HOME

ARD-Film: "Die Dasslers" – eine packende Familiensaga samt Sportgeschichte

Gleich zwei Sender haben die Entstehung von Adidas und Puma verfilmt. Während RTL auf die frühen Jahre setzte, zeigt der ARD-Zweiteiler "Die Dasslers" auch jene Entwicklung, die zur Sommermärchen-Affäre führte.

Die Dasslers

Die Geschwister Adi (Christian Friedel, l) und Rudi (Hanno Koffler) in einer Szene des ARD-Films "Die Dasslers - Pioniere, Brüder und Rivalen".

Die gemeinsame Leidenschaft für den perfekten Schuh schweißt Adi und Rudi Dassler in jungen Jahren zusammen, doch lange hält die traute Bruderschaft nicht. Wenn es um Geld und Macht in der eigenen Schuhfabrik geht, hört die Liebe für die beiden äußerst ehrgeizigen Männer auf. Am Ende steht eine auf Generationen zerstrittene und tief gespaltene Familie – und die Geschichte zweier Weltkonzerne: Adidas und Puma. Nach RTL (Karfreitag 2016) hat sich nun auch die ARD der reizvollen Geschichte angenommen und aus den wahren Begebenheiten ein tiefgründiges Familienepos gemacht. Der Zweiteiler "Die Dasslers – Pioniere, Brüder und Rivalen" läuft ein Jahr später, ebenfalls am Karfreitag (20.15 Uhr, zweiter Teil Karsamstag).

Auch wer die Familiensaga aus dem kleinen fränkischen Herzogenaurach bereits aus dem RTL-Werk kennt, kann trotzdem noch einmal einschalten. Denn die Regisseure Cyrill Boss und Philipp Stennert ("Neues vom Wixxer") setzen in ihrem Film andere Schwerpunkte, auch wenn Ähnlichkeiten zwangsläufig nicht ausbleiben. Zwar sind die Rechercheteams von RTL und ARD mit erstaunlicher Regelmäßigkeit auf den gleichen Nenner gekommen – beziehungsweise gegen die gleichen Mauern gestoßen: So werden etwa die gleichen Sachverhalte im Vagen belassen, die Charakter sind recht ähnlich gezeichnet. Doch die ARD legt ihren Zweiteiler mit 180 Minuten Gesamtlänge umfassender an.

"Die Dasslers" beginnt, wo "Duell der Brüder" aufgehört hat

Die erste Szene spielt zu einem Zeitpunkt, bis zu dem die RTL-Version "Duell der Brüder" nicht gekommen ist: Es ist in den 70er-Jahren, als Rudi Dasslers Tod absehbar ist. Er liegt im Sterben, doch davon will sein Bruder Adi nichts wissen. "Wir haben seit 26 Jahren nicht mehr miteinander geredet", kommentiert er kühl, als er von der Nachricht hört, dass sein Bruder eine Lungenblutung hatte. "Er braucht keinen Bruder. Er braucht einen Arzt", schließt er – und wendet sich wieder seiner Arbeit zu, dem Stollencheck bei den Fußballschuhen.

Die Frage, ob es eine Aussprache nach 26 Jahren unmittelbar vor dem Tod Rudis noch gegeben hat, bildet die Klammer um die packende Story.
Dazwischen stecken jede Menge Erfindungen, Streitereien, die Nazi-Herrschaft, der Zweite Weltkrieg, Machtkämpfe, Misstrauen, Verrat und schließlich der große Knall: Aus den verbissenen Brüdern und Pionieren ihrer Zeit – Adi (Christian Friedel), einem introvertierten, aber handwerklich-kreativen Tüftler, und Rudi (Hanno Koffler), einem Menschenfänger und charismatischen Verkaufsstrategen – werden erbitterte Feinde.

FIFA-Korruption und Sommermärchen-Affäre

Hier hört die Geschichte noch nicht auf. RTL konzentrierte sich lediglich auf die Anfänge der Marken Adidas und Puma, erzählte chronologisch und wertete die Charaktere mehr: Rudi, der bad boy, Adi, der good guy. Die ARD beleuchtet dagegen auch die deutsche Nachkriegsgeschichte, den Aufstieg der beiden Firmen zu Weltkonzernen und die Zerwürfnisse zwischen den Söhnen, Horst (Oliver Konietzny) und Armin (Rafael Gareisen), nach dem Abtreten der jeweiligen Firmenpatriarchen aus der ersten Dassler-Generation.

Dass darüber hinaus die Ursprünge des Sportmarketings beziehungsweise der Korruption im Sportgeschäft gezeigt werden, verleiht dem Film die aktuelle Note in Zeiten von FIFA-Korruption und Sommermärchen-Affäre, die im vergangenen Jahr hochkamen. Dazu bleibt der Film den Charakteren gegenüber ohne jede Heldenverklärung ausgeglichener, ein Urteil bleibt dem Zuschauer überlassen.

Konkurrenz als Motor für den weltweiten Erfolg

In ihren Altersrollen brillieren über einen Bogen von rund 50 Jahren nicht nur Friedel und Koffler, sondern auch Adis Frau Käthe (Alina Levshin) und Rudis Frau Friedl (Hannah Herzsprung), wozu nicht zuletzt die ausgezeichnete Maske beiträgt.

So zeigt "Die Dasslers" nicht nur die emotionsgeladene Biografie einer ehemals harmonischen Familie inmitten der deutschen Kriegs- und Nachkriegsgeschichte. Es wird vielmehr auch deutlich, dass der legendäre und erbittert geführte Konkurrenzkampf zwischen den beiden Dassler-Dynastien zugleich Motor für den weltweiten Erfolg der beiden Marken Adidas und Puma war. Heute sind die beiden Konzerne nicht mehr in Familienbesitz. 


Teresa Tropf, DPA