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TV-Kritik

"Adam sucht Eva": Lieber Rotwein als ein Romeo für Patricia Blanco

Michael spricht von "Kindheitstrauma" und Todor vom gemeinsamen "Kacken" - wohl auch ein Grund, warum sein Date mit Patricia im Südseesand verlief. Im Adam und Eva-Paradies herrscht Drama pur.

Von Wiebke Tomescheit

Grollende Musik, finstere Mienen - im Südsee-Paradies ist offenbar das Drama ausgebrochen. Dabei begann doch alles ganz idyllisch auf dem Nackedei-Eiland. "Jeder hat ja irgendwie sein Ding", brummt der sonnenverschmorte Adonis Christian weise in die Jungsrunde, die am Strand vor sich hin lümmelt. Die Damen aalen sich ihrerseits in der Sonne. Bis ein Bote mit einer "Challenge" eintrifft und alle sich eifrig um Möchtegern-Rocker scharen, der die Botschaft verlesen darf.

Patricia Blanco braucht einen Adam 

Es sei an der Zeit, dass den richtigen "Adam" finde, verkündet der. Patricias Blick spricht Bände. Die bisher anwesenden Herren scheinen ihr nur bedingt zu gefallen.  Die Glückliche darf sich ihren potenziellen Traummann aus drei Anwärtern herauspicken. Neuzugang Djamila Rowe unterstützt sie dabei mental. Denn: "Zwei Frauen sind besser wie eine", sagt Patricia. Und: "Ich hatte noch nie drei Männer in meinem Leben!"

Mit Djamila darf sie eine Insel-Version von "Herzblatt" spielen, bei der die drei Kandidaten in einer Art hölzernem Dixi-Klo verborgen sind. Die Herren beantworten brav, aber mäßig eloquent, Patricias Fragen.

Ein Kandidat feiert gerne und "trinkt dann auch mal einen über den Durst", verrät er. "Ist'n Säufer, kannste gleich nach Hause schicken", sagt Djamila wissend und winkt ab, während sie zum Sektglas greift uns nippt. Sie sagt permanent herrlich skurrile Dinge. Am Ende wählt Patricia einen tätowierten Muskelmann, mit dem sie eine Nacht auf der romantischen Nachbarinsel verbringen soll.

Entpuppt sich Todor als Patricias Traummann?

Dass Michael, Martin und Christian zwischendurch putzige Sportübungen machen (mussten), war sehr offensichtlich reine Taktik von RTL, um ein paar ebenfalls eher putzige Schniedelwutze wackeln zu sehen. Beim Hampelmänner-Hüpfen winkt dann sogar Rocker Kesici ab - selbst ihm ist das zu unwürdig. Generell hat es etwas Rührendes, den Kandidaten und Kandidatinnen dabei zuzusehen, wie sie von Liebe faseln und mit heiligem Ernst die ihnen gestellten Aufgaben analysieren und angehen. Während sie dabei mit Popos, Brüsten und Penissen wackeln.

Inzwischen paddelt der muskulöse Todor, Patricias neuer "Adam", auf einem Floß zur einsamen Insel hinüber. Dort werden die beiden sich zum ersten Mal sehen. Der Macho lebt seit 17 Jahren in Hamburg, hat aber noch einen bulgarischen Akzent, der so dick ist wie seine tätowierten Oberarme. "Ich finde gut, wenn sie hat große Titten", philosophiert er über seine bevorstehende Begegnung mit Patricia.

Todors Aura: "Lass uns kacken"

Am weißen Strand begegnen sich die beiden dann. Patricia blinzelt ihren Adam herzerweichend an, sagt irgendwas von "Aura" und RTL legt zarte drunter. Die haben wohl vergessen, dass wir Zuschauer gerade eben noch Todors Ausführungen über Titten und Ärsche mithören durften und die Romantikkeule jetzt doch etwas überraschend kommt. Naja. "Lass uns kacken", sagt Todor, und Patricia versteht, was er eigentlich meint und übersetzt: "Genau, lassen wir‘s krachen!"

Schon bald buhlt der burschikose "Adam" um Frau Blanco. Oder auch nicht.

"Bist du romantisch?", fragt sie ihn beim Sektschlürfen.
"So - so", ist Todors wortgewandte Antwort.
"Ah, okay", sagt Patricia.

Bei der romantischen Ölmassage klapst er ihr lieber auf den Po als sanft zu streicheln, beim Candlelight-Dinner echauffiert sich die Angebetete niedlich über seine fehlenden Tischmanieren. Kurz: Der Typ ist eine Vollkatastrophe. Patricia ist klug und verbringt die Nacht getrennt von Todor, mit einer Flasche Rotwein im Arm.

Zoff im Inselparadies von "Adam sucht Eva"

Bei den restlichen Nackedeis knirscht es derweil im Gebälk. Es geht um den ungelenken Michael. "Ich glaub, den bedrückt was", unkt Melody. Djamila schiebt die Laune des Saarländers auf die Gesamtsituation. Haarscharf daneben. "Ich halt' das unmöglich drei Wochen aus. Da staut sich alles an!", erklärt Michael seinen Geschlechtsgenossen. Und meint damit seinen Samen. "Er ist halt'n Hallodri", schlussfolgert Martin Kesici sachlich.

Der sportliche Christian schmachtet derweil die brünette Melody an. Promi-Luder Djamila gibt die Therapeutin und hört sich geduldig sein Leid an. Zwischendurch tut sie, was sie am besten kann: Abwechselnd unglaublich absurde und sehr weise Dinge sagen. Mit ihrer bekloppten Unberechenbarkeit reichert die schmollmündige Diva die Nacki-Show mit ordentlich Unterhaltungswert an.

Michael beruft sich auf "Kindheitstrauma"

Christian ist also betrübt. Und Michael ist genervt - von der rothaarigen Lisa. "Die beleidigen sich beide so schlimm", fasst Melody das Problem empört zusammen. Der Konflikt ist für den geneigten Zuschauer nicht leicht zu durchschauen. Es hat irgendwas mit einem Leuchtturm und Martin Kesici zu tun, offenbar hält Michael Lisa für "die größte *Pieps*" ( ließ uns nicht wissen, was genau) und ist dennoch sichtlich eifersüchtig. Rocker Kesici gefällt Michaels Vokabular gar nicht: "Noch ein Ausdruck!", warnt er den Jüngling grollend und schwingt ein Stück Treibholz.

Michael wischt sich daraufhin vor der Kamera Tränchen ab und beruft sich auf "ein Trauma in der Kindheit". Herrje. Man ist fast froh, als Patricia und Todor wieder mit der restlichen Gruppe vereint werden und vom langweiligen Liebeskummer der Herren ablenken. Das Gute: Einer von ihnen soll in der nächsten Show rausgewählt werden. Sorry, Jungs - verdient. 

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