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Comeback "Nie so viel Zeit ohne Singen verbracht": Plácido Domingos Comeback nach "Me Too"-Vorwürfen

Plácido Domingo
Plácido Domingo bei einem Auftritt in der Fyn Arena in Odense.
© Gonzales Photo/Kent Rasmussen/ / Picture Alliance
Plácido Domingo wurde als Opernsänger auf der ganzen Welt gefeiert -  bis Vorwürfe der sexuellen Belästigung laut wurden. Als er auch noch an Covid-19 erkrankte, wurde es ruhig um den einstigen Star. Jetzt hat er sein Comeback gegeben.

Plácido Domingo gehört zu den umjubelten Stars der Opernszene. In den vergangenen Monaten aber war es ruhig um die Bühnengröße geworden. Nachdem im letzten Jahr mehrere Frauen dem Sänger sexuelle Belästigung vorgeworfen hatten und Domingo auch noch an Covid-19 erkrankt war, war an Auftritte lange nicht zu denken gewesen. Jetzt aber ist Domingo zurück. Am Samstagabend gab er in Italien vor dem Palast von Caserta bei Neapel sein Bühnen-Comeback.

Bei seiner Rückkehr auf dem Parkett schlüpfte der 79-Jährige in die Hauptrolle von Giuseppe Verdis "Simon Boccanegra". Es war das erste Konzert nach einer gut halbjährigen Bühnenpause. Im Februar war Domingo zuletzt im kleinen Opera Studio Beckmann in der mexikanischen Gemeinde Tequila aufgetreten. Im März wurde dann bekannt, dass er an Covid-19 erkrankt sei. Sein Zustand, teilte der Sänger später mit, sei sehr schlecht gewesen. "Wenn ich nur einen Tag später ins Krankenhaus gegangen wäre, wissen wir nicht, ob ich das überstanden hätte." 

"Niemals Übergriffe begangen"

In einem Interview mit der spanischen Zeitung "El Mundo" sprach er vor dem Auftritt in Italien davon, wie bewegend es für ihn sei, wieder auf der Bühne zu stehen. "In meinem ganzen Leben habe ich nie so viel Zeit ohne Singen verbracht", sagte er. Wiederholt wehrte er sich in dem Interview auch gegen die Vorwürfe der sexuellen Belästigung.

Dass er sich im Februar bei den mutmaßlichen Opfern öffentlich entschuldigt habe, sei fälschlicherweise als Schuldeingeständnis interpretiert worden. "Wie ich mehrfach erklärt habe, habe ich niemals Übergriffe begangen."  Er habe zu spät begriffen, dass er als Person des öffentlichen Lebens viele Freunde, aber auch viele Feinde habe.

Untersuchung bestätigt Vorwürfe

Eine Untersuchung, welche die Oper in Los Angeles in Auftrag gegeben hatte, kam allerdings im März zu dem Ergebnis, dass bestimmte Vorwürfe der Frauen, die dem Opernstar im Zuge der "Me Too"-Bewegung "unangemessenes Verhalten" vorgeworfen hatten, glaubwürdig seien. Auch eine Untersuchung des US-Verbands der Musikkünstler (AGMA) hatte Vorwürfe von Sängerinnen bestätigt gesehen. Bereits im Oktober vergangenen Jahres war Domingo als Chef der Oper in Los Angeles zurückgetreten. 

Vielerorts fiel der Opernstar auf Grund der Beschuldigungen in Ungnade. In vielen Ländern wurden seine Auftritte abgesagt. Auch in seinem Heimatland Spanien und den USA war er auf der Bühne nicht mehr willkommen. Andernorts aber wird er gefeiert wie eh und je.

Die Karten für seinen Comeback-Auftritt in Italien waren bereits Tage zuvor ausverkauft. Im August wird Domingo in Verona und im September in Wien und Köln zu sehen sein. In Österreich wurde dem Spanier jüngst im Rahmen der Österreichischen Musiktheaterpreise in Salzburg eine Sonderauszeichnung für sein Lebenswerk verliehen.

tpo dpa

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