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"taff": Die tägliche Portion Triviales

Wenn irgendwo auf der Welt ein Dekolleté verrutscht, ein Castingshowstar Aufmerksamkeit benötigt oder ein adoptierter Prinz eine Braut begehrt, ist "taff" stets zur Stelle. Heute moderieren Stefan Gödde und Annemarie Warnkross zum 555. Mal das Mischmagazin auf Pro Sieben. stern.de gratuliert.

Von Peer Schader

Was wäre die Welt bloß ohne Paris Hilton? Sicher um manche Geschichte aus dem täglichen Promi-Gruselkabinett ärmer. Und beim Pro-Sieben-Mischmagazin "taff" müssten sich die Redakteure überlegen, wie sie die übrig bleibenden Minuten füllen. Treu wie ein Chihuahua weicht "taff" der Hotelerbin nicht mehr von der Seite, seitdem die sich in der vergangenen Woche ihrer bevorstehenden Inhaftierung gefügt hat, zumindest vorübergehend. "taff" hat vor ihrem Haus gewartet, die tränenreiche Fahrt zum Gefängnis gezeigt, und den Anwalt, der erzählte, wie es seiner Mandantin in der ersten Nacht ergangen ist.

Sogar eine 14-jährige Münchnerin, die von sich behauptet, Paris Hilton sei "mein Gott", hat "taff" nach Los Angeles geflogen, damit sie dort auf den Spuren ihres Idols wandeln kann (und dabei täglich von der Kamera begleitet werden). Dabei ist "taff" nicht mal eine reine Promisendung. Aber um Paris Hilton kommt man eben auch als Mischmagazin einfach nicht herum.

Ernst bleiben beim "Superbunny Segeltörn"

Im dritten Jahr wird "taff" nun von Annemarie Warnkross und Stefan Gödde moderiert, die manchmal den Eindruck erwecken, als wüssten sie selbst nicht so genau, warum eigentlich. Manchmal kann man ihnen ein unterdrücktes Grinsen ansehen, weil es unmöglich ist, auf Dauer ernst zu bleiben, wenn man Beiträge über Hiltons Eskapaden, schief gegangene Selbstfrisierexperimente oder eine neue Folge der Playmate-unterwegs-Reihe "Superbunny Segeltörn" anmoderieren muss.

An diesem Mittwoch feiert das Duo dennoch seine 555. "taff"-Moderation. Das ist gleich in mehrfacher Hinsicht erstaunlich: Zum einen, weil es die Sendung überhaupt noch gibt, was nach zwölf Jahren im privaten Fernsehen mit seinen ständigen Programmreformen gar nicht so selbstverständlich ist. Und zum anderen, weil es bei "taff" nie ein Moderator wirklich lange ausgehalten hat.

Das Denken bitte einstellen!

Britta Sander und Steven Gätjen standen schon mal hinterm "taff"-Pult, später Dominik Bachmair und Miriam Pielhau, ganz am Anfang auch mal Sabine Noethen. Ein Sprungbrett in den Olymp der deutschen Fernsehunterhaltung war "taff" allerdings nie: Gätjen war nach "taff" und einem misslungenen Gameshow-Versuch lange abgemeldet und moderierte zuletzt wie seine Kollegin Britta Sander bei Kabel 1, Bachmair ist zu RTL 2 gegangen, Pielhau macht ein Kinomagazin für Tele 5. Eigentlich dürfte es nur noch eine Frage der Zeit, bis auch Warnkross und Gödde sich umorientieren. Im Februar hat schon mal Charlotte Engelhardt, die Ersatz-Sonya-Kraus von Pro Sieben, probemoderiert.

Dennoch ist "taff" ein Phänomen, weil es zu der Sorte Sendungen gehört, von denen kaum jemand zugeben würde, dass er sie gerne sieht. "taff" schauen heißt: konsequent abschalten. Wenn irgendwo auf der Welt ein Dekolleté verrutscht, ein ehemaliger Castingshow-Star nach Aufmerksamkeit giert oder ein adoptierter Prinz nach einer geeigneten Braut Ausschau hält, kann man sich sicher sein: die Pro-Sieben-Kamera ist zur Stelle.

Wer schaut sich das eigentlich an?

Und dennoch fragt man sich bei jeder Ausgabe wieder: Wer schaut das eigentlich an? Bis man sich selbst dabei erwischt, einfach nicht wegzuschalten, obwohl gerade C-Promi Kader Loth ihren neuen Freund vorstellt, den sie sich exakt eine Woche nach der Bemerkung in "taff" geangelt hat, sie brauche jetzt erstmal Zeit, die vorherige Beziehung zu verarbeiten.

Von Pete Doherty, "dem verdrogten Freund von Kate Moss", ist öfter mal die Rede, und von Britney Spears, die neuerdings arge Probleme mit Zellulite haben soll. Unverzichtbar sind außerdem "Brangelina" – Brad Pitt und Angelina Jolie, die inzwischen öfter Kinder adoptieren als Filme drehen. Nur die deutschen Stars sind oft unterrepräsentiert, es sei denn, Tokio Hotel haben einen neuen Partyskandal vorzuweisen. Und weil Lästereien und Zickenkrieg immer funktionieren, darf auch Desirée Nick manchmal auf Pro Sieben lispeln.

Testlabor für neue TV-Formate

Zwischen die vermeintlichen Promi-News mischen sich Rubriken wie "taff Life", wo jeder zweite Satz mit "Forscher haben herausgefunden..." beginnt, oder "taff Tag", in denen vorzugsweise über spektakuläre Unfälle auf deutschen Autobahnen berichtet wird. Dass zwischendurch eine Betroffenheitsreportage über Straßenkinder in Berlin folgt, daran muss man sich einfach gewöhnen.

Für Pro Sieben ist "taff" ebenso wie das Schwestermagazin "Sam" am Mittag vor allem als Testlabor für neue TV-Formate interessant: Längst hat es sich etabliert, dass in beiden Magazinen Mini-Dokusoaps gezeigt werden, die nach bestandener Feuerprobe eigenständig auf Sendung gehen. Am Donnerstagabend startet "Das Model und der Freak", in dem zwei Models ihnen unbekannte Herren optisch grundsanieren sollen. Mit "We are Family" aus "Sam" bestreitet der Sender inzwischen erfolgreich sein Nachmittagsprogramm.

Zurücklehnen und abschalten

Trotz aller Belanglosigkeiten kann es sehr wohl Spaß machen, "taff" anzusehen. Man darf eben nur nicht auf die Idee kommen, das alles ernst zu nehmen - oder gar relevante Informationen vermittelt zu bekommen. Der Trick ist: zurücklehnen und abschalten.

Das gilt mit hoher Wahrscheinlichkeit auch für die Themen der kommenden Monate, für die online geeignete Protagonisten gesucht werden. Wer einen "Ekel vor Katzen" oder einen "Fuß-Komplex" hat: bitte melden! Wirte mit schlecht laufenden Kneipen auch – die werden von "taff" wieder auf Vordermann gebracht. Und Vorsicht, Arbeitsschwänzer: Eure Chefs kriegen einen Detektiv zur Verfügung gestellt, der euch beim Bummeln nachspioniert. Wenn man sich das recht überlegt, käme "taff" bei dieser Bandbreite an Absonderlichkeiten wohl auch ohne Paris Hilton eine Zeit lang ganz gut zu recht.

"taff" auf Pro Sieben, montags bis freitags um 17 Uhr