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"Gottschalk Live" mit Publikum und Pocher Zwischen Todeszone und blühender Landschaft


Premiere bei "Gottschalk Live": Thomas Gottschalk moderiert jetzt vor einem Studiopublikum. Es ist ein letzter Versuch, die Vorabendshow zu retten. Doch dafür scheint es schon zu spät zu sein.
Von Katharina Miklis

Wir machen uns auf den Weg aus der Todeszone in blühende Landschaften". Große Worte, mit denen Thomas Gottschalk den Montagabend einläutet. Es ist seine erste Vorabendsendung vor Publikum. Große Worte. Große Ziele. Alles soll anders werden bei "Gottschalk Live" in der ARD. Die Optik, die Inhalte und vor allem: die Quoten.

"Ich ziehe nicht ins Frühstücksfernsehen um", versichert Thomas Gottschalk zu Beginn seiner Sendung, "und sie werden auch nicht Zeugen einer Zwangsräumung". Nichts im Berliner Studio erinnert mehr an das alte "Wohnzimmer". Im laufenden Betrieb will die ARD das komplette Studio in dieser Woche umbauen. Für Gottschalk bedeutet das, eine Woche lang von einer Baustelle zu moderieren. Und es handelt sich vermutlich nicht weniger als die Woche der Entscheidung. Zumindest darüber, ob es überhaupt noch den Hauch einer Chance für die strauchelnde Show gibt.

Immerhin: Es wird gelacht

Die größte Veränderung ist, dass Gottschalk sein Publikum zurück hat. Knapp hundert Menschen sitzen jetzt dort, wo früher die Redaktion ihren Platz hatte. Viele junge Menschen sind zu sehen. Nicht ganz das typische Gottschalk-Publikum. Für die erste Show mit Gästen hat die Produktionsfirma Grundy Light Entertainment auf einen Kundenpool zurückgegriffen, der sich sonst vor allem für Tickets von Shows wie "Deutschland sucht den Superstar" interessiert. Das merkt man, sie wirken wie Statisten. "Ein verdammt gut aussehendes Publikum", wird Promigast Oliver Pocher später witzeln. Immerhin: Ab sofort kann sich jeder, der Gottschalk wirklich live sehen will, eine Karte kaufen.

Auf dem Publikum lastet die große Hoffnung des Senders. "Es ist doch schöner, wenn man dem Publikum ins Auge blickt", gibt auch Gottschalk zu. Mehr Leben soll es jetzt in die Sendung bringen, einen Hauch von "Wetten, dass..?". Nur den Hauch einer Ahnung bekommt man jedoch in der ersten Folge, wie es hätte funktionieren können. Die Lacher, sie wirken zu perfekt getimt. Aber immerhin: Es wird gelacht. Kein einsames Hüsteln mehr aus dem Off.

Gottschalk braucht das Spiel mit dem Publikum

Und Gottschalk? Der genießt. Er braucht das Spiel mit den Zuschauern. Es war von Anfang an klar, dass es ihm niemals reichen würde, das eine Kollegin ihm Facebook-Nachrichten vorliest. Er muss das Publikum spüren. Er wirkt ein wenig lockerer, entspannter - vielleicht auch, weil das Ende noch nie so nah war. Denn für eine Rettung scheint es dennoch zu spät. Zu lange wurde Gottschalk zur falschen Sendezeit, zwischen Werbung, Wetter und Börse verheizt.

Gottschalk selbst scheint sich nun mit Galgenhumor über die Krise retten zu wollen. "Neues Leben wächst aus dem Ruin", zitiert er Schiller. Ein Studiopublikum allein reicht jedoch nicht aus, um der Show neues Leben einzuhauchen. Auch wenn Nachrichtenmann Jan Hofer und Comedian Oliver Pocher dankbare Gäste für den Relaunch sind, Pocher sich sogar als Sidekick bewirbt ("Du musst mich nur fragen"), es bleibt nach 30 Minuten "Gottschalk Live" der bittere Nachgeschmack, dass diese Show sich zu lange in die falsche Richtung verrannt hat. "Nicht alles war schlecht, was ich hier abgeliefert habe", beteuert Gottschalk in seiner Sendung - und hat recht. Vieles, zu vieles jedoch war in den letzten Wochen auch einfach nicht gut.

Es hat fast Symbolcharakter, dass Gottschalk am Montagabend seine alten Requisiten, wie ein Foto vom Papst mit Christian Wulff, versteigert. Alles muss raus. Nichts soll an den alten Gottschalk erinnern, der so grandios mit seinem Vorhaben scheiterte, den Vorabend im Ersten zu beleben. Am kommenden Montag soll ein neues Studio und ein neues Konzept stehen. Erst dann wird sich endgültig zeigen, wo Gottschalk seine Fans mehr braucht: im Studio oder vor dem Fernseher.


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