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TV-Kritik

"Adam sucht Eva": Möpse-Memory mit Anfassen

Bei "Adam sucht Eva" spielen die nackten Halb- und Nicht-Promis mit grotesker Ernsthaftigkeit sämtliche mögliche Paar-Kombinationen durch. Ein Nackt-Catwalk-Workshop und ein Silikon-Imitate-Raten sorgen für kurzzeitige Ablenkung.

Fritz Wilhelm

Noch ist es bei "Adam sucht Eva" eher das Kommen-und-Gehen- als das Rein-Raus-Spiel. Aber, soviel sei schon jetzt verraten, das ändert sich am Freitagabend. Dann vereinen sich sportliches und – nunja – musikalisches Talent im Leuchtturm auf der Insel der Versuchung, die dann wohl in "Insel des Vollzuges" umbenannt werden müsste.

Bereits umbenannt wurde hingegen die Insel der Liebe, auf die sich Martin Kesici und Elisa zurückgezogen hatten. Ihr neuer Name: Insel der Trennung. Denn obwohl den beiden "sehr gutes Potenzial" zugesprochen hatte, reichte es nicht. Vermutlich brachte Martin und Elisa der erstmalige Anblick des jeweils anderen in Klamotten so durcheinander, dass sie sich weiterhin für ein Single-Dasein entschieden und mit getrennten Booten von dannen rauschten.

Tinos kurzes Intermezzo bei "Adam sucht Eva"

Im Gegenzug paddelte auf einer zerbrechlichen Holzkonstruktion der 50-jährige Dresdner Tino zu den verbliebenden Nackedeis. Melody Haase und Patricia Blanco enttarnten ihn dann auch aufgrund seines Dialekts recht schnell als die Person, die sie zuvor bei einem Blind-Date-Spiel nicht abgewählt hatten. Das Abwählen übernahmen dafür am nächsten Tag die anderen: bei der Abstimmung der männlichen Person, die umgehend die Insel verlassen sollte, fiel die Wahl auf ihn.

Daran konnte auch der am Vorabend von ihm mit den Insulanern durchgeführte Nackt-Catwalk-Workshop nichts ändern. Dass Tino sein diesbezügliches Können in der erworben hatte, dürfte ihm dabei allerdings zupassgekommen sein. Schließlich herrschte dort seinerzeit eine ähnliche Mangelwirtschaft wie in Sachen Bekleidung auf der Adam-sucht-Eva-Insel.

Wie viel wiegen Djamilas Brustimplantate?

Als zumindest für die Männer noch lehrreicheres Spielchen entpuppte sich das Möpse-Memory. Jeder Erwachsene, der beim Memory schon einmal gegen ein vierjähriges Kind verloren hat, weiß, wie schwierig das ist. Während sich die Männer mühten, passende linke und rechte Brüste zusammenzubringen, prüften Djamila Rowe ("Ich habe fünf Brust-OPs gehabt") und Melody Haase die abgebildeten Oberweiten auf ihre Echtheit. Für die Männer gab's dann gleich noch praktischen Bio-, oder besser Physikunterricht. Zunächst sollten sie das Gewicht von Djamilas Implantaten raten und durften diese anschließend auch anfassen – mal tastend, mal kraftvoll zugreifend. Wer das Memory-Spiel gewonnen hat, wurde im Übrigen nicht aufgelöst. Es hätte im Zweifel auch nur abgelenkt.

Denn schließlich muss ja noch geflirtet und gezickt werden, wenn man schon nackt auf einer Insel im Stillen Ozean hockt. Und das tun die Insulaner weiter mit einer ernsthaften Hingabe, dass es eine Freude ist. Hielt man früher homosexuellen Männern ihre Promiskuität vor, sehen diese im Vergleich zu den Adam-sucht-Eva-Teilnehmern plötzlich wie Waisenknaben aus. Denn die Nackedeis mögen vielleicht nicht die Anzahl der möglichen Paarungskombinationen mathematisch errechnen können. Sie unternehmen aber alles, es praktisch einmal vollständig durchzuspielen.

Nächtliche Spiele

Der Reihe nach: Christian, der zunächst Avancen gemacht hatte, hielt in der Nacht die Hand von Patricia und spielte ihr am Kopf rum. Djamila, der das nicht verborgen blieb, war enttäuscht, scheiterte aber aufgrund ihrer übermäßig aufgespritzten Lippen am Versuch, einen Schmollmund zu machen, und beschimpfte Christian stattdessen mehrfach als "Lappen". Außerdem unterstellte sie ihm, sich bewusst Frauen auszusuchen, "die in den Medien" sind. Nur zur Sicherheit: damit meinte sie sich und Patricia Blanco. Lappen Christian machte darauf hin seinem neuen Spitznahmen alle Ehre, heulte in ein Kissen und ließ sich von Patricia trösten.

Ebenso wechselhaft, aber noch offensiver treibt es Kiter Marius Hoppe. Die verliebten Blicke, die er mit der blonden Tatjana tauschte, waren umgehend vergessen, als ihm Susi-und-Strolch-mäßig einen Brocken Knuspermüsli eingeklemmt zwischen Ober- und Unterkiefer präsentierte und er diesen mit seinen Zähnen übernahm. Auch hier wurde in der Nacht nachgelegt. Erst spielten ihre Hände mit einander. Dann gleitete ihre Hand über seinen Waschbrettbauch. Dann platzierte er ihre Hand knapp oberhalb seines Schambereichs. Auf dem Laken natürlich. Daneben lag Tatjana, die aber am nächsten Tag mit Tino die Insel verlassen musste.


Damit ist der Weg frei für den angekündigten Koitis im Leuchtturm. Der einzige, der da noch etwas gegen machen könnte, ist Neu-Nackedei Bastian Yotta. Bei seinem Motto "Love attraction works everywhere" stellt sich unweigerlich die Frage, wie viele neue Paarkonstellationen sich mit ihm auf der Insel mathematisch eigentlich ergeben? Wer jetzt nicht rechnen mag, keine Sorge. Unsere Insulaner probieren die schon alle aus.

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo