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TV-Kritik

"Adam sucht Eva": Männer, die auf Busen starren

Nachschub bei "Adam sucht Eva": Djamila Rowe kommt auf die Insel und erweckt primitive Männerklischees zum Leben. Wollen Kerle wirklich nur das eine? Ja!

" , … diese schrecklichen haarigen Biester, die alles antatschen müssen. Dabei wollen sie alle nur dasselbe von einem Mädchen." Das Zitat aus Billie Wilders Komödienklassiker "Manche mögen's heiß" hat auch knapp 50 Jahre nach seiner Erstausstrahlung kaum an Wahrheitsgehalt verloren. Die Kerle sind zwar nicht mehr so haarig wie früher, sondern intimrasiert, doch getätschelt wird immer noch ganz gerne. Vor allem wenn sie, wie es "Adam sucht Eva"-Kandidat Michael ausdrückt, "Samenstau" haben.

Tag drei auf der Nackedei-Insel und der 23-jährige Dachdecker aus dem Saarland - Assoziationen mit einem ehemaligen Staatschef der DDR sind rein zufällig - ist verzweifelt. Am liebsten würde Michael die sozialistische Republik Bunga-Bunga ausrufen, denn Elisa raubt ihm den Verstand. "Sex wäre der Wahnsinn, weil langsam bekomme ich hier echt Samenstau", diagnostiziert er und träumt von Sunshine Reggae unter Palmen.

Dachdecker Michael träumt bei "Adam sucht Eva" von Sunshine Reggae unter Palmen

Würde gern, darf aber nicht: Dachdecker Michael träumt bei "Adam sucht Eva" von Sunshine Reggae unter Palmen


"Adam sucht Eva" - das Paradies auf Erden?

Was ihm an Elisa gefällt? Ganz klar: die inneren Werte. Michael ist fasziniert davon, dass die feuerrotgefärbte Versicherungsangestellte aus Berlin nicht nur auf Vorsorge steht, sondern auch gerne mal ein Risiko eingeht. Sie kann sich vorstellen, in einer offenen Beziehung zu leben. Für den kleinen Michi klingt das wie das Paradies auf Erden. Blöd nur, dass Elisa schon auf der Insel nach anderen Ausschau hält.

Die 29-Jährige steht - warum auch immer - auf Martin Kesici. Beim Zopfflechten (die Friseurinnung hätte es nicht besser scripten können) kommen sich die beiden Langhaarträger näher. Das passt Saarland-Michi gar nicht, doch Rettung naht. Djamila Rowe wird auf die Insel gespült und bringt ein vielversprechendes Motto mit: "Einmal Luder, immer Luder - ich zeige den jungen Hühnern heut mal wieder, was die Mutter aller Luder so drauf hat."

Und es wird noch besser. , die als Botschaftsluder in die Annalen der Berliner Republik eingegangen ist, verkündet, sie habe seit 2008 keinen Sex mehr gehabt. Spätestens jetzt möchte der kleine Michi ganz schnell aus dem Bällebad abgeholt werden. "Auf alten Pferden lernt man gut reiten", sagt er und liefert damit seinen Beitrag zur Sexismus-Debatte. Da kann selbst Luder Rowe nur pikiert mit dem Kopf schütteln. "Also bitte Leute", sagt sie in die Kamera.

"Adam sucht Eva" ist die "Coupé" der Dating-Show

Nicht der Kopf, sondern die Hormone entscheiden auf der Insel. Das Flirt-Niveau ist auf Stufe Ballermann angekommen. Dabei herrscht seit dem Abgang von Augenweide Timur Ülker und Bärchen Konrad Frauenüberschuss. Doch auch die Damen überzeugen nicht durch Tiefgang. Während Rowe sich über den fehlenden Luxus auf der Insel aufregt ("Das ist hier wie im Mittelalter") und von Boxspringbetten und Marmorbädern träumt, lechzen Patricia Blanco und Melody Haase nach Frischfleisch. Und das bekommen sie.

"Der neue Adam sieht aus wie aus der Parfümwerbung", schwärmen sie über Tennislehrer Christian aus Freiburg. Der gut gebaute Single sorgt für Zoff und Eifersüchteleien unter den Männern. Bei Michael reift die Erkenntnis, dass er vermutlich gar nichts "antatschen" darf und er betet für neue Evas. Vergebens, stattdessen wird noch ein Adam kommen - und der Frust noch größer.

Schon nach drei Tagen verkommt die Nackt-Kuppelshow zur hormongesteuerten FKK-Soap. Dabei ist Hollywood-Proll Bastian Yotta noch nicht mal auf der Insel angekommen. "Adam sucht Eva" ist die "Coupé" der Dating-Shows: Statt um Liebe und Romantik geht es um Sex und Fummeleien - so wie die harmlosen Sexfilmchen aus den 70er-Jahren, in denen Sascha Hehn mitgespielt hat. Gut? Nö. Aber doch irgendwie unterhaltsam.


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