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Netflix-Dokuserie Raubkatzen, tote Ehemänner und Crystal Meth: Warum gerade alle über "Tiger King" sprechen

Joe Exotic ist der "Tiger King"
Joe Exotic ist der "Tiger King"
© Netflix
"Tiger King" ist so absurd, dass fast jede Szene neues Material für Internet-Memes und Witze bietet. Aber worum geht es in der Netflix-Doku überhaupt?

"Was zur Hölle habe ich da gerade geguckt?", ist wohl eine der Fragen, die man sich nach den sieben Folgen "Tiger King" fassungslos stellen könnte. Die Netflix-Doku ist gerade in aller Munde, Instagram und Twitter voll von Scherzen und Memes. Aber worum geht es in "Tiger King" überhaupt?

"Tiger King": Worum geht es in der Netflix-Doku?

In sieben Episoden wird die Geschichte von Wildtier-Fanatikern in den USA erzählt, darunter Joe Exotic, der wohl exzentrischste unter ihnen. Er ist der selbsternannte "Tiger King" und betreibt einen Zoo in Oklahoma. Seine jahrelange Erzfeindin, Carole Baskin, kämpft gegen die Wildtierzucht und den illegalen Handel in dem Land, betreibt jedoch selbst eine Art Tierpark, den sie aber als "Rescue Center" bezeichnet, in dem die mächtigen Tiere geschützt alt werden sollen. Baskin und Joe Exotic eint ein Streit, der sich über Jahrzehnte zieht. Sie behauptet, der Tiger-Fan würde die wilden Tiere quälen – womit sie durchaus Recht hat –, der schrille Selbstdarsteller beschuldigt derweil Baskin, ihren zweiten Ehemann ihren Raubkatzen zum Fraß vorgeworfen zu haben – auch an dieser Theorie könnte durchaus was dran sein.

Carole Baskin in "Tiger King"
Carole Baskin ist Joe Exotics Erzfeindin in "Tiger King"
© Netflix

Aber Baskin und Exotic sind bei Weitem nicht die einzigen Figuren, die beim Zuschauer Entsetzen auslösen könnten. Da wäre noch "Doc" Antle, ein weiterer Zoo-Betreiber, der sich einen Harem von drei Ehefrauen hält und beschuldigt wird, Jungtiere einzuschläfern, sobald sie nicht mehr als Kuscheltiere für die Zoo-Besucher herhalten können. Oder Jeff Lowe, ein krimineller Unternehmer, der seine Raubkatzen in Koffern in Hotels schmuggelt, um dort möglichst viele Frauen ins Bett zu kriegen. 

Ein Geschäft voller Korruption und Tierquälerei

In "Tiger King" geht es um Macht und Geld, um Eitelkeiten, kriminelle Energien, Korruption und ganz große Egos. Die Tiere sind Mittel zum Zweck. Die Botschaft: Wer Tiger als Haustiere halten kann, der hat Macht, Sex und Kohle. Der homosexuelle Waffennarr Joe Exotic nutzt seine eindrucksvolle (aber illegale) Tierzucht, um junge Männer anzulocken. Mit Crystal Meth und emotionaler Manipulation hält er seine zwei Ehemänner John und Travis über Jahre bei sich – erst später in der Doku wird enthüllt, dass die beiden gar nicht schwul sind.

Videomaterial von Vier Pfoten zeigt, wie Händler vier Tigerwelpen verkaufen wollen

Sieben Folgen lang bekommen Zuschauer einen Einblick in eine Welt, von der die meisten wohl nicht mal wussten, dass sie existiert. 

Kritik an "Großkatzen und ihre Raubtiere": (zu) viele Handlungsstränge

Doch die Doku, die in Deutschland unter dem Namen "Großkatzen und ihre Raubtiere" auf dem Streamingdienst zu finden ist, verliert sich teilweise in den vielen Handlungssträngen. So wird die Sekte von "Doc" Antle zwar thematisiert und eine ehemalige Gespielin des unheimlichen Katzenfanatikers kommt zu Wort, doch nach nur einer Episode wird die Thematik schon links liegen gelassen. Das liegt auch daran, dass wohl jede einzelne Figur in "Tiger King" genügend Stoff für eine eigene Doku hätte liefern können. 

Das Problem ist jedoch auch: Nicht eine der gruseligen Figuren, um die es in der Dokuserie geht, löst beim Zuschauer ehrliche Sympathien aus. Am Ende tut das am ehesten noch Joe Exotic, der mit seinen Sprüchen und seinen grauenhaft schlechten Musikvideos immerhin für absurdes Entertainment sorgt. Doch das führt zu einem weiteren Kritikpunkt: Der Mann, der über Jahre wilde Tiere gequält hat, illegal mit ihnen handelt, seine Männer manipuliert und der einer Frau droht, sie umzubringen, ist am Ende die charismatischste Figur der ganzen Dokumentation und bekommt gerade im Netz durch die unzähligen Memes Kultstatus. 

Am Ende bleibt nur Fassungslosigkeit

"Tiger King" ist also problematisch, mit Vorsicht zu genießen und bietet trotz allem perfekten Eskapismus in der Corona-Krise.

Denn machen wir uns nichts vor: Während man die Zeit, die man wegen der Coronavirus-Gefahr gerade gezwungenermaßen zu Hause verbringt, mit Frühlingsputz oder Home-Workouts verbringen könnte, sind sieben Folgen Wildtier-Wahnsinn doch die bessere Alternative. Am Ende bleibt trotzdem die Frage: "Was zur Hölle habe ich da gerade geguckt?"


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