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Dämliches Tokio-Hotel-Video Bill Kaulitz mit Heroin-Spritze - muss das sein?


Peinliche Facebook-Kommentare, miese Plattenverkäufe, kleine Konzerte: Für Tokio Hotel geht es bergab. Jetzt musste schnell ein Skandal-Video her. Bill Kaulitz mit Heroin-Spritze? Bitte sehr.

Mit Schaum vorm Mund erliegt eine nackte junge Frau in einer Badewanne einer Überdosis Heroin, dazu singt Bill Kaulitz die Zeilen "Don't look back/just feel it all/ the time is now/a new day is coming". Der Tokio-Hotel-Sänger selbst ist mit einer Heroin-Spritze zu sehen, geübt klemmt er sich mit einem Gürtel den Oberarm ab. Später fängt die Kamera ihn beim Koksen und beim käuflichen Sex auf einer Clubtoilette ein.

Die Bilder stammen aus dem neuen Musikvideo zum Tokio-Hotel-Song "Feel it all". Es ist ein selten dämlicher Clip für das Teenie-Publikum der Band. Denn trotz stellenweise sehr drastischer Szenen wie diesen wird darin die Drogenabhängigkeit durch Schnitt, Ästhetik und Lyrics regelrecht romantisiert. Großaufnahmen von Tattoos, tanzenden Menschen und hippen Clubs wechseln sich ab mit Bildern von Prügeleien, blutigen Füßen und verwahrlosten Wohnungen.

Dazu passen die Kommentare von Bill Kaulitz auf Facebook. Als Kind sei er sehr von Filmen wie "Kids" und "Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" fasziniert gewesen. "Ich habe mich in den Filmen selbst gesehen, weil ich in einer Kleinstadt mit solchen Leuten aufgewachsen bin. Als ich 13 war, hatte wir viele ältere Freunde und wir wollten alle nur raus hier. Wir wollten frei sein", heißt es auf Facebook. Was genau "frei sein" mit den selbstzerstörischeren Lebensentwürfen aus dem Video zu tun hat, führt er allerdings nicht aus.

Die Band steht schlecht da

Dass Kaulitz damit aber tatsächlich meint, er sei als Kind mit Drogenabhängigen und Strichern rumgehangen, ist mehr als fraglich. Es scheint vielmehr so, als versuchten Tokio Hotel gerade mit allen Mitteln in die Schlagzeilen zu gelangen. Ein vermeintliches Skandal-Video kommt da gerade recht.

Denn es läuft nicht gut bei der einstigen Erfolgsband. Die Verkaufszahlen ihres neuen Albums' "King of Suburbia" waren - vor allem im Vergleich zu ihren früheren Erfolgen - mehr als enttäuschend.

Erst in der vergangenen Woche wurde die Gruppe um die Zwillinge Bill und Tom Kaulitz zum Gespött, als sie nach einem Konzert im kleinen Berliner Club "Heimathafen Neukoelln" öffentlich gegen die Veranstalter wetterten. Es sei der schlechteste Veranstaltungsort gewesen, den sie je gesehen hätten. Der "Heimathafen" reagierte cool und erklärte, dass die aufwändige Lichttechnik der Band aus Sicherheitsgründen in einem Club dieser Größe nicht erlaubt sei. Mit dem Hashtag "#worstvenueever" machen sie sich jetzt außerdem ironisch die Publicity zunutze. Tokio Hotel stehen hingegen schlecht, ja regelrecht uncool da. Und daran wird wohl auch ein gewollt provozierendes Drogen-Video nichts mehr ändern.

sst

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