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TV-Kritik

"Take Me Out": "Ich will ihn nackt auf dem Eichentisch" - das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Frauen zur Paarungszeit

30 Frauen wollen nur eins: einen Mann. Mit der Kuppelshow "Take Me Out" und Moderator Ralf Schmitz erzielt RTL jeden Samstag Traumquoten. Das Erfolgsrezept folgt dem der Dorfdisco: schamlose Ausreden und dreiste Anmachen.

Take Me Out

"Take Me Out" mit Kandidatin Cynthia und Moderator Ralf Schmitz

MG RTL D

Kreisch, ein Mann! Das Ziel der Begierde - Alex mit den breiten Schultern und der blonden Gelfrisur – fährt langsam den Fahrstuhl zur Bühne hinunter. Locker-cool schreitet er die Reihe der dreißig Damen herab.  Verschmitzt schaut der Hüne in die Runde der flirtwilligen Frauen. "Oh, lecker", entfährt es einer bereits. "Ich bin Alex aus Zeven, das liegt zwischen Bremen und Hamburg", stellt er sich vor, um dann ohne Umschweife zum Moment der Wahrheit zu kommen: Wie viele sind bereit für ein Date mit ihm? Nur sechs buzzern Alex ins Aus. "Das ist super", konstatiert Moderator Ralf Schmitz die Damenwahl. Soweit, so emanzipiert. Doch dann folgt archaisches Frauchenverhalten  aus der Dorfdisco 1990: prollig, dumm - faszinierend.

"Take Me Out", die Kuppelshow mit Ralf Schmitz, ist ein Quotengarant. Auch die inzwischen fünfte Staffel schalten jeden Samstag Millionen von Fernsehzuschauer ein. 2,32 Millionen waren es allein am gestrigen Abend. Bei den 14- bis 49-Jährigen reichte es sogar zu einem Marktanteil von satten 18,5 Prozent. Das Erfolgsrezept? Tinder-Geplagte bekommen Anschauungsunterricht im Flirten. Soweit, so gut. Doch die Protagonistinnen, so scheint es, sind nach dem Motto ausgewählt, dem Klischee des dummen Blondchens möglichst gut zu entsprechen.

Es fährt ein Zug - mit Jacqueline drin

Beispiel Jacqueline, die von Schmitz befragt wird, warum sie Alex nicht daten möchte. "Er kommt doch aus Hamburg und das ist so weit weg aus Mannheim", lautet ihre bis dahin schlüssige Begründung. Doch dann kommt es. Auf eine mögliche Zugfahrt angesprochen sagt sie den Satz: "Ich war mal im Zug, nach München. Aber dann war ich im falschen, der ist nach Prag gefahren." Keine Pointe, die liefert Schmitz: "Und, wie war es in Prag?" Viel besser wird auch die Konversation mit den anderen Damen nicht: "Er ist ein kleines Schnuckelchen", sagt Michelle über Alex, während Sandra schwärmt: "Oh, die Lava, die brodelt."

Zu diesem Zeitpunkt ahnen die Prosecco-gedopten Kandidatinnen noch nicht, dass Alex sich als "IT-Inhouse-Consultant, Model und Aloe-Vera-Vertriebspartner" vorstellen wird. Aloe was? Egal. Auch Sätze wie "Der Anzug ist für mich die Ritterrüstung des modernen Mannes", schrecken die paarungswilligen Damen nicht ab. Schließlich ist Alex ein vorzeigbares Modell Mann – das hat er vielen Konkurrenten aus der Dorfdisco voraus. 

RTL setzt bei "Take Me Out" auf alte Rollenklischees

Doch anders als zu alten "Herzblatt"-Zeiten (Hach, wie war das schön mit Rudi Carrell und der Zusammenfassung von Susi) geht es bei "Take Me Out" ohnehin nicht ums Verkuppeln, sondern um die Show an sich. Posieren, angeben, flirten und bei Nichtgefallen eine gnadenlose Abfuhr erteilen. Das einzig Moderne daran: Auch Frauen dürfen Körne austeilen. Doch das muss als Reminiszenz an Feminismus und modernes Rollenverständnis reichen. 

Und so kommt es für Alex, wie es kommen muss. "Ich fände es total erotisch, wenn er nackt auf einem Eichentisch liegen würde, nur mit einer Zigarre im Mund", teilt Cynthia unverblümt mit. Doch RTL scheint auf die Schnelle keinen Eichentisch parat zu haben. Am Ende entscheidet sich der Aloe-Vera-Verkäufer allerdings nicht für den Sex-Vamp, sondern für Paulina. Die will ihm die Höhenangst nehmen. Romantischer geht es bei "Tale Me Out" nicht. 

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