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"American Horror Story" startet im Free-TV Der Gummimann vom Dachboden


Heute startet auf Sixx die US-Serie "American Horror Story". Sie ist gruselig, sexy, spannend bis zur letzten Minute - und sollte besser nicht allein angeschaut werden.
Von Christoph Fröhlich

Familie Harmon aus Boston hat dringend einen Tapetenwechsel nötig: Schon lange kriselt es in der Ehe zwischen Psychiater Ben (Dylan McDermott, "Practice") und seiner Frau Vivien (Connie Britton, "Friday Night Lights"). Nachdem Vivien eine Fehlgeburt erlitten hat, flüchtet sich Ben in eine Affäre mit einer seiner Studentinnen - und lässt sich auch noch in flagranti erwischen. Um dem Familienglück eine zweite Chance zu geben, entscheiden sich die Harmons für einen Neuanfang - und ziehen mit Tochter Violet (Taissa Farmiga) von Boston nach Los Angeles. Das neue Heim wird ein riesiges Herrenhaus in bester Lage, mit Garten, Kamin und alten Tiffany-Lampen - und das auch noch zu einem unglaublich günstigen Preis. Das Glück scheint perfekt. Doch die Harmons ahnen nicht, dass sie nicht die einzigen Bewohner des Hauses sind.

Ungebetene Besucher

Schnell häufen sich die Merkwürdigkeiten in der Villa: Verdächtig oft knarksen die Türen, immer mehr skurrile Figuren tauchen in der Eingangshalle der Harmons auf. Da ist die alte, einäugige Haushälterin Moira (Frances Conroy, bekannt aus "Six Feet Under"), die Ben und allen anderen Männern als junge, attraktive und sexuell nimmersatte Nymphe (Alexandra Breckenridge) erscheint. Dann taucht Larry (Denis O'Hare) auf, ein entsetzlich entstellter Mann mit halb verbranntem Gesicht, der von Ben 1000 Dollar für zweifelhafte Dienste einfordert. Und wenig später steht auch noch Bens Affäre unangemeldet vor der Tür.

Das Haus steckt voller Rätsel: Wieso scheint die alte Nachbarin mehr über das Haus zu wissen, als sie zugibt? Und warum hängt ein Ganzkörper-Gummi-Anzug auf dem Dachboden? Spätestens als ein stummer Fremder in jenem Anzug im Haus auftaucht, wird dem Zuschauer klar: An diesem Ort sind unheimliche Kräfte am Werk. Auch den Harmons wird allmählich bewusst, dass die Villa eine finstere Vergangenheit hat.

Wie viel Horror passt in ein Haus?

12 Folgen mit acht Stunden Spielzeit dauert es, bis das Schicksal der Harmons erzählt ist. Obwohl die Geschichte an altbekannte Horrorfilme wie "Poltergeist", "The Amityville Horror" oder "The Others" erinnert, bleibt sie durchweg spannend: Bereits in der ersten Folge werden so viele Fragen aufgeworfen, dass der Zuschauer einen ähnlichen Sog zum Weitergucken verspürt, wie ihn Erfolgsserien a la "Lost", "True Blood" oder "Homeland" auslösen. Das liegt nicht nur an den hervorragenden Schauspielern - Jessica Lange gewann für die Rolle der benachbarten Südstaatendame den Satellite Award und den Golden Globe -, sondern auch an den verstörenden Bildern. Die Kameraeinstellungen sind oft schief und verwackelt, was den morbiden Charme der Horrorvilla verstärkt.

Die Köpfe hinter "American Horror Story" sind Ryan Murphy und sein Co-Autor Brad Falchuk. Aus ihrer Feder stammen auch die Musicalfernsehserie "Glee" und die Dramaserie "Nip/Tuck". Mit "American Horror Story" betreten die alten Hasen des TV-Geschäfts aber Neuland: Mit Geschick meistern sie den Spagat zwischen dem Grusel im Haus und dem Horror einer gescheiterten Beziehung. Nicht die paranormalen Aktivitäten stehen im Mittelpunkt, sondern die alltäglichen Probleme einer Beziehung, die auf Scham und Schweigen basiert: Um seiner Familie eine zweite Chance zu geben, muss Ben seiner Frau immer größere Lügen auftischen, um seine umtriebige Vergangenheit geheim zu halten. Gleichzeitig entdeckt er auch völlig neue Seiten an sich selbst, die nicht nur ihm Angst machen.

In seiner Serie gehe es "um Sex, Untreue und unsere Urängste", sagte Murphy dem stern TV Magazin. Die Zuschauer sollen sich mit den Opfern identifizieren können, der Grusel bleibt meist subtil: "Ich liebe Horror, aber mit blutigen Filmen kann ich nichts anfangen." Oft reicht schon eine zuknallende Tür oder ein vorbeihuschendes Etwas, damit sich beim Zuschauer die Nackenhaare aufstellen. Wenn die Situation dann doch einmal eskaliert, geht Murphy aber alles andere als sparsam mit dem roten Lebenssaft um.

Geisterstunden im TV

Auch Menschen, die sonst nicht viel für Gruselfilme übrig haben, könnten Gefallen an "American Horror Story" finden. Fans wie Kritiker feiern die Serie als gelungenes Experiment: Auf IMDB (Internet Movie Database) hat die Serie eine durchschnittliche Bewertung von 8,4 von zehn möglichen Punkten bei mehr als 55.000 Bewertungen. Damit spielt die Serie in einer Liga mit Mystery-Größen wie "True Blood" oder "Fringe". Die "Washington Post" bezeichnete "American Horror Story" als "tief verstörende Adrenalin-Attacke". Emily Nussbaum vom "New York Magazine" schreibt: "Ich habe gelacht und gekeucht. Die Serie kann lächerlich sein, aber die gezeigte Erniedrigung und Panik fühlt sich echt an."

Der Erfolg in den USA war so groß, dass die zweite Staffel nicht lange auf sich warten ließ. Sie spielt in einer US-Nervenheilanstalt der 60er Jahre, einige Darsteller der ersten Staffel sind wieder mit an Bord, spielen aber völlig neue Rollen. Ein gewagtes Konzept, das funktioniert. Die dritte Staffel ist bereits angekündigt, das Setting ist aber noch nicht bekannt. Es wird aber wie in der ersten Geschichte wieder in der Gegenwart spielen.

Sixx zeigt die erste Staffel jeden Donnerstag (Beginn: 7. März) ab 22.30 Uhr.


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