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The Darkness: Frischzellenkur für den Glamrock

Mit ihrem Debüt hat The Darkness den Glamrock wiederbelebt. Mit dem zweiten Album "One way ticket to hell... and back" verschaffen sie dem Genre eine unerwartete Frischzellenkur.

Als die englische Band The Darkness 2003 mit ihrem Debütalbum "Permission to Land" um Landeerlaubnis auf der Erde baten, machten sie den Eindruck, mit einer Zeitmaschine direkt aus den späten 70ern einzufliegen. Die Platte brachte ein Genre, das seit mindestens 20 Jahren nicht mehr angesagt war, wieder ins Bewusstsein von Rockmusik-Liebhabern: Glamrock - eine Musikrichtung, die nach Meinung vieler zu Recht in Vergessenheit geraten war.

The Darkness ziehen sich jedoch geschickt aus der Affäre, indem sie ihre Musik mit einem gewissen Augenzwingern präsentieren. Im Video zu ihrem bisher größten Hit "I believe in a thing called love" schlug die Band ein außerirdisches Monster in die Flucht, in dem sie es mit Blitzen aus ihren Instrumenten beschossen. Auch der neue Albumtitel "One way ticket to hell... and back" macht deutlich, dass die Band sich selbst nicht allzu ernst nimmt. Eine Qualität, die vielen Rockbands gerade in den frühen 80er Jahren abging, obwohl deren damalige Klamotten- und Frisurenmode gerne mal die Grenze zum Lächerlichen überschritt.

Homogener als das Debüt

Dass Humor und Songwriterqualitäten einander nicht ausschließen, beweist die Band um die Brüder Justin und Dan Hawkins auch mit ihrem zweiten Album souverän. Schon die Single "One way ticket" ist eine großartige Hymne, in der Sänger Justin Hawkins ausnahmsweise mal auf seine Kopfstimme - sein Markenzeichen - verzichtet. Die kommt dafür in "Knockers" ausgiebig zum Einsatz. Und der Gesang ist auch der Punkt, an dem sich die Geister scheiden: entweder man mag den Gesang oder eben nicht. Wer ihn nicht mag, wird sich auch für das zweite Album nicht erwärmen können. Insgesamt ist "One way ticket to hell... and back" homogener geworden als das Debüt. Gab es auf dem ersten Album noch einige wenige Stücke, die man vielleicht übersprang, fehlen hier solche "Ausfälle".

Andererseits gibt es nur wenige Songs, die sofort in Erinnerung bleiben. Und das liegt daran, dass die Songs auf gleich hoher Qualität sind. Auffällig ist, dass die Band ihr musikalisches Spektrum erweitert hat. So sind bei "Hazel eyes" auch Dudelsäcke zu hören, "Girlfriend" wechselt zwischen Rock'n'Roll in der Strophe und fröhlichem Pop im Refrain. Obwohl auch das neue Album eindeutig klassischen Rock bietet, überrascht die CD, weil The Darkness mit diesen Details einem überlebten Genre neue Frische verschaffen. Schon nach dem Debüt gelang es der englischen Band, drei Abende in Folge das Wembley-Stadion auszuverkaufen. Und das ist auch definitiv der Ort, an den die Band gehört: ins Stadion. Ein Erstliga-Stadion, selbstverständlich!

Thomas Krause
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