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Belästigungsvorwürfe: Plácido Domingo wehrt sich - durfte man Frauen vor 30 Jahren unter den Rock fassen?

Mehrere Frauen werfen ihm Belästigung vor: Plácido Domingo hat sich zu den Vorwürfen gegen ihn geäußert. Brisant: Der Tenor glaubt offenbar, dass früher andere "Regeln und Maßstäbe" im Umgang mit Frauen galten.

Plácido Domingo bei einer Pressekonferenz im Jahr 2016

Plácido Domingo bei einer Pressekonferenz im Jahr 2016

DPA

Opernstar Plácido Domingo ist durch Belästigungsvorwürfe ins Kreuzfeuer geraten. Mehrere Frauen werfen ihm vor, sie sexuell belästigt zu haben. Der 78-Jährige äußerte sich in einer öffentlichen Stellungnahme zu den Anschuldigungen. Er selbst beteuert seine Unschuld. Doch gleichzeitig scheint er zu glauben, dass früher andere Maßstäbe im Umgang mit Frauen galten.

"Die Vorwürfe von diesen ungenannten Individuen, die 30 Jahre zurückliegen, sind zutiefst verstörend, und so wie sie dargelegt wurden, falsch", ließ Plácido Domingo über seinen Sprecher mitteilen. Er erklärte, es sei "schmerzhaft zu hören, dass ich irgendjemanden verärgert oder ihnen Unbehagen bereitet haben könnte - egal wie lange es her sein mag und trotz meiner besten Absichten".

"Ich glaubte, dass all meine Beziehungen immer willkommen und einvernehmlich waren", sagt der Operntenor, der durch seine Auftritte als Mitglied der "Drei Tenöre" weltbekannt wurde. Gleichzeitig versucht der Domingo, seine Handlungen von damals zu relativieren. Er erkenne an, "dass die Regeln und Standards, an denen wir heute gemessen werden und das auch sollten, sich sehr von denen in der Vergangenheit unterscheiden".

Domingo soll einer Frau unter den Rock gefasst haben

Ein brisanter Satz. Vor allem vor dem Hintergrund der konkreten Vorwürfe. Eine Frau beschuldigt Domingo, seine Hand unter ihren Rock geschoben zu haben. Andere sagen, er habe ihnen Küsse aufgezwungen. Das hätte auch vor 30 Jahren den Straftatbestand der sexuellen Nötigung erfüllt.

Mehrere Frauen, acht Sängerinnen und eine Tänzerin, werfen Domingo vor, seine Position als einer der meistgefeierten Opernsänger der Welt ausgenutzt zu haben, um sie zu sexuellen Handlungen zu nötigen. Die mutmaßlichen Vorfälle reichen zurück bis in die 80er Jahre. Die Frauen in dem Bericht blieben bis auf eine Ausnahme anonym.

Oper in Los Angeles kündigt Untersuchung an

Die Oper in Los Angeles hat bereits auf die Vorwürfe gegen Domingo reagiert und eine unabhängige Untersuchung angekündigt. Domingo ist seit 2003 Generaldirektor der Oper in Los Angeles. Die Orchestervereinigung von Philadelphia und die Oper von San Francisco sagten Auftritte mit Domingo ab, die Salzburger Festspiele halten hingegen an den Auftritten des Spaniers fest.

Helga Rabl-Stadler, die Leiterin der Festspiele, sieht nach eigenen Angaben keine Veranlassung, Domingos Auftritte am 25. und 31. August abzusagen. Sie kenne Domingo seit mehr als 25 Jahren und sei von Anfang an von seinem wertschätzenden Umgang mit den Mitarbeitern des Festivals beeindruckt gewesen, erklärte Rabl-Stadler. Sie finde es "sachlich falsch und menschlich unverantwortlich, zum derzeitigen Zeitpunkt endgültige Urteile und darauf beruhende Entscheidungen zu fällen".

mai