HOME

Musikpreis: So bekamen Kollegah und Farid Bang ihren Echo

Eine Woche nach der Echo-Verleihung sorgt der Preis für Kollegah und Farid Bang für Empörung. Wer entscheidet, an wen der Echo vergeben wird? Auch ich war an einigen Entscheidungen beteiligt.

Farid Bang und Kollegah bei der Echo-Verleihung

Die umstrittenen Rapper Farid Bang und Kollegah bei der Echo-Verleihung.

AFP

Seit die umstrittenen Deutsch-Rapper Kollegah und Farid Bang mit dem Echo in der Kategorie Hip-Hop/Urban National ausgezeichnet wurden, stellen sich viele die Frage: Wer hat das zu verantworten? Um es gleich vorweg zu sagen: Mich trifft keine Schuld. Dabei war auch ich an einigen der Entscheidungen in diesem Jahr beteiligt.

Der vom Bundesverband Musikindustrie seit 1992 jährlich vergebene Echo ist von Anfang an ein Publikumspreis gewesen. Das heißt: Er basiert auf den Verkäufen der Künstler aus den zurückliegenden zwölf Monaten. Das war bis 2017 alleiniges Kriterium für den Sieg.

Im vergangenem Jahr wurde die Prozedur verändert, seither gibt es neben den nackten Verkaufszahlen eine zweite Komponente: eine Fachjury. Die setzt sich zusammen aus Mitgliedern des Bundesverbandes Musikindustrie, früheren Preisträgern und Nominierten sowie Vertretern aus verschiedenen Bereichen der Musikbranche - etwa Händler, Verleger, Veranstalter und Journalisten, darunter auch ich.

Der Echo-Beirat hatte keine Einwände gegen Kollegah und Farid Bang

Wer es in einer Kategorie auf die Shortlist schafft, das bestimmen nach wie vor die Erfolge in den Charts. Es gibt nur eine Möglichkeit, wie einem Künstler die Nominierung entzogen wird: In strittigen Fällen kann der Echo-Beirat eingeschaltet werden, der bei schweren Verstößen gegen gesellschaftliche Normen den Ausschluss des Künstlers empfehlen kann.

Im Fall von Kollegah und Farid Bang wurde der Beirat zwar angehört, der kam jedoch zu dem Urteil, dass in dem umstrittenen Song "0815" "die künstlerische Freiheit nicht so wesentlich übertreten wird, dass ein Ausschluss gerechtfertigt wäre".

Welcher der fünf nominierten Künstler prämiert wird - da dürfen die Juroren ein Wörtchen mitreden. Per Online-Voting wählen sie ihren Favoriten in den jeweiligen Kategorien, anschließend werden Charterfolge und Jurystimmen zusammengezählt - wer das beste Ergebnis hat, gewinnt.

Auch ich war Juror

Im Vergleich zu früher hat sich die Prozedur durch die Einführung von Jurys  verbessert. Doch nach wie vor ist der kommerzielle Aspekt sehr dominant - und als Juror hat man oft keine wirkliche Wahl. Ich war in diesem Jahr Mitglied der "Fachjury Nr. 1", damit durfte ich in zehn Kategorien den Sieger mitbestimmen, darunter "Album des Jahres", "Hit des Jahres", Künstlerin, Künstler und Band "Pop national" und "Pop international".

Dort musste ich mich etwa zwischen Mark Forster, Peter Maffay, Johannes Oerding, Adel Tawil und Wincent Weiss entscheiden. Für mich allesamt keine preiswürdigen Musiker. So wählte ich anstelle des besten Künstlers das kleinste Übel.

Daran, dass Mark Forster den Echo erhalten hat, trage ich also eine Mitschuld. Dass Kollegah und Farid Bang ausgezeichnet wurden - dafür kann ich hingegen nichts. Das hat die "Fachjury 4" zu verantworten. Und vor allem die Plattenkäufer.

Vielleicht nimmt der Bundesverband Musikindustrie die anhaltenden Debatten um Farid Bang und Kollegah zum Anlass, den Echo nachhaltig umzubauen. Vielleicht sogar zu einem reinen Jurypreis. 

Der Eklat beim Echo: Campino wettert gegen Kollegah - Skandal-Rapper gewinnt und wird ausgebuht


Themen in diesem Artikel