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Streaming: "The Mandalorian" – die Wiedergeburt von Star Wars mit harter Aktion und Retro-Optik

Seit Jahren fühlte sich der Star-Wars-Fan nicht mehr so zu Hause wie in der grimmigen Welt von "The Mandalorian" – dafür sorgt eine kunstvolle Kombination von Déjà-vus und die Retro-Optik. Am Ende gibt es eine Überraschung, die den Fan nicht loslassen wird.

Die Aufnahmen sehen aus wie von 1977 und das ist keine Kritik.

Die Aufnahmen sehen aus wie von 1977 und das ist keine Kritik.

Spoiler-Alarm: Dieser Text enthält inhaltliche Information zur ersten Folge von "The Mandalorian"

Der neue Streaming Dienst von Disney startete zwar mit technischen Schwierigkeiten, doch dafür erwartete die erste Episode der Disney-Serie "The Mandalorian" den Zuschauer - inszeniert von Jon Favreau. "The Mandalorian" ist der erste Serienableger aus dem Star-Wars-Universum – zumindest was Realfilme angeht. Und noch wichtiger: "The Mandalorian" ist bei Weitem das Beste, was seit langer Zeit von Disney aus dem Baukasten von Rebellen und Imperium zusammengesetzt wurde.

Die Serie ist ein perfekt programmierter Erfolg. Sie tut viel, um die Star-Wars-Fans der ersten Stunde – also von 1977 – aus ihrer Schmollecke zu holen, und sie kann Action und Humor im Stil der ersten drei Spielfilme wiederbeleben. Dazu punktet "The Mandalorian" mit Überraschungen und bietet zum Schluss einen altbekannten Neuzugang auf, der die Herzen der Star-Wars-Gemeinde erobern wird.

Die Fans wickelt Favreau mit der Retro-Optik der ersten Spielfilme ein und füttert sie mit jeder Menge an Déjà-vu-Erlebnissen. Die sind nie bloße Wiederholung alter Szenen, sondern sie lösen nur Erinnerungen aus, die in der Serie ganz anders aufgelöst werden. "The Mandalorian" kehrt zu den Anfängen zurück – also zu den Rezepten, als die Star-Wars-Welt noch in Ordnung war.

Das Imperium ist besiegt.

Das Imperium ist besiegt.

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Alte Motive neu belebt

Die namensgebende Hauptperson stammt von Stamme der Mandalorians ab, ganz wie der legendäre Jango Fett. Und wie Jango geht er finsteren Beruf nach: Er ist Kopfgeldjäger und dabei noch lakonischer als Arnold Schwarzenegger in Terminator I. Er spricht fast nie, dazu trägt er ständig den Helm, der schon Jango Fett zur Ikone machte. Ein ähnliches Motiv wie bei Darth Vader – dessen Gesicht erst im Moment des Todes enthüllt wurde.

Sein erster Einsatzort gleicht bis zur Inneneinrichtung der Bar dem Wüstenplaneten Tatooine, nur dass hier die spärlichen Gebäude in einer frostigen Eiswüste sitzen. Bei Bauten und Action hat Disney gelernt, dass es heute leicht ist, fantastische Bauten aus dem Computer zu generieren, doch dass dieser optische Overkill den Zuschauer inzwischen nur noch anödet. Die Gebäude des "Mandalorian" sind wieder Lehmbauten und Kulissen, wie aus den ersten Star-Wars-Filmen, die nur einzelne animierte Gadgets aufwerten. Auch die Kämpfe an Seiten eines Droiden schaffen es, die alte Mischung von Action und nicht allzu fett aufgetragenem Humor zu reanimieren.

Das Imperium ist am Ende

"The Mandalorian" führt den Zuschauer in eine düstere Welt. Ein Beispiel am Rande: Der fette Schurkenwurm Jabba hatte einen kleinen langohrigen Begleiter. Dessen Artverwandte müssen nur entsetzt in einem Käfig mit ansehen, wie einer der ihren am Bratspieß gegrillt wird. Auch das erste Kopfgeldopfer "rettet" der Mandalorian offenbar vor einer fleischlichen Verwertung.

Das Imperium ist untergegangen, und es sind nicht Frieden und Wohlstand über die Galaxis gekommen. Es ist eine verlorene Welt, in der Gesetzeslose herrschen.

Der Mandalorian selbst gehört zu einem in dem Wirren der Kriege verstreuten Stamm. Visionen von Mord und Zerstörung, der er als Kind erleben mussten, tauchen vor dem inneren Auge der Kriegswaisen auf. Dem geschlagenen Imperium geht es nicht gut. Die alte, imperiale Währung ist nichts mehr wert. Doch der Kopfgeldjäger wird von einem seltenen Metall angezogen, das seinem Stamm einst geraubt wurde. Die sonst immer glänzenden Sturmtruppen tragen angeschlagene Rüstungen und verstecken sich im Kellergeschoss. Dort wartet mit dem Abgesandten des Imperiums die erste große Überraschung für den deutschen Zuschauer. Hinter dem Schreibtisch im Keller erhebt sich kein Geringerer als Werner Herzog – einst als deutscher Filmemacher und Kinski-Intimus bekannt und heute einer der berühmtesten Dokumentarfilmer der Welt. Mit seinem unnachahmlichen Akzent setzt Herzog den Kopfgeldjäger auf eine besonders gefährliche Person an, die sich auf einem staubigen Steppenplaneten verstecken soll.

Der überraschende Endgegner

Nach einer Begegnung mit der Stimme von Nick Nolte und einem wilden Shoot-Out im Stil eines Italowesterns, steht der Mandalorian vor dem Gesuchten. Beziehungsweise vor dessen Krippe. In der letzten Einstellung erkennt man die Kunst Jon Favreau. Hier treffen Disneys Franchise-Erwartungen und die Wünsche der Zuschauer in einer vollkommen überraschenden Schlusssequenz zusammen: Aus der Wiege blickt dem finsteren Kopfgeldjäger ein süßer Baby-Yoda an.

Da muss es bei dem kriegerischen Waisenkind "Klick" machen und mal wieder ist der Kopfgeldjäger auf merkwürdige Art zu einem Kind gekommen, sein Vorgänger Jango Fett hat sich seinen Sohn Boba als Klon bestellt. Mit dem kleinen Yoda hat Favreau den Zuschauer endgültig im Sack – jeder Star-Wars-Fan will wissen, wie dieses ungleiche Vater-Sohn-Duo durch die verwüstete Gala zieht.

Ein neuer Star wird geboren.

Ein neuer Star wird geboren.

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"The Mandalorian" Episode 1 ist jetzt auf Disney+ zu sehen. Episode 2 wird am Freitag, den 15. November, freigeschaltet und alle folgenden Episoden werden jeden Freitag danach veröffentlicht. In Deutschland startet Disney+ erst am 31. März 2020.