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"Das perfekte Model": Eva und der Sündenfall

Sie wollen besser sein als Heidi Klum: Eva Padberg und Karolina Kurkova suchen seit Dienstagabend "Das perfekte Model". Doch die Alternative zu "Germany's next Topmodel" verkommt zum drögen Abklatsch. Dabei hat Padberg das Zeug zur besseren Modelmama.

Von Jens Maier

Es ist ein Déjà-vu: Hunderte Frauen stehen kreischend in einer Halle in Köln. Alle sind schlank. Alle sehen gut aus. Und alle machen sich Hoffnungen darauf, ein Topmodel zu werden. Um im offenen Casting weiterzukommen, müssen sie "Competition machen". Sie müssen "mehr Drama" zeigen als alle anderen. Und am Ende des Tages werden Tränen fließen. Jetzt fehlt eigentlich nur noch der Auftritt von Heidi Klum, die fiepsend zur Musik von Noch-Ehemann Seal "die Mädchen" begrüßt. Doch stattdessen kommen da plötzlich zwei ganz andere angefahren. Auf dem Fahrrad.

Eva Padberg und Karolina Kurkova suchen seit Dienstagabend auf Vox "Das perfekte Model". Die Casting-Show ist als Konkurrenz zu Heidi Klums "Germany's next Topmodel" konzipiert - und will doch ganz anders sein. Mehr vom "echten, harten Business" will Padberg zeigen, aber trotzdem "weniger böse" sein. Wie das gehen soll? Nicht die Kandidatinnen, sondern die beiden Jurorinnen sollen zu Konkurrentinnen werden. Padberg und Kurkova müssen sich für je zehn Schützlinge entscheiden. In insgesamt fünf Sendungen treten sie dann mit ihren Gruppen gegeneinander an, um am Ende die Gewinnerin zu küren. "The Voice" lässt grüßen.

Halbnackte Models auf dem Laufsteg

Doch das Duell der Supermodels gerät in der ersten Sendung nicht zum Kampf der Gladiatoren, sondern der Plagiatoren. Denn die Aufgaben sind genau die gleichen wie bei Klum. Oder um es auf den Punkt zu bringen: genau so blöd. Um in die nächste Runde zu kommen, müssen die Kandidatinnen Fotoshootings zum Thema "Die sieben Todsünden" über sich ergehen lassen. Sie posen als "Völlerei" mit Truthahnschenkeln oder formen als "Wolllust" einen Modelhaufen. Nur Lust, die will dabei nicht recht aufkommen. Sie müssen vor Kurkova und Padberg auf dem Laufsteg bestehen - teilweise auch halbnackt, versteht sich, während die Zuschauer mit rührseligen Homestorys aus dem Leben der Möchtegern-Models eingelullt werden: Die eine hatte einen Motorradunfall, die andere wird von ihrem Mann unterdrückt. Gähn.

Was aber noch viel schlimmer ist als die sich einstellende Langeweile: Einige der Kandidatinnen werden gnadenlos vorgeführt. Während Kurkova abfällig zu Padberg guckt, werden Frauen über den Laufsteg gejagt, die zu mollig, zu ungelenk oder schlicht und ergreifend zu hässlich für den Model-Job sind. Eine "gewisse Fehleinschätzung" liege bei manchen vor, heißt es. Dabei hatte Kurkova doch versprochen: "Uns sagt keiner vom Sender: Ihr müsst böse sein." Trotzdem wird das Fremdschämen nach dem Bohlen-Prinzip zum Bestandteil der Show, die damit alle Klischees vom hässlichen, knallharten und oberflächlichen Modelbusiness erfüllt und noch mehr fragwürdige Size-Zero-Vorbilder für junge Mädchen liefert. Pfui.

Eva Padberg überzeugt als Modelmama

Warum der "Germany's next Topmodel"-Abklatsch am Ende doch erträglicher ist als das Original? Vor allem wegen Eva Padberg. Sie ist die Modelmama, die Heidi Klum niemals sein wird. Weil Padberg sich nicht als Star inszenieren lässt. Die 32-Jährige kommt ohne "Für dich habe ich leider kein Foto"-Tiraden und ohne No-Name-Juroren aus. Sie muss nicht im Licht ihrer Untergebenen glänzen und wird nicht eingeflogen, während andere zuvor die Drecksarbeit gemacht haben. Sie schreit nicht wie Kurkova "meine Frisur wird zerstört", wenn sie sich beim Fotoshooting auf den Boden legt. Stattdessen wirkt das Model aus dem thüringischen Bad Frankenhausen wohltuend normal und auf dem Boden geblieben. Wie eine, die auch mal in Jogginghose und ohne Schminke beim Bäcker Brötchen holen geht. Das Mädchen von nebenan. Wow.

Padberg überzeugt in der Rolle der Arbeiterin im Dienste von Schönheit und Ästhetik. Das Show-Konzept vermag das bislang leider nicht. "Das perfekte Model" macht nichts grundlegend anders als "Germany's next Topmodel", hinterlässt wie das Original mit billiger Effekthascherei den faden Beigeschmack, dass es in Wahrheit nicht um ein neues Supermodel, sondern nur um Quote geht. Die Chance, eine anspruchsvolle Alternative für alle Klum-Geschädigten zu sein, wurde vertan. Schade.