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Dave Grohl und die Foo Fighters: Wie man Berlin im Sitzen rockt

Die Foo Fighters haben vor der ausverkauften Mercedes-Benz-Arena gespielt. Rund 18.000 Fans schrien mit Frontmann Dave Grohl um die Wette. Angereist aus aller Welt. Ein Konzertbericht.

Von Sophie Albers Ben Chamo

Dave Grohl beim Foo Fighters-Konzert

Und Dave Grohl gibt natürlich wieder alles

Ben und Matan sind extra aus Tel Aviv nach Berlin gekommen, um die Foo Fighters zu sehen. Endlich. Ihre Helden, ihre Idole, deren Songtexte, Karrierestationen, Lebensgeschichten und Tattoos sie auswendig können. Deshalb ist Matan auch ein bisschen mulmig, denn vielleicht entpuppt sich das Idol ja als Enttäuschung. Trotzdem hüpft er vor der Mercedes-Benz-Arena auf und ab wie ein glücklich-aufgeregter Sechsjähriger. 

Hier muss man jetzt einen kleinen Exkurs über die Ticket-Pest Viagogo einschieben. Denn Ben muss ins gegenüberliegende Holiday-Inn-Hotel, um sich seine Eintrittskarte abzuholen, und hält schließlich eine Innenraum-Pass in den Händen, auf dem zwar 74,40 Euro steht, für den er aber 209,56 Euro hinblättern musste. Der Dämpfer ist allerdings sofort vergessen, denn als Matan wiederum sein Ticket am Gästeschalter abholt, haben die Beiden plötzlich Einblick in den Backstage-Raum der Arena. Ben erkennt Foo-Fighters-Gitarrist Chris Shiflett, bezirzt eine Securityfrau und steht als nächstes neben Shiflett, der ihm sein eigens aus Israel mitgebrachtes Schlagzeugfell signiert. Allen Umstehenden klappt der Unterkiefer runter angesichts so viel Chuzpe. Und dann. Endlich. Geht es in den Tempel.

Mysteriöser Countdown und "Game of Thrones"

Alt und Jung warten im Pit, Böhse-Onkelz- neben Gorilla-Biscuits- neben Foo-Fighter-T-Shirts. Und die Stimmung ist trotzdem gut. Gerüchte gehen um, dass es die letzte Tour sein könnte. Foo Fighters-Frontmann Dave Grohl habe beim Konzert in Amsterdam so etwas gesagt. Und dann ist da der ominöse Countdown auf der Foo Fighters-Website, von dem niemand weiß, was genau er runterzählt.  

"Dave hat nie vergessen, was es heißt, ein Fan zu sein", sagt Ben. Und Matan erzählt nochmal die Geschichte von Grohls berühmtem Beinbruch: Der Ex-Nirvana-Drummer, der nach Kurt Cobains Tod 1994 die Foo Fighters gründete, stürzte beim Konzert in Schweden von der Bühne, wurde ins Krankenhaus gebracht und kam mit eingegipstem Bein zurück, um das Konzert zu beenden. Das war im Juni 2015. Seit Juli ist die Band mit einem "Grohl-Chair" unterwegs, der es dem Sänger erlaubt, das geschiente Bein während des Konzerts hochzulegen - und der aussieht wie eine Mischung aus "Game of Thrones" und tanzende Göttin Shiva. In Berlin fährt das ganze Ding auch noch auf der Bühne hin und her.

Trotz Soundproblemen eine "big fucking Night"  

"Der Sound ist echt schlecht", bemerken Ben und Matan. Und bleiben trotzdem wie am Boden festgeschweißt vor der Bühne stehen, über der nun die Foo-Fighters-Flagge schwebt. Da ist immer dieser Moment, bevor das eigentliche Konzert beginnt, in dem das Warten zu lang wird. Um 20.40 Uhr geht das Geschrei endlich los. Und Dave Grohl, der Mann mit dem besttrainierten Nacken der Welt, hat wirklich Godzilla in der Kehle, während er auf seinem "Thron" zappelt, mosht und die Gitarre verprügelt: "We gonna have a big fucking night!" Oh ja.


Die Mercedes-Benz-Arena ist ausverkauft. Die Bühne wurde sogar noch ein Stück nach hinten gezogen, damit mehr Menschen diesen Schwerstarbeiter des Rock zu sehen kriegen. Die Foo Fighters spielen sich kreuz und quer durchs Repertoire - von "Learn to fly" bis "Wheels". Grohl drischt auf die Berliner Luft ein, als hinge sein Leben davon ab. Dann beruhigt er sich mal kurz, um von Dan zu erzählen, dem Soundman, der ihm den Thron entworfen hat. Die folgende Ballade "Big Me" ist der Crew gewidmet, und in dieser Halle gibt es sogar Menschen, die Feuerzeuge statt Mobiltelefone hochalten.

Was will man mehr

Zwei Stunden und 15 Minuten haben sie gespielt. Matan hat gestoppt. Wegen des miserablen Sounds sind die Jungs aus Israel nach etwa einer Stunde nach hinten gegangen. Aber Grohl ist "so charismatisch", sagt Matan. Diese Energie. Auch der Überraschungsgast Bob Mould (Hüsker Dü) hat ihm gefallen: "Dear Rosemary". Ja, es war ein Zirkus, ein schlechtklingender obendrein, sagt Matan. "Aber ich habe die Show genossen und mir die Seele aus dem Leib geschrien." Was will man mehr.

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