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ARD-Vorabendsendung "Gottschalk Live": Gottschalks Quotendilemma wird zur Posse

Täglich gibt es neue Wasserstandsmeldungen zum drohenden Aus von "Gottschalk Live" in der ARD. Die Redaktion ist empört - und das Vorabend-Drama um Gottschalk entwickelt sich zur Posse.

Intrigen, Spekulationen, große Versprechen. So langsam lesen sich die aktuellen Entwicklungen um "Gottschalk Live" wie das wirre Drehbuch einer ARD-Vorabendsoap. Erst soll Programmdirektor Volker Herres laut einem Bericht in der "Bild"-Zeitung Gottschalk bei einem Dinner im Berliner Restaurant "Borchardt" eine gemeinsame Zukunft versprochen haben. Geigen, Streicher, aber das Happy End bleibt aus: In der nächsten Folge der Gottschalk-Soap stichelten die ARD-Intendanten an diesem Montag in einer Schaltkonferenz gegen ihren problembehafteten Hauptdarsteller und fordern das vorzeitige Aus der dramatischen Vorabendtragödie.

Laut einem Bericht der "Welt" vom Donnerstag soll sich eine überwältigende Mehrheit der Intendanten für einen vorzeitigen Ausstieg aus dem Gottschalk-Talk ausgesprochen haben, weil man um die "Tagesschau" fürchte, die durch Gottschalks miese Quoten in Mitleidenschaft gezogen würde. Auf diesen Bericht folgte eine öffentliche Klarstellung der ARD auf ihrer Homepage, in der die Situation allerdings auch nicht wirklich klarer wurde: "Die Intendanten haben - anders als in einem Zeitungsartikel heute angedeutet - ausdrücklich keine Entscheidung getroffen, die Sendung 'Gottschalk Live' zu beenden und von dem vertraglich vorgesehenen Sonderkündigungsrecht Gebrauch zu machen", heißt es da.

Klarstellung ohne klare Stellung

Die ARD-Vorsitzende und WDR-Intendantin Monika Piel betont: "Es wäre ja auch unsinnig, zeitgleich mit dem Relaunch der Sendung 'Gottschalk Live' deren vorzeitiges Ende zu beschließen". Einem Beschluss, "Gottschalk Live" zum gegenwärtigen Zeitpunkt zu beenden, hätte er widersprochen, versichert NDR-Intendant Lutz Marmor. Und weiter: "Der Relaunch ist notwendig und sinnvoll. Dabei werden wir Thomas Gottschalk unterstützen. Die Ergebnisse gilt es ohne Hektik zu bewerten." Das lässt Raum für Spekulationen. Verbindliche Ansagen gibt es nicht.

Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung sollen Gottschalk und ARD-Programmdirektor Volker Herres am Donnerstagmorgen zum Thema miteinander telefoniert haben. Demnach hat Herres dem Moderatoren versprochen, dass er hinter der Sendung stehe, wenn sich diese bis Ende April inhaltlich verbessere und es bei den Quoten einen Aufwärtstrend gebe. So gab es Gottschalk gegenüber dem Blatt wieder und betonte, er lasse sich seinen Spaß an der Show nicht durch das "Durchstechen von Falsch- und Halbwahrheiten" nehmen. Der Programmdirektor sagte der Zeitung allerdings, dass er seinen Problem-Moderatoren daran erinnert habe, dass es rasch einen starken Trend nach oben geben müsse. "Ansonsten tue sich die ARD bei einer Entscheidung über die Fortsetzung der Sendung schwer", so Herres.

Die Redaktion wird wütend

Blende in die Redaktion im Berliner Humboldt Carré: Während ein verantwortlicher Redakteur der Show einer Münchner Zeitung verriet, dass sich der Zorn in der Redaktion rege und er "traurig und wütend" über den Umgang der ARD mit Thomas Gottschalk sei, thematisiert dieser mittlerweile die Spekulationen um seine Zukunft direkt in seiner Sendung: "Ich hab mit all dem nichts zu tun. Ich bin nur der Hausmeister", sagte Gottschalk live am Donnerstag.

Die Verwirrung ist perfekt. Treueschwüre, Drohanrufe, Unschuldsbekundugen - die Gottschalk-Soap im Vorabend der ARD bleibt spannend. Während die Spekulationen um das drohende Aus in dieser Woche ihren Höhepunkt erreichten, rauschten die Quoten nach einem leichten Aufschwung übrigens wieder in die Tiefe. Trotz Drama in der Gottschalk-Posse: Nur 1,06 Millionen Menschen schalteten am Donnerstag ein. Fortsetzung folgt.

kmi