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Tag 2 "Promi Big Brother": Das Märchen geht weiter – dabei ist es eher ein Albtraum

"Promi Big Brother"
"Promi Big Brother": Emmy Russ wehrt sich gegen Kritik von Senay Gueler
© SAT.1
Werner Hansch legte eine bewegende TV-Beichte ab. Über seine Spielsucht und falsche Freunde. Jasmin Tawil schämt sich, Emmy Russ ist weiterhin schamlos. Und Jenny Frankhauser badet.
Von Sylvie-Sophie Schindler

Das Märchen geht weiter. Kündigten die Moderatoren Marlene Lufen und Jochen Schropp die erste Folge der achten Staffel von "Promi Big Brother" an. Allein: welches Märchen? Rotkäppchen? Dornröschen? Aschenputtel? Oder wäre nicht treffender, von einem Albtraum zu sprechen? Und zwar nicht nur für die Zuschauer, sondern auch für die Bewohner. Man hat sich inzwischen so sehr an das Format gewöhnt, dass man vergessen hat, wie traumatisierend es sein kann. Ja, traumatisierend. Zumindest ist nicht ausgeschlossen, dass da "was zurückbleibt". Wie etwa bei Jasmin Tawil, ehemalige GZSZ-Darstellerin, der jeder Impuls fehlt, die Dauerbeobachtung für Räkelposen unter der Dusche zu nutzen oder für vulgäre Monologe. Stattdessen flüchtete sie sich in eine Art Therapiestunde zu Kathy Kelly und verriet: "Ich schäme mich, 24 Stunden lang von Kameras beobachtet zu werden."

"Promi Big Brother": Jasmin Tawil schämt sich

Scham? Derlei scheint Teilnehmerin Emmy Russ null komma null zu kennen. Ihr Motto scheint zu sein: Falls es überhaupt ein Niveau gibt in dieser Sendung, gebe ich alles, um es zu senken. Auf die Losung des Orakels von Delphi, "Erkenne dich selbst", dürfte, angelehnt an Descartes, ihre Antwort lauten: Ich habe Plastik-Brüste, also bin ich. Und ihre aufgepumpten Identitätsbekenntnisse offeriert sie, wo sie nur kann, etwa, wenn es darum geht, sich im sogenannten Märchenwald die Langeweile zu vertreiben. "Zielt auf meine Brüste", rief sie, und schon erfolgte der Wurf mit einer zusammengeknüllten Papiertüte. Was kommt demnächst? Dass sie die Toastbrote mit ihren Nippeln mit Nutella beschmiert? Dass man sich überhaupt solche Bilder ausmalen kann, ist natürlich längst der Beweis, dass Trash-TV fatale Nebenwirkungen zur Folge hat.

Zugegeben, über Promi BB zu lästern, geht leicht. Also anders: wo gibt es einen Sendung-Mit-Der-Maus-Charakter, was lässt sich lernen? DragQueen Katy Bähm, die sich ohne Tütü und Mega-Schminke in den nicht unattraktiven Burak Bildik verwandelt, gab Anleitung, wie das nun sei mit der Ansprache. "Er" oder "sie"? "Du kannst mich immer Katy nennen. Du kannst aber auch sagen: 'Er hat gesagt…', das geht auch. Nur wenn ich geschminkt bin, dann ist mir gendern wichtig." Die nächste Lektion gibt's von dem bisher ältesten Teilnehmer der Staffel, von Werner Hansch. Sie lautet: Hast du Spielschulden, dann leihe dir kein Geld von Wolfgang Bosbach.

Werner Hansch legt TV-Beichte ab

Der CDU-Politiker habe, so berichtete der Sportkommentator, ihn angezeigt. Der Grund: Er, Hansch, habe von ihm, Bosbach, Geld geliehen, es aber nicht vollständig zurückgezahlt. "Aber war es nötig, dass er es an die Presse gegeben hat, das hat mich im Kern getroffen, das hat meine Reputation zerstört", offenbarte sich Hansch, den Tränen nahe, die er schließlich kaum mehr zurückhalten konnte, als er dann davon sprach, durch seine Spielschulden auch seine Lebensgefährtin verloren zu haben. "Ich bin dagessen und dachte, die Welt ist für mich zu Ende." Man müsste schon ein Herz aus Stein haben, wenn einen das nicht berührte. Und weil Hansch weder plastikoperiert noch lippenunterspritzt ist, glaubt man ihm, dass er bei seiner TV-Beichte nicht "Fame" ringt, gleichwohl er das Siegergeld wahrscheinlich am bitternötigsten brauchen könnte. Andererseits ist es natürlich überhaupt nicht fair, die Authentizität der Teilnehmer an der Anzahl ihrer Schönheitsoperationen messen zu wollen.

Senay Gueler ist sauer auf Emmy Russ

Und was bitte auf keinen Fall zuhause nachmachen? 40.000 Erbsen zählen. Das gehört zwar zu den typisch sinnlosen Aufgaben, die den "Trashies" auferlegt werden, um abgelenkt zu werden von den tiefen Sinnfragen des Lebens, aber man unterschätzt das darin liegende Konfliktpotenzial. Und vor allem: dass Plastiknägel dabei zu enormen Schaden kommen könnten. Emmy schaltete da allerdings ziemlich schnell. "Das ist nicht tragbar für meine Fingernägel", jammerte sie und zählte betont langsam, wenn überhaupt. Da sahSzene-DJ Senay Gueler rot. Das hier sei Teamarbeit, brach es aus ihm heraus, und nur weil sie hier im Bikini herumspringe, hübsches Gesicht, großer Arsch, könne sie sich nicht alles erlauben, das ziehe bei ihm nicht. "Ich bin keine Zielscheibe für deine Aggressionsprobleme", donnerte die Blondine zurück und beide hackten dann weiter munter aufeinander ein à la "wer bist du denn, du bist doch kein Promi." Während Senay später eine beachtlich selbstreflektierte Entschuldigung aussprach, ließ sich Emmy davon nicht besonders beeindrucken. "Er wird noch öfter den Streit mit mir suchen", prognostizierte sie.

Von solchen Verbalattacken unbehelligt, frönten sechs Teilnehmer ihr Luxus-Dasein im sogenannten Märchenschloss – wie immer sind die Teilnehmer in zwei konträre Bereiche eingeteilt, wobei es bei den "Reichen" meist nur gepflegte Langeweile zu betrachten gibt. Deren größte Herausforderung lag gestern darin, eine Eistorte zu essen. Sonst noch was? Irgendwann nahm Katzenberger-Schwester Jenny Frankhauser ein Schaumbad. Und wurde später von den Zuschauern rüber in den Märchenwald gewählt. Zurück also auf Los, zurück zu den "Armen".


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