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Tagebuch 2: Donnerstag, 23. Oktober 2003

Heute geht es besonders früh los. Drei Stunden brauchen wir für die Fahrt durch die satte grüne Landschaft. Grönemeyer begeistern die Berge, die Menschen.

Heute geht es besonders früh los. Drei Stunden brauchen wir für die Fahrt durch die satte grüne Landschaft. Grönemeyer begeistern die Berge, die Menschen, wie sie von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang bis an die Spitze der Hügel ihre schmalen Felder bestellen, um sich ihr Auskommen zu sichern. Dann die Grenze zum Kongo. Stempel in die Pässe und die Welt verändert sich dramatisch.

Goma - die Grenzstadt mit rund 550.000 Einwohnern - gleicht einer schwarzen staubigen Mondlandschaft. Es war am 17. Januar 2002 als der gewaltige Vulkan Nyiragongo die Stadt mit seiner glühenden Lava überflutete und 80 Prozent aller Häuser vernichtete. Tausende Menschen mussten vor den mehr als 1000 Grad heißen Lavaströmen, die alles in Brand setzen, flüchten. 20.000 Menschen wurden obdachlos, verloren ihr weniges Hab und Gut. Viele von ihnen leben noch heute in armseligen Flüchtlingslagern, wo sich die Kinder barfuß zwischen den rauen Lavasteinen abmühen, ein wenig Maniok anzupflanzen. Erst in fünf- bis siebenhundert Jahren wird der Boden fruchtbar sein.

Eng belagern uns hunderte Bewohner des Flüchtlingslagers und erzählen Herbert Grönemeyer von ihren Sorgen. Ein Bauprogramm von Caritas international für 4000 Häuser hat im Mai 2002 begonnen, dennoch gibt es noch heute viele Familien, die keine neue Unterkunft gefunden haben. Deshalb sollen jetzt mit den Bedürftigsten weitere 650 Häusern gebaut werden. Grönemeyer ist erschüttert: "Diese Stadt ist furchtbar gebeutelt. Lava kann man nicht einfach beiseite schaufeln. Diesen Menschen, die trotz aller Not, dennoch eine so eine unglaubliche Lebensenergie haben, muss weiter geholfen werden".

Dann Fahrt über die von der Welthungerhilfe neu erbaute "Straße des Friedens", die inzwischen bis weit in die Provinz Kivu reicht. Noch im Mai waren es nur 80 Familien, jetzt sind es bereits weit über 20.000, die nun wieder in ihren alten Dörfern leben, die Felder bestellen und Handel betreiben.

Schon im Anbruch der Dunkelheit diskutiert Grönemeyer lange auf Französisch mit den Kindern des örtlichen Kinderparlaments, die sich engagiert für ihre Rechte, für bessere Bedingungen in den Schulen und in den Familien einsetzen. Sie wissen genau, was sie von dem deutschen Sänger wollen: Hilf uns, dass wir Möbel für die Schulen bekommen, wir wollen uns mit dem Kinderparlament in Bunia treffen, machst Du ein Lied über uns Kinder hier, kannst du was für uns singen? Und Grönemeyer singt in der anbrechenden Nacht: "...der Mensch heißt Mensch, weil er irrt und weil er kämpft, und weil er hofft und liebt, weil er mitfühlt und vergibt, weil er lacht und weil er lebt...".

Susanne Anger

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