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"Das Duell um die Welt" Luke Mockridge hat Todesangst, Joko und Klaas haben Schadenfreude. Ist das lustig? Ja!

Luke Mockridge hat Todesangst - und Joko und Klaas haben Schadenfreude
Luke Mockridge hat Todesangst - und Joko und Klaas haben Schadenfreude
© ProSieben
Der Titel sagt es schon: In "Das Duell um die Welt" reisen Promis um den Globus, um sich für Joko und Klaas skurrilen Aufgaben zu stellen. Muss das zur Corona-Pandemie wirklich sein? Unsere Autorin hatte Zweifel – und wurde überrascht.

Ich muss gestehen: Ich war bisher kein großer Fan von Formaten wie "Das Duell um die Welt". Muss man wirklich Grenzen überschreiten, mit Ängsten spielen und sich und anderen Schmerz zufügen, um für vermeintlich gute Unterhaltung zu sorgen? Und muss man, wenn man mal an den Klimawandel denkt, dafür auch noch um die Welt reisen? Totaler Quatsch. So dachte ich bisher.

Nach der neuesten Ausgabe hab ich meine Meinung zumindest für einen Moment geändert und kann nur sagen: danke für die gute Unterhaltung, Joko und Klaas! Luke Mockridge wird aus einem Flugzeug gehängt und denkt er muss sterben; Ralf Moeller muss sich mit Kochsalzlösung Hamsterbacken spritzen lassen: völlig sinnfrei und eigentlich richtig bescheuert? Auf jeden Fall. Aber genau das, was die TV-Welt gerade gebraucht hat.

"Das Duell um die Welt" während der Corona-Pandemie – geht das?

Zu Beginn gab es allerdings noch andere Zweifel: Können bei so einer Show die aktuellen Hygiene-Maßnahmen in der Corona-Pandemie überhaupt eingehalten werden? Wenn Stars um die Welt reisen? ProSieben machte auf Twitter deutlich: "Alle Reisen fanden vor der Pandemie oder im Sommer statt, als Reisen in Europa wieder möglich war. Die Duelle wurden unter den zum Zeitpunkt der Produktion geltenden Reise-, Hygiene- und Sicherheitsbestimmungen realisiert."

Mein erster Gedanke: Wir Nicht-Promis verzichten auf Urlaubsreisen und die Promis sehen sich für die Show mal wieder die Welt an? Ungeil. Der zweite Gedanke: Na ja, so sieht man zumindest mal wieder was von der Welt. Hauptsache die Unterhaltung stimmt. Im Studio saß wegen der Hygiene-Maßnahmen auch nur ein einziger Zuschauer. Es wurde klar: Man versuchte, sich komplett an die Vorgaben zu halten. Während der Live-Show wurde sich allerdings ganz schön oft betätschelt, Moderatorin Jeannine Michaelsen, Joko und Klaas kamen sich immer wieder nah. Aber genau dieses Vergessen der aktuellen Umstände sorgte für beste Zerstreuung und Spaß. Wenn auch mit einem schlechten Gewissen. Ein bisschen zumindest. 

Luke Mockridge hat Todesangst – Joko und Klaas haben Schadenfreude

Wenn man aber mal von dem ganzen Drumherum absieht, gab es am Ende eins: richtig gute Unterhaltung und perfekte Zerstreuung. Und dazu hat vor allem Luke Mockridge beigetragen. Der war mir bisher eigentlich immer zu albern, zu plump, zu wenig zynisch. Doch genau das haben sich Joko und Klaas zunutze gemacht und zeigten mal eine andere Seite: Sie forderten dem Comedian alles ab, um ihm sein Lachen zu klauen und mal eine andere Seite zu zeigen. Jokos Plan: Er wollte Mockridges Lachen Klaas schenken. Denn der ist die meiste Zeit alles andere als gut drauf. Das bestätigt der sogleich: Hätte er durchgemacht, was Luke durchmachen musste, hätte er schon "drei Leute erwürgt", sagte Klaas.

Mockridge dagegen nahm es lachend hin, dass er auf ein Autodach geschnallt durch den Regen Tschechiens fahren musste, in der Nacht Gazpacho ins Gesicht geworfen bekam, mit einem Viehtreiber geweckt wurde und aus 2000 Metern Höhe aus einem Flugzeug gehängt wurde - wie ein lebendiger Werbebanner. Damit aber nicht genug: Als er dachte, die Aufgabe sei damit erledigt, ging es erst so richtig los. Joko ließ ein Sicherheitsseil durchschneiden und ihn somit denken, er müsse sterben. Die Todesangst war dem Comedian ins Gesicht geschrieben - und wurde schön per Helmkamera auf den Schirm projiziert. Ziemlich gemein? Eigentlich so gar nicht zum Lachen? Schon. In dem Moment aber wohl. Und zwar so richtig.

Ralf Moeller und die Hamsterbacken

Luke Mockridge gab sich für diesen Moment gern hin - und wurde damit zum echten Highlight der Show. Er resümierte am Ende: "Ich könnte jetzt zu Joko sagen: du krankes, widerliches, gestörtes Schwein." Er könne sich aber auch einfach über das Erlebnis freuen. Und das tat er dann auch.

Neben Mockridge stellte sich auch Ralf Moeller in den Dienst der guten Unterhaltung und stellte sich für einen fiktiven Werbespot bis auf die Knochen bloß: Er musste ein albernes Hamsterkostüm anziehen, das schon allein schlimm genug war. Aber Klaas wäre nicht Klaas, würde er nicht Grenzen überschreiten. Also trug er dem Schauspieler auf, dass er sich für echte Hamsterbacken 300 Milliliter Kochsalzlösung in die Wangen spritzen lassen muss. Das war so doof, so peinlich und so unangenehm und eklig, dass es am Ende tatsächlich wieder lustig war. Und ich gemerkt hab: Der Unterhaltungsentzug während der Pandemie tut meinem Humor offenbar nicht gut. Ob ich vor einem Jahr über so etwas gelacht hätte? Keine Ahnung. Gestern Abend hat es mich zumindest bestens unterhalten.

Joko und Klaas wissen, wie gute Live-Unterhaltung geht

Am Ende einer Show mit vielen Peinlichkeiten, unnötigen Spielen, Blödelei und Chaos konnte Joko nach drei aufeinanderfolgenden Niederlagen die Show für sich entscheiden und darf sich nun Weltmeister nennen. Das war aber völlig nebensächlich. Gewonnen haben nämlich wirklich beide: Nach vielen Jahren in der TV-Branche, zahlreichen überraschend guten TV-Aktionen von Joko und Klaas, aber dem Gedanken, dass es doch bald mal mit den beiden reicht, hat das Duo bewiesen, warum es so erfolgreich ist. Die beiden wissen auch unter Live-Bedingungen, ohne Studio-Publikum und unter Corona-Bedingungen, was es für gute Unterhaltung braucht. Chaos, zynische Sprüche, keine Hemmung vor Grenzüberschreitung, Wortwitz, Kritik am eigenen Sender und ganz viel Selbstironie: herrlich. Irgendwie befreiend, leicht und entspannt. Das, was es gerade braucht.

Am Ende bleibt zu sagen: Live-Show? Ja, bitte. Schadenfreude? Ja, bitte. Muss man dafür aber unbedingt um die Welt reisen? Fragwürdig. Trotz der nicht ganz verschwundenen Zweifel am Drumherum und den Grenzüberschreitungen schalte ich nächste Woche auf jeden Fall wieder ein. Wenn es derzeit schon so wenig Unterhaltung gibt, saug ich diese gerade liebend gern auf.


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