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stern-DVD-Edition "Sternstunden der Oper": Große Gefühle fürs Heimkino

Opern haben die Menschen seit Jahrhunderten tief gerührt. Die Verbindung von Musik mit dramatischen Stoffen geht direkt ins Herz. Mit der DVD-Edition "Sternstunden der Oper" kann man sich dieses Erlebnis und herausragende Aufnahmen bequem ins eigene Wohnzimmer holen.

Von Carsten Heidböhmer

Ganz egal ob im städtischen Musiktheater oder unter freiem Himmel in der Arena von Verona: Große Opern rühren uns zu Tränen, bewegen und erschüttern uns. Denn was die Sänger auf der Bühne durchleiden, tun sie stellvertretend für den Zuschauer: Es sind die großen Fragen von Liebe und Hass, Freundschaft und Verrat, Leben und Tod, die dort verhandelt werden. Sie gehen uns alle etwas an. Deswegen sind Opern, auch wenn sie schon Jahrhunderte alt sind, so aktuell.

Als Wolfgang Amadeus Mozart in seinem Todesjahr 1791 "Die Zauberflöte" vollendete, hatte er mehr als einen Klassiker geschaffen: Ihm war eine echte Volksoper gelungen. Die Arien hatten Hit-Potenzial und erwiesen sich als regelrechte Gassenhauer. Papagenos "Vogelfänger"-Lied oder die Arie der Königin der Nacht bedürfen keiner musikalischen Vorkenntnisse - jeder versteht sie intuitiv. Dieses Werk hat nichts Elitäres an sich - ein Image, das dieser Gattung lange anhaftete. Spätestens mit der "Zauberflöte" hatte sich das Musiktheater einen Platz in der Mitte der Gesellschaft erobert.

Vergnügen der aufstrebenden bürgerlichen Schichten

Die ersten Opern wurden Ende des 16. Jahrhunderts an norditalienischen Fürstenhöfen aufgeführt. Auch auf dem Gebiet des deutschen Reichs ging die Entwicklung zunächst von Fürsten- und Königshäusern aus. Doch schon bald öffneten die Hoftheater für nichtadeliges Publikum. Als erstes bürgerlich-städtisches Theater im deutschen Sprachraum nahm 1678 in Hamburg ein "öffentliches und populäres" Opernhaus den Spielbetrieb auf. Die Tendenz war klar: Das Musiktheater wurde zunehmend zum kulturellen Vergnügen der aufstrebenden bürgerlichen Schichten. Eine Entwicklung, die im 19. Jahrhundert ihren Höhepunkt fand.

Das zeigte sich gleich zu Beginn des Jahrhunderts: In "Fidelio" verarbeitet Ludwig van Beethoven die Ideale der Französischen Revolution. Die Geschichte der tapferen Leonore, die ihren vom Tyrannen inhaftierten Ehemann aus dem Verlies befreien will, ist eine einzige Ode an Freiheit, Gerechtigkeit und Brüderlichkeit - und an die Kraft der Liebe. Eine im absolutistischen Wien unerhörte Aussage, die durch die Gewalt von Beethovens Musik noch unterstrichen wird.

Tief im deutschen Mittelalter verwurzelt

"Die Zauberflöte" und "Fidelio" waren die ersten Beispiele für eine spezifisch deutsche Opernsprache. Über die Opern Carl Maria von Webers fand diese Entwicklung ihren Höhepunkt bei Richard Wagner, der Mythen und Stoffe aus der deutschen Geschichte als Grundlage für seine Musikdramen legte. So ist etwa der "Tannhäuser" im deutschen Hochmittelalter angesiedelt. Die Geschichte spielt vor dem Hintergrund des sagenhaften Sängerkriegs auf der Wartburg, bei dem berühmte Minnesänger wie Wolfram von Eschenbach oder Walther von der Vogelweide gegeneinander antraten. Der Protagonist Tannhäuser schwankt unglücklich zwischen dem sündigen Reich der Liebesgöttin Venus mit ihrer permanenten höllischen Erregung und der Welt der Liebe und Reinheit - die als einzige Erlösung verspricht.

Zunächst in der Nachfolge Richard Wagners stehend, entwickelte Richard Strauss dessen Musiksprache weiter. Dabei griff er immer wieder auf antike Stoffe zurück und adaptierte sie für die Gegenwart. Sophokles' Tragödie "Elektra" mischten Strauss und sein Librettist Hugo von Hofmannsthal Ideen eines gerade für Furore sorgenden Wissenschaftlers namens Siegmund Freud unter - und untermalten das Ganze mit gewaltigen Klangblöcken eines 111-köpfigen Orchesters. Herber und dissonanter hatte eine Oper bis dato nicht geklungen. Damit wies Strauss der durch spätromantischen Schwulst ausgelaugten Klangsprache einen Weg in die Moderne - die schon bald mit ganz anderen klanglichen Exzessen die Ohren des Publikums verschrecken sollte.

Tragische Liebesgeschichte mit tödlichem Ausgang

Alle vier Werke sind in der zehnteiligen DVD-Edition "Sternstunden der Oper" enthalten. Doch auch die anderen großen Opernnationen sind hier vertreten. In Italien etwa legte man seit jeher größten Wert auf eingängige Melodien und schöne Stimmen. So sind aus der Ära des Belcanto drei der bekanntesten und beliebtesten Schöpfungen vertreten: "Barbier von Sevilla", Gioachino Rossinis launige Geschichte von dem pfiffigen Figaro, der in Sevilla mit raffinierten Tricks Liebende zusammenführt. Giuseppe Verdis "La Traviata", die tragische Liebesgeschichte zwischen Violetta und Alfredo mit tödlichem Ausgang. Und Giacomo Puccinis nicht minder traurige Oper "La Bohème". Diese Komponisten schenkten der Musikwelt Melodien, die Allgemeingut geworden sind und die noch heute jedes Kind kennt.

Auch in Frankreich entstanden Werke, die sich einen festen Platz im Opern-Olymp verdient haben. Georges Bizets bis heute populäre "Carmen" gehört nach wie vor zum festen Repertoire aller großen Bühnen - und wurde unzählige Male verfilmt oder adaptiert. Und Jules Massenet hat mit seinem "Werther" ein Stück Weltliteratur vertont.

Ende des 19. Jahrhunderts schließlich begann von Wien aus der Siegeszug der deutschsprachigen Operette, die in Thematik und Musik leichter und eingängiger war und deswegen auch als "bürgerliche deutsche Oper" bezeichnet wurde. Komponisten wie Karl Millöcker oder Johann Strauß (Sohn) schufen bei der breiten Masse beliebte Werke. Letzterem gelang mit "Die Fledermaus" ein bis heute gern gespielter Klassiker - der die DVD-Edition abrundet. Die "Sternstunden der Oper" sind zum Preis von 129 Euro im stern-Shop erhältlich. Im Einzelverkauf sind die Opern für 13,99 Euro je DVD zu haben.

In den kommenden Tagen stellen wir Ihnen die zehn Opern ausführlich vor