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"Gülcan und Collien ziehen aufs Land": Fremdschämen ist spitze

Gehen sie sich jetzt an die Gurgel? In der vierten Woche fließt bei "Gülcan und Collien ziehen aufs Land" schon das Blut. Aber nur ein bisschen. Nicht genug, um der Sendung den Kick zu geben.

Von Carolin Neumann

Auch wenn's keiner gern zugibt: Fremdschämen ist super. Sonst würde sich doch niemand das Gelaber bei "Big Brother" angucken; und ProSiebens Turteltäubchen Sarah Connor und Marc Terenzi müssten ihre Kindererziehung mit sich selbst ausmachen, statt jede Woche zwei Millionen Zuschauer mit ihrem öden Familienzwist zu langweilen. Doch wie man's dreht und wendet: Selbst für Hardcore-Fremdschämer wird bei "Gülcan & Collien ziehen aufs Land" einfach nichts geboten.

Den kleinen Ausflug der Viva-Tussen einen billigen Abklatsch von Paris Hiltons Doku-Soap "The Simple Life" zu nennen wäre noch untertrieben. Die Hilton und ihre Busenfreundin Nicole Richie waren immerhin so dreist, dass es schon wieder lustig war. Sie haben einen Fastfood-Laden verwüstet, die Kreditkarte ihres Chefs geklaut und den gesamten Vorrat eines Milchbauern ruiniert.

Gülcan und Collien hingegen sind stinklangweilig. Das äußerste Maß an Zerstörung, zu der es die Großstadtgören bringen, ist ein bisschen verschüttetes Bier. Und als beim feschen Dorffest alle bis in die späten Abendstunden feiern, verziehen sich die beiden wie zwei spießige Omas auf ihr Zimmerchen, obwohl es draußen noch hell ist. Sie müssen ja früh aufstehen. Gähn.

"Do konnst schon omal noch zwoa Knöpf zumach'n"

Paris und Nicole haben für die Quote sogar mit armen Bauernjungen rumgeknutscht. Auch wenn die wahrscheinlich hinterher eine Therapie brauchten, stünde dem Mist-Spektakel ein bisschen mehr Freizügigkeit ebenfalls gut zu Gesicht. Nun ist Frau Kamps ja verheiratet, was die Sache erschwert. Da hilft es auch nichts, wenn ProSieben den unbeholfenen Annäherungsversuch eines Partygastes überpixelt und mit Kussgeräuschen weismachen will, da ginge was.

In Grainbach bleibt's züchtig, dafür sorgt Mama Roswitha: "Do konnst schon omal noch zwoa Knöpfe zumach'n", schimpft sie beim Anblick von Gülcans offenherzigem Dekolleté und knöpft das Dirndl sogleich eigenhändig zu.

Zutat für eine quotenträchtige Sendung ist neben Sex auch gern mal das liebe Vieh. Tiere gehen immer. Auf dem Bauernhof haben die leider spätestens in Folge zwei ihren Niedlichkeitsbonus verloren. Option drei - Mord und Totschlag - ist der allerletzte Ausweg, einer schlappen Sendung Zunder zu verleihen: Immerhin floss gestern mal ein bisschen Blut. Gleich zu Beginn knallte Gülcan die Autotür zu und erwischte dabei die Finger von Gastbruder Thomas. Zum Glück alles halb so schlimm, "sonst wäre ich ohnmächtig geworden", meint Gülcan, die noch immer so schockiert guckt, als hätte sie dem Jungen gerade die ganze Hand abgehackt. Das hätte die Sendung aber vermutlich auch nicht interessanter gemacht.

Lipgloss-Luder im Schlafzimmer der "Gasteltern"

Und siehe da: Letztlich liefern die Lipgloss-Luder dann doch noch kleine Fremdschäm-Momente. Auf der Suche nach Ohropax schleichen die beiden über den Flur und klopfen zaghaft an die Schlafzimmertür der Hausherrin. Nicht, dass Roswitha und Konrad gerade beschäftigt sind, witzelt Collien. "Nein, die machen so was nicht", ruft Gülcan empört, "die haben schon zwei Kinder." Und am Ende will man gar nicht so genau wissen, wofür sich Collien noch ein drittes Ohropax aus der Schachtel nimmt.