"Let's dance" Bitte recht freundlich!


Bei RTL können sich ausnahmsweise auch mal alle lieb haben: Das Finale von "Let's Dance" wird als Fest der Versöhnlichkeit in die Sendergeschichte eingehen. Und das, obwohl es doch zum Schluss tatsächlich nur eine Gewinnerin gab.
Von Peer Schader

"Wir werden uns alle vermissen", behauptete Nazan Eckes zum Schluss. Ihr Moderationspartner Hape Kerkeling hatte vorher schon erzählt, wie sehr ihm Eckes fehlen würde. Und die prominenten Kandidaten hatten sich artig beim ganzen Team bedankt, für so viele anstrengende und spaßige Wochen. Kaum zu glauben, dass das jetzt schon alles vorbei sein sollte.

Es ging ein bisschen zu wie bei der Verabschiedung im Pfadfinderlager, gestern Abend beim Finale von "Let's Dance" auf RTL: Jeder versicherte jedem, wie schade es doch sei, dass es jetzt schon wieder aus sein würde. In der Jury saß Dieter Bohlen als Gastjuror, verteilte ungewohnt artig Komplimente und Punkte an die Paare und sagte nachher ziemlich irritiert: "Mich wundert das, wie nett das hier zugeht." Ach ja: Getanzt wurde auch noch. Und um viertel vor elf stand schließlich fest: "GZSZ"-Star Susan Sideropoulos und ihr Tanzpartner Christian Polanc dürfen sich fortan "Dancing Star 2007" nennen. Nicht, dass das was zu bedeuten hätte (außer fürs Schauspielerego) - aber irgendwer musste ja gewinnen.

Skandale? Fehlanzeige!

Sideropoulos punktete in der zweiten Runde mit dem exotischen Paso Doble, nachher fegte sie mit Polanc als Blues Brothers übers Parkett, die sich während des Tanzes ihrer Anzüge entledigten (freilich zugunsten der engen Tanzkostüme darunter).

Konkurrentin Katja Ebstein und ihr Partner Oliver Seefeldt zeigten den Langsamen Walzer, einen flotten Jive und einen akrobatischen Freestyle-Abschluss, mussten sich nachher aber Sideropoulos als Favoritin der Zuschauer geschlagen geben. Der dritte Tanztitel-Anwärter, Ex-Bayern-München-Spieler Giovane Elber, verabschiedete sich bereits nach der zweiten Runde - immerhin aber mit einem eindrucksvollen Tanz als Hommage an den Fußball, an dessen Ende er und Isabel Edvardsson, die im vergangenen Jahr mit Wayne Carpendale gewonnen hatte, im Trikot auf der Bühne standen.

Der strenge Herr Llambi

Trotz Finale war es ein verhältnismäßig unspektakulärer Abend. Bohlen würde sagen: ein netter. Keine Skandale, keine Anfeindungen im Vorfeld, keine Zerwürfnisse - bloß Promis, die während der Trainingswochen den Spaß am Tanzen entdeckt hatten und nun ein letztes Mal zeigen wollten, was in ihnen steckt. Deshalb durften auch alle die zuletzt ausgeschiedenen Paare noch einmal für ein kurzes Tänzchen auf die Bühne.

Das ist einerseits natürlich erfreulich, weil man das Krawallfernsehen mit seinen Inszenierungen, den Castingtränen und den alles enstcheidenden Votings langsam ein bisschen leid ist. Andererseits wird es so zur echten Prüfung, zweieinhalb Stunden eine Show anzusehen, deren Ablauf weitestegehend vorhersehbar aus wechselnden Tänzen, Schnelldurchläufen und Werbepausen besteht. Und natürlich aus der gespielten Angst vor dem überkritischen Wertungsrichter Joachim Llambi, mit dem Kerkeling eine gespielte Hassliebe verbindet, die inzwischen ziemlich nervt, leider aber von fast allen Kandidaten übernommen wurde.

Bohlen punktete als Juror

Wenn sich bei "Let's Dance" nicht die Hälfte der Gags um den strengen Llambi drehen würde, gäbe es vermutlich gar nichts mehr zu lachen. Fast war man erleichtert, dass RTL Bohlen als Ersatz für die verhinderte Ute Lemper engagiert hatte, die kurz per Einspieler völlig überdrehte Grüße nach Köln sandte. Bohlen verließ sich stattdessen auf seine Sprüche: "Wenn ich so'n kurzes Kleid vor mir gehabt hätte, hätte ich keinen Tanz mehr hinbekommen", lobte er Elbers Konzentratiosnfähigkeit angesichts des knappen Outfits Edvardssons. Und Ebstein bekam Lob für ihre Beine: "Du hast irgendwann mal mit 'nem Storch gepokert und gewonnen."

Dass Bohlen zwischendurch mit seinem "DSDS"-Zögling Mark Medlock und dem neuen Titel "You can get it if you really try" auftreten durfte, hätte nicht unbedingt sein müssen - vor allem, weil die beiden ja schon exakt eine Woche zuvor im ZDF bei "Wetten dass....?" zu sehen waren. Aber irgendwie hat ja wohl auch Bohlen von diesem Juryausflug profitieren müssen.

Kerkelings Zeitüberbrückung

Von dessen Treffern angestachelt, scherzte dann immerhin auch noch Kerkeling, der sonst arg zurückhaltend moderiert, drauf los. Und man muss sagen: Kerkelings Zeitüberbrückungstaktiken, die Momente, in denen er alleine auf der Bühne steht und nicht so recht weiß, was er noch sagen soll, bis die Paare hinter den Kulissen verschwunden sind oder seine Moderationskollegein umgezogen ist, die meistert er hervorragend: Er redet sich einfach einen Wolf und macht kein Geheimnis daraus, dass er keine Ahnung hat, was er noch sagen soll.

Es war also insgesamt ein versöhnlicher und heiterer Abend bei RTL - aber "ganz großes Fernsehen", wie Trendscout und Juror Markus Schöffel zwischendurch behauptet hatte, sieht irgendwie doch noch ein bisschen anders aus.


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