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BBC: "I May Destroy You" – die mutigste TV-Serie des Jahres

Diese  BBC-Serie zeigt die Welt der Hook-up-Kultur in London. Eine ewige Party mit viel Spaß und unverbindlichem Sex. Und auf einmal ist es vorbei, als die Nachwuchsautorin Arabella nach einer wilden Nacht mit einer Platzwunde am Kopf aber ohne Erinnerungen wieder aufwacht.

Die ewige Party findet ein abruptes Ende.

Die ewige Party findet ein abruptes Ende.

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Die Briten haben es besser – zumindest was das öffentlich-rechtliche Fernsehen angeht. In diesem Jahr hatte die altehrwürdige BBC bereits "Normal People" an den Start gebracht. In kaum einer Serie zuvor wurden der Zauber und der Schmerz der ersten Liebe so einfühlsam und doch so realistisch dargestellt wie hier. Und nun läuft "I May Destroy You" auf BBC One und dem US Pay-Sender HBO. Ganz anders, aber ebenso faszinierend. Anstatt allzu zarter Gefühle spielt das Drama von Michaela Coel in der weitaus raueren Welt, der wilden Feiern, des Drogenmissbrauchs, der sexuellen Gewalt innerhalb der Hook-up-Kultur.

Michaela Coel hat nicht allein das Drehbuch geschrieben, sie hat einige Folgen inszeniert und spielt die Hauptrolle. Sie ist Arabella, eine gefeierte Nachwuchsautorin. Nach dem fulminanten Erfolg ihres ersten Romans kämpft sie darum, den Entwurf des Nachfolgers rechtzeitig fertigzustellen. Vor der allerletzten Deadline hat sich Arabella versprochen, nüchtern zu bleiben, produktiv zu werden und ein gutes Mädchen zu sein. Aber dann geht sie doch raus - "nur auf einen Drink".

Rekonstruktion einer Erinnerung

Am Morgen kommt sie wieder zu sich. Diffuse Erinnerungen an einen mit Drogen versetzten Drink, an einen Mann, der auf der Toilette über ihr auftaucht, und mit einer Platzwunde am Kopf. Es geht um Verletzungen und Übergriffe in einem wilden Lebenskosmos, in dem alles relativ und interpretierbar ist. Im Laufe der Zeit setzt Arabella die Nacht langsam zusammen. Michaela Coel und Regisseur Sam Miller enthüllen die Wahrheit über diese Nacht in immer neuen Anfängen, verschwommenen Halb-Erinnerungen und Vermutungen. Arabella will nicht glauben, was sie ahnt, dass diese Nacht schrecklich schiefgelaufen ist. Viel einfacher wäre es doch, wenn es einfach ein Missverständnis und ein Drink zu viel waren. Zentrales Thema bleibt, welche Verantwortung trägt jeder für sich? Was ist Zustimmung und wie weit geht sie? Wer hat die Macht in einer Beziehung und wieso kann sich dieses Verhältnis in nur einem Gespräch umdrehen?

Das Leben als Party

"I May Destroy You" ist aber kein hölzernes Thesen- und Diskurs-TV, es ist eine Serie aus einem sprühenden, explosiven Leben heraus. Getragen wird es nicht von der traditionellen Familie, sondern vom Kreis der Freunde. Filme und Serie über die Probleme von Thirtysomethings gibt es seit den 1980ern, aber sie ändern sich. Früher war das die Zeit, in der mit dem Ende der Universität die Jugend endgültig vorbei ging, und die Protagonisten immer Schwierigkeiten hatten, sich auf das nun unvermeidliche Erwachsenenleben einzustellen. Die Welt von "I May Destroy You" funktioniert ganz anders. Diese Szene von Partys, unverbindlichem oder doch verbindlichen Sex soll ewig währen. Es ist eine eigene Welt, mit ziemlich unklaren Gesetzen, in dem sich Arabella und ihre Freunde zurechtfinden müssen. Und doch geht bei Arabella mit dieser Nacht eine Epoche zu Ende – die ewige Party hat ihre Unschuld verloren.

Realismus ohne Belehrungen

Die Briten lieben die Serie, weil sie ohne Wertungen und Erklärungen ausspricht, was heute Sache ist. Der schwule und ziemlich abenteuerlustige Kwame geht etwa mit seiner Großmutter einkaufen. Zwischendrin gibt es einen kleinen Sex-Abstecher, perfekt geplant mit einer Geo-Loaction-App – mit einem Mitarbeiter des Supermarkts. Sex treibt die Szene an. Als der Verleger der schreibgehemmten Arabella eine Hilfe schickt, wird die natürlich sofort flachgelegt. Als Arabella merkt, dass ein Partner beim Sex – entgegen der Verabredung - das Kondom entfernt, ist ihre Reaktion erstaunlich lakonisch, dann müsse er auch die Pille danach bezahlen. Die Zuschauer bejubeln den Realismus der Serie. Etwa beim Sex während der Menstruation und dem folgenden hilflosen Versuchen, die Matratzen danach zu reinigen.

In Deutschland ist "I May Destroy You" noch nicht zu sehen.

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