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Netflix-Serie Cousinen in Psychiatrie abgeschoben – "The Crown" behandelt dunkles Geheimnis der Queen

Helena Bonham-Carter in "The Crown"
Prinzessin Margaret (Helena Bonham-Carter) ist schockiert, als sie von der Existenz ihrer Cousinen erfährt.
© Netflix
Diana und Camilla Parker-Bowles: Staffel 4 von "The Crown" behandelt nicht nur das Ehedrama von Prince Charles, sondern öffnet ein weiteres dunkles Kapitel der Royal Family: die in eine Psychiatrie abgeschobenen Cousinen der Queen.

Es ist eine der Schlüsselszenen der vierten Staffel von "The Crown". "Es ist böse und kaltherzig und es ist grausam und entspricht voll und ganz der Rücksichtslosigkeit, die ich selbst in dieser Familie erfahren habe", sagt eine empörte Prinzessin Margaret (Helena Bonham-Carter) zu ihrer Mutter, Queen Mum (Marion Bailey). Dieses Mal geht es nicht um Prinzessin Diana und Camilla Parker-Bowles, sondern um ein dunkles Familiengeheimnis der Windsors.

In Folge sieben der vierten Staffel der Netflix-Serie wird das Schicksal von Nerissa und Katherine Bowes-Lyon behandelt. Die beiden Schwestern waren Cousinen von Queen Elizabeth II. 1919 und 1926 wurden sie als Töchter des älteren Bruders der Königinmutter, John Herbert Bowes-Lyon, geboren. Da sie lernbehindert und geistig zurückgeblieben waren, verbrachten Nerissa und Katherine fast ihr ganzes Leben in einer Psychiatrischen Anstalt – weggesperrt von der Öffentlichkeit und von ihrer Familie vergessen.

Queen Mum soll 1982 einen Brief erhalten haben

Ein Bericht der Zeitung "Daily Express" legte 1996 nahe, dass die Royal Family erst 1982 durch einen Brief der Krankenhausverwaltung an Queen Mum von der Existenz der beiden Cousinen erfahren haben soll. Davor waren Nerissa und Katherine versehentlich für tot erklärt worden. Doch statt einzuschreiten, soll die Königinmutter bewusst untätig geblieben sein. Dieses Verhalten wird in "The Crown" aufgegriffen und in einer fiktiven Szene nachgestellt.

Als Prinzessin Margaret von der Existenz ihrer Cousinen erfährt, stellt sie ihre Mutter zur Rede. "Wenn man nicht perfekt ins Schema passt, … dann wird man ausgespuckt, versteckt oder sogar zum Tod erklärt. Darwin war nichts gegen euch. Schande über euch alle", lässt Drehbuch-Autor Peter Morgan die Schwester der Queen sagen. Queen Mum antwortet: "Sei nicht so naiv. Wir hatten keine Wahl." Demnach hätte das Wissen um die Existenz der beiden behinderten Cousinen die Erblinie in Gefahr gebracht. "Der Genpool dieser Familie muss 100 Prozent rein sein. Kämen die Krankheiten der Bowes-Lyons dazu, bestünde die Gefahr, dass das Geburtsrecht nicht mehr zu halten ist", lautet die fiktive Erklärung der Königinmutter.

Ob die beiden Cousinen der Queen und ihre Abschiebung in ein Krankenhaus jemals Thema in der Royal Family waren, bleibt unklar. Auch ob, wie in der Serie dargestellt, die Schwestern niemals Besuch von den Windsors bekamen, ist fraglich. In einer 2011 veröffentlichten TV-Dokumentation mit dem Titel "Die heimlichen Cousinen der Königin" kommt eine Krankenschwester zu Wort. Sie behauptete, dass Nerissa und Katherine sich trotz ihrer geistigen Behinderung ihrer königlichen Herkunft bewusst waren. So sollen sie bei Fernsehauftritten der Queen salutiert haben.

Queen empört über Berichterstattung

Nerissa Bowes-Lyon starb am 22. Januar 1986 im Alter von 66 Jahren. Sie verbrachte mehr als 40 Jahre in psychiatrischer Behandlung. Ihr Grab zierte lediglich ein schlichtes Plastikkreuz mit einer Nummer und ihrem Nachnamen: “M11125 Bowes-Lyon.” Nur Krankenhauspersonal nahm an der Trauerfeier teil. Ihre Schwester Katherine starb 28 Jahre später, am 23. Februar 2014. Nach der Schließung des Krankenhauses "Royal Earlswood" verbrachte sie ihre letzten Lebensjahre in einem Wohnheim in Surrey. Sie wurde neben ihrer Schwester begraben – still und leise.

Die Queen soll über die TV-Dokumentation 2011 empört gewesen sein. Ein Palastmitarbeiter erzählte 2012 dem "Mirror", dass Elizabeth II. behauptete, ihre beiden Cousinen seien sehr wohl regelmäßig von Familienmitgliedern besucht worden. Dass sie selbst vor Ort war, dafür gibt es keine Belege.


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