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Porträt Andreas Läsker: Der Bär, der Bohlen und die "Bild"

Er ist der fünfte Mann der Fanta 4. In seinem Stuttgarter Plattenladen haben sie Andreas Läsker vor zwanzig Jahren ein Tape in die Hand gedrückt. Er wurde ihr Manager, sie berühmt. Jetzt soll "der Bär" andere Talente entdecken: Als Juror in der neuen Staffel von "Deutschland sucht den Superstar".

Von Johannes Gernert

Der Bohlen hat gerade schon wieder in irgendeinem Interview gesagt, dass er ein Egomane sei und den Laden am liebsten alleine schmeißen würde, als Ein-Mann-Jury von "Deutschland sucht den Superstar". Aber der Bär bleibt bei so was ganz ruhig, sonst wäre er ja nicht der Bär. Mit dem Bohlen verstehe er sich gut, sagt er, der habe Menschenkenntnis und viel Erfahrung.

Außerdem seien sie meist einer Meinung. Max Medlock beispielsweise, der Bohlen-Buddy, der bei der vierten DSDS-Staffel gewonnen hat, den fand nicht nur der Bohlen, sondern auch der Bär gut. Außergewöhnliche Stimme, nicht so aalglatt, ein bisschen prollig, dunkelhäutig, gutaussehend, schwul. "Er hat so ein paar Sachen, die man auch Robbie William nachsagt. Nicht einfach zu durchschauen, nicht immer straight", sagt der Bär. Selbst der Bohlen erwähnt in einem Nebensatz, dass er sich mit dem Bär fast immer einig ist. Jetzt müssen die 15 Kandidaten bei der neuen Superstar-Staffel also am Bohlen und am Bär vorbei. Und an Anja Lukaseder. Die allerdings wird neben dem Bär, der lang und breit ist und wasserstoffblond, fast ein bisschen klein aussehen.

Ein Entertainment-Format, nicht die Weltrettung

Eigentlich heißt der Bär Andreas Läsker. Man könnte ihn genauso gut den "fünften Fanta" nennen. Das ist es auch, was ihn ziemlich deutlich von den anderen Musikmanagern unterscheidet, die bisher neben Dieter Bohlen in der Jury saßen. Weder Thomas Stein noch Heinz Henn haben das Band-Logo der Fantastischen Vier neben dem von Fury in the Slaughterhouse auf den Oberarm tätowiert. Beim 44 Jahre alten Läsker sieht das aus wie ein Qualitätsnachweis. Vor zwanzig Jahren ist er zum Manager einer Band geworden, die es gerade erst wieder zu einem Nummer-Eins-Album gebracht hat, die von Nischen-Rappern zu Popstars wurden und es geblieben sind.

Der Bär war immer dabei. Anders als seine beiden Vorgänger hat Läsker sich als Mitgründer des eigenen Fanta-4-Labels Four Music und Deutschlandvertreter der HipHop-Firma Def Jam eher am Rand als im Zentrum des Mainstream-Musikgeschäfts aufgehalten. Die Industrie, die wegen niedriger Verkaufszahlen vor dem Abgrund steht, hat sich mit ihrer Erfolgsgeilheit selbst dorthin gebracht, so ungefähr lautet seine Diagnose. Weil kaum jemand auf Inhalte geachtet hat, auf Talent. Im Fernsehen nach Superstars zu suchen, sieht er immerhin als eine Möglichkeit, daran ein bisschen was zu ändern. Ein Entertainment-Format, keine Weltrettung, das ist ihm schon klar. Der Bär ist Schwabe, Realist.

"Hast du Freund, Eltern, Geschwister?"

Mit Läsker könnte in die Show mehr Glaubwürdigkeit einziehen, wahrscheinlich war das auch das Ziel der RTL-Verantwortlichen, als sie ihn gefragt haben. Die zwei wichtigsten Quotengaranten heißen nach wie vor Bohlen und "Bild"-Macher. Der eine, weil er Sprüche produziert wie eine Armada von Gagschreibern und dabei Gesichtsakrobatik betreibt, als wäre seine Solariumhaut Gymnastik-Olympiasiegerin. Die anderen, weil sie aus diesen Vorlagen noch jedes Mal mehrteilige Krawall-Storys gestrickt haben, zuletzt wegen Bohlens Grimassenangriffen auf den Co-Juror Henn.

Das mag die Zuschauerzahlen steigern. Die Superstarsuche verkommt damit aber vollends zur Gaga-Gag-Show. Ganz wohl wird man sich bei RTL damit nicht fühlen, wenn Stefan Raab bei ProSieben zeigt, dass sich Entertainment bei der Starsuche mit einer gewissen Ernsthaftigkeit verbinden lässt. Läsker nun haut auch Sprüche raus. Etwa bei den Regionalvorauswahlen: "Ich habe manchmal mitgezählt und dann gesagt: 'Junge hör auf, du hast 18 Töne gesungen, davon war nicht ein einziger richtig. Hast du Freunde, hast du Eltern, hast du Geschwister?'" Er möchte das aber eher als Mahnung verstanden wissen. "Viele haben offensichtlich nicht das Umfeld, das ihnen sagt: Du kannst überhaupt nicht singen, also lass' es bleiben. Spätestens wir sollten das dann tun", sagt er. DSDS als Sound-Spamfilter mit Selbstschutz-Support.

Andreas Läsker weiß, dass der Aufstieg im Musikbusiness mühsam sein kann. Während Dieter Bohlen und Thomas Anders Modern Talking nach ihren Riesenverkaufsschlagern gerade in der Auflösung begriffen waren, machte er Ende der Achtziger in Stuttgart einen Plattenladen auf. Eines Tages kamen dort mehrere Jungs vorbei, von denen sich ein paar die Zwielichtigen Zwei genannt hatten und andere Terminal Team, dann fusionierten sie zu den Fantastischen Vier.

Läsker fand das erst völlig absurd, Rap auf Deutsch. Dann hat er ihnen angeboten, sie zu managen. Sie tourten durch die Jugendclubs der Republik, bis er eine Plattenfirma für sie fand. Das erste Album hieß "Jetzt geht's ab" und verkaufte sich exakt 18.000 Mal. "Das war's", dachte der Jungamanager. Aber die Leute von der Firma meinten, für so etwas völlig Neues sei das doch ganz okay. Die nächste CD, "Vier gewinnt", landete dann auf Platz drei der Charts. "Der Rest ist Geschichte", sagt Andreas Läsker.

Freak-Show mit Ferengi

Dass er bei DSDS im Grunde nichts anderes tun wird, als Nichtschwimmern freundlich den Weg zum Schwimmerbecken zu zeigen, um ihnen dann amüsiert beim Ertrinken zuzuschauen, wie es ein Kritiker neulich formuliert hat, sieht Läsker nicht so. "Es wird niemand mit vorgehaltener Waffe zu DSDS geschleppt. Wenn man untalentiert ist, aussieht wie ein Ferengi aus 'Star-Trek' und sich zum Affen macht, dann macht man sich eben zum Affen. Wenn ich mir mit meinen 15 Kilo Übergewicht einen Neoprenanzug anziehe und in Berlin über den Ku'damm gehe, mache ich mich auch zum Affen. Das weiß ich aber vorher", sagt er.

Jemanden, der ein wenig aussieht wie ein Außerirdischer aus der Sternenserie, gibt es diesmal tatsächlich. Damit wirbt RTL auch schon eifrig auf der Homepage. In den ersten Folgen hat DSDS oft Ähnlichkeit mit einer Freak-Show und manchmal, das hat Daniel Kübelböck bewiesen, kann das eine ganze Weile so bleiben. Vielleicht besteht diesmal ein Hauch Hoffnung, dass die Superstarsoap nach dem Ferengi-Auftakt musikorientierter weitergeht, mit dem Bär, dem Bohlen – und der "Bild"?