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TV-Kritik

"Adam sucht Eva": Die Geilen und das Kopfkino

Bei "Adam sucht Eva" spielt ein Verzweifelter den Schwulen, während die Paradiesvögel sich allenthalben verlieben. Und auch sonst mussten sich die Zuschauer wieder auf nackte Tatsachen, peinliche Momente und jede Menge Klischees gefasst machen.

"Adam sucht Eva": Diese Promis lassen in der Datingshow die Hüllen fallen

"Adam sucht Eva" ist ja die ungezogene Schwester der aktuellen Sexismus-Debatte. Während sich die ARD sogleich entschuldigen muss, weil sie bei Anne Will und nämlichem Thema ein wenig zu lang und zu offensichtlich die Beine der Verona Pooth abgefilmt hat, kann hier noch jeder ungezügelt seine dunkle Seite ausleben. Auch bei Twitter. Niemand moralisiert da herum, keiner shitstormt auf den Sender ein! Und jeder kann nach Herzenslust über "ausrangierte Hüftspeckgirls" lästern, über "potente Pimmelträger" und natürlich: über Schwule.

Also: Nicht, dass die bei RTL jetzt was anderes als Heteros in ihr Südseeparadies eingeladen haben – soweit kommt's noch! Aber bevor erwartungsgemäß Michael gehen muss, weil er, wie Martin so treffend sagt, "ein wenig zu verzweifelt" rüber kommt, vorher also bekommt er nochmal einen großen Auftritt. Statt Geschlechtsverkehr, quasi. Melody schminkt ihn. Und natürlich denkt der Michael dann sofort, dass die Leute denken könnten, er sei "schwul". Oder, noch schlimmer, wie ihm scheint: "eine Transe". Ist er natürlich nicht, weder das eine, noch das andere. Aber hier kriegt er eh keine Frau mehr ab, und Schwule haben es bei Frauen ja immer leichter, weiß man, und da kann er vielleicht noch "beste Freundin" werden. Hihi! Nur ja kein Klischee auslassen! Immerhin: er empfindet das Dasein als geschminkter Mann, dann doch als "sehr angenehm". Und sich selbst "gleich viel schöner". Wer hätte das gedacht? Ist also doch nicht alles verkehrt, an diesen Schwulen. Vielleicht gibt es dann sogar mal eine "Adam sucht Adam"-Show, oder sogar was noch wilderes, mit Bisexuellen und Polyamoren oder so.

"Adam sucht Eva"-Nackedeis unter sich: Marius, Tatjana, Todor und Melody (v.l.n.r.)

"Adam sucht Eva"-Nackedeis unter sich: Kaum ist die neue Eva Tatjana (2. v.l.) in der Südsee gestrandet, springt Todor (3. v.l.) direkt auf sie an. Auch Melody Haase (r.) hat auf Anhieb Gefallen gefunden. Und zwar an Marius Hoppe (l.)

"Adam sucht Eva": Passiert ist nichts – außer im Kopfkino

Ansonsten aber ist jetzt immer nur noch von Liebe die Rede. Weil: Nachdem Patricias mit Todor "das schlechteste Date ihres Lebens" erlebt hat, ein völliges Desaster ohne Tischmanieren also, und sie nun doch lieber Christian gehabt hätte, den Tennislehrer – jetzt also findet sich sowohl für ihren schon als schwer vermittelbar geltenden Todor als auch für Melody adäquates Frischfleisch. Der Taubenzüchter mit bulgarischem Migrationshintergrund nämlich wanzt sich gleich an Tatjana heran, die sich selbst "ehrlich, freundlich und fleißig" findet – also für eine "gute Frau" hält. Nur soviel zum Thema: weibliches Selbstverständnis! Die Nürnbergerin aus der Ukraine sucht einen Mann, der einen großen Schwanz hat und auch sonst "stark", aber auch "freundlich und spontan" ist. Mit Klamotten hätte sie sich irgendwie sicherer gefühlt, denkt sie sich jetzt plötzlich, aber immerhin erklärt sie dann: "Ich bin sehr interessiert". Also: an Todor. Und er hat sie ja eh gleich schon "abgecheckt".


DSDS-Sternchen Melody wiederum ist scharf auf den neuen Promi-Adam Marius, 24, der nebenbei einer der weltbesten Kite-Surfer ist und auf Teneriffa lebt. In der letzten Staffel hat es ja ganz gut geklappt, mit der attraktiven Surferin – Janni Hönscheid hat mittlerweile ein Kind von ihrem Adam Per Kusmagk. Also haben sie jetzt wieder einen nach dem allgemeinen Geschmack sehr attraktiven Wassersportler eingekauft. Außerdem findet er "das mit den Nackten geil". Er hat immer gute Laune, ein Sixpack, weder untenrum noch auf der Brust ein Haar und schon gar keinen Bart, aber auch keine Tattoos, weil die ja schon sehr großzügig auf der Insel vertreten sind. Er ist einer, mit dem Melody "arbeiten" kann, wie sie sogleich erklärt, und er macht sie auch gleich ganz wuschig, sie schlafen auch gleich nebeneinander. Nicht mit-! Weil die Sendung ja nicht erst frei ab 18 ist, passiert da natürlich nix, also: außer in ihrem Kopfkino. Dabei hat sie eben noch gesagt, es fiele ihr schwer, nicht an Sex zu denken. Sind halt nicht immer nur die Männer raschelig.

Es muss vibrieren, sonst ist es nichts

Auf der Insel der Liebe eingezogen sind derweil der Rocker Martin und Versicherungsmitarbeiterin Elisa. Und gleich ist von Heiraten und Kinderkriegen die Rede! Also: sie hat schon eines, und er ist so einer, bei dem es sich eben "nie ergeben" hatte. "Aber mit der richtigen Frau hätte ich da total Bock drauf" – gut, dass sie 17 Jahre jünger ist als er. Bei den Sextoys aber ist er ein wenig verklemmt, sie indes akzeptiert nur, was vibrieren kann. Alles andere "kann nix". Kuscheln tun sie dann aber doch gleich, was ihm "ein Gefühl der Freiheit" vermittelt. Der Musiker und Radiomoderator kann das nur schwer in Worte fassen. Findet dann aber doch welche: "Einfach geil". 

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