Was macht eigentlich... Anneliese Rothenberger


Jahrzehntelang sang die Sopranistin an den großen Opernhäusern der Welt. Später wandte sie sich auch der leichten Unterhaltung zu und bekam im ZDF eine eigene Show.

Jahrzehntelang sang die Sopranistin an den großen Opernhäusern der Welt. Später wandte sie sich auch der leichten Unterhaltung zu und bekam im ZDF eine eigene Show.

Zur Person

:Die gebürtige Mannheimerin lebt im schweizerischen Salenstein am Bodensee. Ihr Mann Gerd Dieberitz starb vor vier Jahren. Die ausgebildete Opernsängerin gastierte von 1954 bis 1970 bei den Salzburger Festspielen, sie sang an der Met in New York und der Scala in Mailand; eine ihrer Glanzrollen war die Sophie in "Der Rosenkavalier". Anfang der 70er Jahre bekam sie die ZDF-Sendung "Anneliese Rothenberger gibt sich die Ehre", bei der sie Künstler wie Harald Juhnke oder Placido Domingo empfing, ab 1982 war sie Gastgeberin in "Traumland Operette". Vor 14 Jahren setzte sie sich zur Ruhe.

Frau Rothenberger, sagt Ihnen der Name Eminem etwas?

Ja, natürlich. Aber ich lasse mich lieber berieseln, ich mag Blues und Jazz. Und besonders reizend finde ich Robbie Williams. Für den bleibe ich auch auf, wenn nachts im Fernsehen sein Konzert gezeigt wird.

Wann waren Sie zuletzt in der Oper?

Oh, mein Gott, das ist mindestens ein Jahr her, da habe ich in Zürich die "Lulu" angeschaut. Ich gehe nicht mehr gern in Premieren, weil ich jedes Mal enttäuscht bin. Es ist mir klar, dass modernisiert werden muss - aber eine Marschallin im "Rosenkavalier" in Blue Jeans ist einfach daneben.

Ihre Karriere begann 1948 an der Staatsoper in Hamburg. In den folgenden zwei Jahrzehnten traten Sie bei den Salzburger Festspielen auf oder an der New Yorker Metropolitan Opera. Wo war‘s am schönsten?

Das Aufregendste war mein Debüt an der Met: 1960 sang ich dort die Zdenka in "Arabella". Die Met in der Vita zu haben war wie das i-Tüpfelchen. Ich trat dort zehn Jahre lang auf, immer für vier Monate, das war sehr besonders.

1970 bekamen Sie Ihre eigene Fernsehshow im ZDF: "Anneliese Rothenberger gibt sich die Ehre". Manch Verehrer war enttäuscht, dass der Opernstar sich plötzlich der leichten Muse hingab...

...ach, das waren ein paar Blaustrümpfe, die mir das übel nahmen, aber das war kleinkariert gedacht. Außerdem habe ich noch bis 1983 Opern gesungen. Dann hörte ich auf, weil ich ein lyrischer Sopran bin, diese Mädchen-Figuren alle höchstens 20 sein sollen und das mit über 50 auf der Bühne eher lächerlich wirkt. Ich machte aber noch klassische Liederabende, bis ich 1989 krank wurde.

Bei Ihnen wurde Darmkrebs diagnostiziert.

Glücklicherweise im Anfangsstadium, ich brauchte keine Bestrahlung. Der Arzt, ein guter Freund, sagte mir hinterher: "Du kannst weiterleben wie bisher, es ist alles weg." Das war eine himmlische Auskunft.

Zu einem Comeback ließen Sie sich dennoch nicht überreden.

Ich hatte zu meinem Mann gesagt: Das ist ein Fingerzeig von oben, jetzt höre ich auf. Und die Leute auf der Straße sagten mir: "Schade, man hört Sie gar nicht mehr." Ich dachte, das sei besser, als würden sie sagen: "Die Alte singt immer noch."

Ihr Mann Gerd Dieberitz, der auch Ihr Manager war, starb 1999 an Knochenkrebs.

Das war ein tiefer Einschnitt. Wir waren 44 Jahre verheiratet, was in meinem Beruf selten ist. Wir haben sehr harmoniert, er war wichtig für meinen Beruf, er hat sich in den Hintergrund gestellt. Aber besser so als umgekehrt - ich glaube, mein Mann wäre ziemlich aufgeschmissen gewesen.

Die öffentliche Anneliese Rothenberger wirkte immer sehr aufgeräumt und diszipliniert. Sind Sie privat auch so?

In meinem Beruf ging ohne Disziplin gar nichts. Ich musste immer auf meine Stimme aufpassen, weshalb ich nicht geraucht, mäßig getrunken und wenig gefeiert habe. Ich bin bis heute sehr ordentlich: Ich lasse nichts liegen, weil sich sonst alles stapelt.

Sie leben allein in Ihrer Villa am Bodensee. Wie verbringen Sie den Tag?

Ich erledige meine Post, gehe mit meinem Hund "Darko" spazieren und male manchmal. Ich habe sehr liebe Freunde, gehe viel abends aus zum Essen. Ich fühle mich eigentlich wie vor 40 Jahren.

Am 26. Oktober bekommen Sie den "Echo Klassik" für Ihr Lebenswerk verliehen...

...ja, da freue ich mich sehr drauf. Ich war sehr überrascht, dass man an mich gedacht hat. Aber gut, ich habe ja wirklich über viele Jahre etwas geleistet. Das ist jetzt sozusagen die Krönung.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker