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"Neo Magazin Royale": Als Jan Böhmermann für einen Moment ernst wurde

Deniz Yücel kommt frei. Am Abend zuvor erinnerte Jan Böhmermann im "Neo Magazin Royale" an das Schicksal des inhaftierten Journalisten - und begründete in seiner zweiminütigen Ansprache, warum das Thema uns alle angeht.

Jan Böhmermann erinnert an Deniz Yücel

Jan Böhmermann erinnerte im "Neo Magazin Royale" an das Schicksal des ein ganzes Jahr in der Türkei inhaftierten Journalisten Deniz Yücel.

Wie nah Freud und Leid manchmal beieinander liegen, zeigte sich am Donnerstagabend in der aktuellen Ausgabe des "Neo Magazin Royale". Jan Böhmermann bot alles auf, wofür ihn die Zuschauer lieben: Er lieferte knackige Gags, zeigte witzige Einspieler, ließ den Führer "Adi" wiederauferstehen, empfing mit Maren Kroymann einen hochinteressanten Gast und gönnte sogar dem Relefant ein kleines Comeback. Ein echtes Wohlfühlprogramm für seine Fans.

Als er mit der Sendung eigentlich schon durch war, wurde Böhmermann plötzlich ernst: "Liebe Kartoffelfreunde, liebe Almans", sprach er die Zuschauer direkt an. Der Anlass für diese Ansprache war der erste Jahrestag der Verhaftung des Journalisten Deniz Yücel, der zum Zeitpunkt der Ausstrahlung noch in der Türkei im Gefängnis saß. "Unschuldig und ohne Anklage", wie der Moderator betont. "Weil er seine Job gemacht hat. Zu denken und zu sagen, was ist und wie es ist."

Jan Böhmermann erinnert an Deniz Yücel

Ein Thema, das Böhmermann und seinem Team sehr am Herzen liegt. Seither endet jede Folge vom "Neo Magazin Royale" mit einem Bild des Deutschtürken. Das ist jedoch keine Freude: "Wir würden gerne aufhören damit", betont Jan Böhmermann. "Es nervt mit total. Zum einen, weil es überhaupt nicht lustig ist. Zum anderen, weil er so geil nun auch wieder nicht aussieht."

Das Thema liegt Böhmermann am Herzen - nicht nur, weil er selbst ins Visier des türkischen Staates geraten ist. Er sorgt sich auch um die vielen in Deutschland lebenden Menschen mit Wurzeln in der Türkei, die sich durch Erdogans Einschüchterungen ebenfalls bedroht fühlten. Die auch hierzulande zunehmend Angst hätten, offen ihre Meinung zu sagen. Ob bei Facebook, auf der Arbeit sogar in der Familie oder im Freundeskreis - man könne nie wissen, wer mitliest und -hört. "Jeden Tag ein bisschen weniger Mut, jeden Tag ein kleiner verlorener Kampf mit der Angst", lautet seine traurige Zustandsbeschreibung.

"Niemand ist alleine"

Das sei jedoch kein Problem der Deutschtürken, sondern unser aller Problem: "Es gibt zwar nicht viel, für das wir in Alemanya mit echter Leidenschaft aufstehen. Aber wenn, dann immer gegen Angst, immer gegen das Unrecht, immer für die Freiheit der Gedanken", so Böhmermann. Seine zweiminütige Ansprache kulminiert in dem Aufruf: "Niemand ist alleine. Und auch darum: Free Deniz. Free them all."

Abschließend brachte dann auch Böhmermanns Hausband, das Rundfunk-Tanzorchester Ehrenfeld dem Journalisten ein Ständchen: Die Musiker spielten "Ace of Spades" von Motörhead - der Lieblingsband Deniz Yücels. Die wird er bald  in voller Lautstärke und vor allem in Freiheit genießen können. Dass die Freilassung von Deniz Yücel bevorsteht, ist sicher auch ein Verdienst von Jan Böhmermann und all den Unterstützern, die das Thema im öffentlichen Bewusstsein gehalten haben. Sage also keiner, eine Satiresendung könne nichts bewirken!