine stärksten Zeit im Alter zwischen 35 und 54 Jahren." Den Höhepunkt seiner Karriere erlebte er nach eigenen Worten in Hamburg. "Dort sang ich 1975 meinen ersten Othello. Die Kritiker überschlugen sich vor Begeisterung. Ich glaube, so gut habe ich sonst nie in meinem Leben gesungen", erinnerte er sich.

Der Gesang war dem gebürtigen Madrilenen sozusagen in die Wiege gelegt worden. Seine Eltern waren Sänger an einer Zarzuela-Bühne. Als Domingo acht Jahre alt war, wanderte die Familie nach Mexiko aus, wo er seine musikalische Ausbildung erhielt. Den internationalen Durchbruch schaffte er 1968 an der Metropolitan Opera in New York.

Seine größten kommerziellen Erfolge feierte der Spanier als einer der "Drei Tenöre" zusammen mit Luciano Pavarotti und José Carreras. "Keiner von uns dreien hätte erwartet, dass wir für solch eine Furore sorgen würden", erinnerte sich Domingo. "Eigentlich hatten wir nur das Comeback von Carreras feiern wollen, der nach seiner Leukämie- Erkrankung auf die Bühne zurückgekehrt war."

Sein Debüt als Dirigent gab der Sänger 1973 an der New Yorker City Opera mit "La Traviata". In den USA übernahm er später auch die Leitung der Washington National Opera und der Los Angeles Opera. Das Amt des Operndirektors in Washington will er aufgrund der Arbeitsbelastung nach Auslaufen seines Vertrags im Juni abgeben. Kritiker hatten ihm vorgehalten, aufgrund seiner zahlreichen Gastspiele zu wenig in der US-Hauptstadt präsent zu sein.

Hubert Kahl, DPA / DPA
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