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"Germany's next Topmodel" startet: Sie laufen wieder - ins Leere

Heidi Klum ist zurück. Zum mittlerweile achten Mal sucht sie Deutschlands neues Topmodel. Sie findet: die üblichen überdrehten Mädchen - und einen dicken Mexikaner.

Von Sophie Lübbert

Es ist bitterkalter Winter, draußen liegt Schnee. Ein paar Menschen haben sich in der örtlichen Kirche versammelt. Sie sitzen auf Holzbänken, einige stehen am Altar und singen Lieder. Doch plötzlich wird diese Idylle gestört. Die Tür öffnet sich, Licht strömt herein... und eine bedrohliche Stimme erhebt sich. Sie sagt, nein, sie kreischt: "Jetzt gehe ich in die Kirche, hihi!". Und damit ist der Frieden dahin. "Germany's Next Topmodel" ist wieder da. Und dieses Mal ist man nirgendwo vor der Sendung sicher. Heidi Klum taucht überall auf - sogar in der Kirche. Dort will sie eines ihrer Mädchen abholen. Jacqueline, 16 Jahre, dunkelhaarig und dürr, singt im Chor. Darum kommt Heidi mitsamt Kamerateam im Schlepptau an, kichert und kiekst herum und schmatzt der sichtlich verwirrten Neu-Kandidatin Luftküsse auf die Wangen.

Da steht ein Supermodel im Stall

Zur achten Staffel von "GNTM" soll alles neu, besser, persönlicher werden. "Closer than ever" ist das Motto. Und deshalb sitzt Heidi jetzt nicht mehr nur in Los Angeles und schaut streng in die Kamera. Sondern sie geht los, um ihre Mädchen abzuholen. Im Wechsel mit Co-Juror Thomas Hayo besucht sie eine Schule, eine Bäckerei, einen Bauernhof. Überall trifft sie auf eine der ausgewählten 25 Kandidatinnen, die diesmal mitmachen dürfen und t-o-t-a-l überrascht sind, dass da auf einmal ein Supermodel im Stall rumsteht.

Glücklicherweise erholen sie sich schnell genug vom Schock, um am nächsten Tag fürs erste Fotoshooting nach Wiesbaden zu fahren. Klar, Wiesbaden, da beginnen ja alle großen Model-Karrieren. Und darum müssen die jungen Frauen nun in langen Abendkleidern vor dem dortigen Kurhaus posieren - während es auf sie hinunter schneit. Der Fotograf ruft Anweisungen ("Alright! Hammer! Yeah!"), Thomas verbreitet Weisheiten ("Oft ist das so, dass sich jemand transfomiert. Oder eben nicht"), Heidi jubelt und schmeißt dann eine Kandidatin raus.

Auf dem Laufsteg nach Dubai

Für den Rest geht es nach Dubai, zur ersten Modenschau ihres Lebens. Vorher bringt Heidi ihnen noch eben schnell bei, wie so ein Laufsteg-Gang geht. Jorge, der kubanische Stöckelschuh-Läufer mit Sprachproblemen, hatte diese Staffel wohl keine Zeit oder keine Lust - ein echter Verlust. Denn Heidi versteht man zwar problemlos, aber nach einer Weile wünscht man, man würde es nicht tun ("Ich glaube nicht, dass Du schief bist"). Und für die Modenschau bringt ihr Unterricht auch nicht viel: die Mädchen stolpern, straucheln, eine fällt beinahe ins Publikum.

Dafür taucht endlich der dritte und letzte Juror auf: Enrique, ein kleiner untersetzter Fotograf aus Mexiko, der ununterbrochen breit grinst, aber ganz offensichtlich nur die Hälfte von dem versteht, was alle sagen. Wohl darum ist er eindeutig das sympathischste Mitglied der neuen Jury. Leider kann aber auch er die Sendung nicht mehr retten.

Denn im achten Jahr ist die Show schlicht und ergreifend langweilig geworden. Das Gekreische und Gemeckere der Kandidatinnen, die Shootings, die sich bereits anbahnenden Zickenkriege, die verheulten Telefonate nach Hause - das gab es alles schon zu oft. Die paar kleinen Neuerungen, die Klum und Konsorten vorgenommen haben, reichen nicht, um die Sendung wieder spannend zu machen - im Gegenteil.

Topmodel wird hier niemand

Denn im neuen Konzept sind die einzigen Elemente weg, die noch etwas Abwechslung versprachen: die Massen-Castings am Anfang und Jorge. Statt lustigen Sprach-Wirrwarrs gibt es jetzt nur noch Heidis Grammatik-Probleme. Und statt unerwarteten Bewerberinnen kommen sorgfältig zusammen gecastete Mädchen, die dramaturgisch viel hergeben: Da wäre Anna-Maria, die bitterarm auf den Philippinen aufwuchs und deshalb immer mal wieder traurig aufschluchzt. Oder Sophie, die schon im Vorspann verkündet, dass sie lesbisch ist. Perfekt für eine Staffel mit viel Drama und wenig echter Modelarbeit.

Apropos: Was können die Kandidatinnen eigentlich gewinnen? Die sonst so breit getretene Ankündigung, dass "nur eine Germany's next Topmodel werden" und diverse Werbeverträge gewinnen könne, fehlt. Vielleicht gibt es diesmal gar nichts zu gewinnen? Sicher ist nur: Die Zeit der Model-Casting-Sendung ist wohl endgültig abgelaufen.

Vielleicht ahnen das ja sogar schon die Kandidatinnen selbst. Am Ende der Auftakt-Sendung jedenfalls, da schickt Heidi Klum drei junge Frauen nach Hause – und eine vierte entschließt sich, gleich freiwillig mitzufahren. Dem ganzen Zirkus den Rücken kehren: Das ist die wohl beste Entscheidung, die sie treffen kann. Topmodel wird sie nun zwar nicht. Aber das wird in dieser Sendung ja sowieso niemand.