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Eklat um Kollegah und Farid Bang: Wer sitzt im Echo-Beirat - und was sind seine Aufgaben?

Aus Protest gegen den Echo für Kollegah und Farid Bang geben immer mehr Stars ihre Trophäen zurück. Der Echo-Beirat hatte keine Einwände gegen deren umstrittenen Song "0815". Was ist das für ein Gremium - und wer sitzt darin?

Kollegah und Farid Bang

Kollegah und Farid Bang bekamen einen Echo. Seine Dankesrede nutzte Kollegah, um Campino vorzuführen.

AFP

Nun auch Marius Müller-Westernhagen. Immer mehr bekannte Musiker geben aus Protest gegen den Echo ihre Trophäen zurück. Auslöser für die Debatte ist die Vergabe des Musikpreises an die Deutsch-Rapper Kollegah und Farid Bang, die in einem ihrer Tracks getextet hatten, ihr Körper sei "definierter als von Auschwitzinsassen".

Speziell diese Zeile war bereits im Vorfeld der Preisverleihung auf große Kritik gestoßen - und deshalb vom Ethik-Beirat des Echo geprüft worden. Das siebenköpfige Gremium hatte jedoch keine grundsätzlichen Bedenken: "Den Ausschluss des Albums 'JBG3' von einer etwaigen Zuerkennung eines Preises empfiehlt der Beirat jedoch mehrheitlich nicht", hieß es im Statement des Beirats. "Nach sorgfältiger Befassung mit dem Gesamtprodukt 'JBG3' von Kollegah & Farid Bang hat der Echo-Beirat mehrheitlich entschieden, dass im Song '0815' der Bonus-EP '§ 185' die künstlerische Freiheit nicht so wesentlich übertreten wird, dass ein Ausschluss gerechtfertigt wäre - auch, wenn es sich um einen Grenzfall handelt."

Das ist die Aufgabe des Echo-Beirats

Das Gremium kann nicht selbst aktiv werden, sondern wird vom Vorstand des Bundesverbandes Musikindustrie eingeschaltet, der Veranstalter des Echo ist. Der Beirat muss immer eine Abwägung vornehmen zwischen dem Verstoß gegen gesellschaftliche Normen und der Kunstfreiheit. In diesem Fall fiel die Entscheidung zugunsten des Letzteren aus.

Hätte das Gremium damals anders entschieden, wäre dem vom Bundesverband Musikindustrie vergebenen Preis wohl viel Ärger erspart geblieben. Und möglicherweise werden sich auch die sieben Mitglieder des Ethik-Rats Kritik anhören müssen. Derzeit setzt sich der Echo-Beirat aus den folgenden Personen zusammen:

  • Wolfgang Börnsen, Leiter des Instituts (PKM) für Parlaments-, Kultur- und Medienberatung
  • Prof. Kurt Mehnert, Vertreter des öffentlichen Lebens
  • Klaus-Martin Bresgott, Stellvertreter der Kulturbeauftragten des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland
  • Uta Losem, Katholisches Büro
  • Ole Oltmann, Musikpädagoge (Gymnasium Schillerschule Hannover, Studienseminar Hannover I, Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover)
  • Prof. Christian Höppner, Präsident des Deutschen Kulturrats
  • Prof. Martin Maria Krüger, Präsident des Deutschen Musikrats

Die Amtszeit des Echo-Beirats beträgt drei Jahre, die Mitglieder werden für diesen Posten vom Vorstand des Bundesverbandes Musikindustrie berufen. Sie sind unabhängig und unterliegen keinen Weisungen. Und: ihr Urteil ist bindend. "Wenn der Beirat eingeschaltet wird, obliegt die Entscheidung darüber, ob eine Nominierung oder Preisvergabe erfolgen kann, allein diesem Gremium", heißt es im Regularium.

Die Kritik geht über Kollegah und Farid Bang hinaus

Möglicherweise hat der Echo-Beirat mit seiner autonomen Entscheidung nun eine Diskussion in Gang gesetzt, die weit über den konkreten Fall von Kollegah und Farid Bang hinausgeht: Inzwischen wird der generelle Modus des Echo kritisiert: Dass sich die Vergabe der Preise ausschließlich an den Verkäufen orientiert.

Florian Drücke, der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Musikindustrie, hat bereits angekündigt, den Preis überarbeiten zu wollen. Es sieht ganz so aus, als werde der Echo im kommenden Jahr anders aussehen.

Und auch der Beirat wird künftig anders aussehen: Der Präsident des Deutschen Kulturrates, Christian Höppner, seinen Rückzug aus dem Gremium angekündigt. Er bezeichnete am Montagabend die Entscheidung, den Musikpreis an Kollegah zu vergeben, als "Fehler" und sagte der "FAZ" zufolge, der Preis sei in dieser Form "gesellschaftlich nicht mehr tragbar".

Richtigstellung: In einer früheren Version hatten wir geschrieben, Prof. Kurt Mehnert sei Rektor der Folkwang Universität. Das ist seit dem 1.4. 2017 jedoch Prof. Andreas Jacob.

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